Gebäude. Als Maximilian 1753 tief verschuldet gestorben war und über sein Vermögen der gerichtliche Konkurs verhängt wurde, kam das Palais zur öffentlichen Versteigerungß Die Töchter des Prinzen sollen den väter- lichen Wohnsitz erworben haben. Aus der weiteren Geschichte des Gebäudes ist bekannt, daß es nach Über- nahme durch den Landgrafen lange Zeit leer stand und während des siebenjährigen Krieges durch wiederholte Einquartierungen zu leiden hatte. Seine Eigenschaft als Wohnhaus verlor es vollends, als Friedrich Il. es 1765 zu einem Opernhaus ausersah und Veränderungen vornahm, die einem Neubau gleichkamen. Am 12. März dieses Jahres machte das Bauamt in der Angelegenheit dem Landgrafen eine Vorlage, indem es auf die Entschließung des Fürsten Bezug nahm, daß „die Gebäude des von ihm erkauften Prinz Maximilianischen Hauses auf der Oberneustadt zu einem Theater aptirt werden sollen." Der Antrag des Bauamtes, eine auf dem Transport befindliche Ladung Tannenholz, die zum Teil in der Herrschaft Schmalkalden gekauft und zu einem Exerzierhaus bestimmt war, unter Anderem auch dazu zu verwenden, daß das Bauwerk aus seinem verwüsteten Zustand gebracht werde, fand Genehmigung! 1766 wurde „mit Erbauung des neuen Opern- und Comödienhauses der Anfang gemacht." 3 Das Nebenhaus des Palais' scheint zunächst in den Besitz von Chollet übergegangen zu sein. Zu Schminkesf Zeit, im Jahre 1767, befand es sich wieder in den Händen des Landgrafen, diente aber ebenfalls nicht mehr den Wohnzwecken des Hofes. Es enthielt vielmehr verschiedene Behörden, als welche die französische Kommission oder Kanzlei, das Oberbauamt, die landschaftliche General-Steuer-Rektiükations-Kommission und die Oberwege-Kommission aufgeführt werden. Engelhard-l berichtet 1778, daß das „am Opernhause gelegene ehemalige Cholletische, und nachherige herrschaftliche Haus, wieder zu einem Privathause überlassen und die darein angewiesenen Kollegien in den neuen Kolliegenhof verleget worden." Später nahm es die lntendantur des Theaters auf. Mit dem Theater fiel im Jahre 1910 auch dieses Nebengebäude. Die überkommenen Abbildungen reichen nicht hin, ein zuverlässiges Urteil über das Aussehen des Palais' zu gewinnen. Nach den Stadtplänenaus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lag das Gebäude mit seiner Hauptfront bündig in der Flucht der Königsstraße. Roth 6 zeichnet 1736 beim Hauptbau, den er wie die Nachbarhäuser mit einem Giebelaufbau versieht, einen langen Nebenflügel an der Seite nach dem späteren Opernplatze zu. Auf Leopolds Darstellung von 1742 und 1757 7 zeigt der Bau rückseitig zwei symmetrisch aus- gebildete Seitenflügel, die an den Enden hakenförmig umgebogen sind und vermutlich einen Wirtschaftshof umschlossen. Das Vorhandensein dieser „zween schmalen Flügeln" wird von Engelhard 8 bestätigt. Über die Raumeinteilung des lnnern sind sichere Angaben nicht möglich, wenngleich der Grundriß auch noch nach dem Umbau zu einem Theater wenigstens in einzelnen Teilen eine Zeit lang unverändert blieb und insbesondere zunächst die Prunkräume, aus denen während des siebenjährigen Krieges die letzten Möbel entfernt waren, geschont zu sein scheinen. Selbst während des Umbaues müssen einzelne Räume noch als Wohnung benutzt sein. Wenigstens wurden 1767 einem Musiker „in das Prinz Maxische Haus, worin sonst keine Commodite mehr befindlich, auf die Zeit, da er wegen des Comedien-Baues sein sonstiges Logis hat verlassen und hier einziehen müssen", einige Möbelstücke geliehen. Auch nach Vollendung des Theaterbaues können nicht alle Räume des Palais' verschwunden sein, denn Engelhard 9 berichtet 1778, daß „das Vorderhaus, welches an dem Ecke der alten Königsstraße gegen den Friedrichsplatz lieget, zu Zimmern geblieben ist, welche theils gnädigster Herrschaft. um darinnen abzutreten, dienen." Nicht ausgeschlossen mag es sogar sein angesichts der klein- räumigen Verhältnisse, die der Grundriß in seiner letzten Form zeigte, daß einzelne lnnenwände sich bis in 1 Rommel, Gesch. v. Hessen X S. 54. Pfalf, Hofgeismar. ' Staatsarchiv Marburg. O. W. S. 132. 3 Schminke, Cassel S. 78 f. Losch, Chroniken S. 129. Vgl. Abschnitt „Opernhaus". ' Cassel S. 309. - ' Erdbeschreibung l S. 109. ' Stadtplan v. Roth 1736. ' Stadtplan v. Leopold 1742 u. 1757. ' Erdbeschreibung l S. 108. ' Erdbeschreibung l S. 108. Losch, Chroniken S. 36 Anm. Tafel 12 Tafel 13 (S!