Der B a u des Marstalles und die Neuhefestiguxlg der Vorburg. Von 1600 ab beginnt wieder eine Periode besonders reger Bauthätigkeit, welche einerseits einen reicheren zeitgemässen Schmuck der altern Theile, anderseits eine Neubefestigung mit zeitgemässen Bollwerken bezweckte. Erst in dieser Periode um 1617 tritt ein eigentlicher Architekt als technischer Leiter des graf- lichen Bauwesens auf, der auch neben dem herrschaftlichen Baumeister, dem Verwaltungsbeamten, als welche meist kleinere Adlige (z. B. um 1600 Conrad von Drimberg) fungirten, selbständig Contrakte abschloss, während bis dahin nur mit Steinmetzen, Zimmerleuten etc. direkt verhandelt wurde. In der Befestigung wurde systematisch zu Werk gegangen. In der Thiergartenmiihle (wohl der auf dem Plan mit U bezeichneten, jetzt im Privatbesitz betintl- liehen) wurde, um die neuen Geschütze zu giessen, ein Giessofen angelegt. dessen Gebläse ein Wasserrad trieb, und für welchen Heinrich Thomas (tom) aus Frankfurt das steinerne Modell zu einem nldeuermörsel" machte. "Auf dem Wall" wurde eine Pulvermühle, wohl Rossmühle, angelegt. Vor dem Thor, also unter Beibehaltung der früheren Festungsbauten, wurde ein Wall errichtet, durch den ein "Portgewölb" führte, und auf welchem ein „Plockhaus" aus Fachwerk stand. An die Stelle der alten "Zwerchmauer", in welcher bereits oben (p. 129) die alte Schildmauer vermuthet wurde, welche Kernwerk und Vorburg schied, trat 1603 ein neues mit einem "geplatteten Altan" abgeschlossenes Bollwerk für vier Geschütze, deren viereckige mit einem „Rontenstab" umgebene „Sc,husslöcher" neben einer gehauenen Thiire Hans Eckel anfertigte. Die Strhusslöcher konnten mit starken hölzernen ntqpimtlen" verschlossen werden. Das Oelbild zeigt dieses Bollwerk im Mitelgrund und danach der Plan punktirt unter L. Auf der Ostseite der Vorburg wurde von 1600 ab längs der alten läollwverke und des späteren „langen Walles" der langgestreckte Marstallbau F errichtet und mit dem bestehenden ltundel VI in Verbindung gesetzt, welcher unten ein grosses Kellergewölbe, darüber den Marstall, zu oberst die Riistkammer enthielt, und an dessen Hofseite im Erdgeschoss ein reichverzierter offener „(iang" mit Kreuzgewölben auf Säulen, darüber offene flachgedeckte Arkaden fortliefen. Kleine reichdectvrirte (liebel belebten die Dachtläche an den Längsseiten, und die Stirnseiten des Baues erhielten (liebel mit geschweiften Kanten und Pilastertheilung, von denen nur der neben dem Archivtlulnn sich erhalten hat und auf Tab. 213 zu sehen ist. Die Säulen und Pilaster mit ihrem Schmuck von einuntldreissig nhöwenköpfen und sonst (lesichternu fertigte der Bildhauer Heinrich Thomas aus Frankfurt a. M., der Bildhauer Bathasar (läiitltncr?) aus Biitlingen 1) dagegen die innere Decoration wie Kamine etc. Die Fenster wurden mit kunstvollen lüisengittcrn versehen, und die ltiiume des Oberstockes, der Riistkammer, erhielten ein „Geschrambss" für Kugeln. Die alten Rüstungen waren schon 1592 von dem Meister Michael dem Plattner aus Büdiugen in Stand gesetzt worden. Von der Architektur des ganzen giebt neben dem erwähnten Rest am Archivthurm nur das oft citirte Oelgemiilde eine kümmerliche Vorstellung, denn leider wurde schon beim Neubau des Mittelschlosses 1768 alles Zierwerk der Hofseite als altfränkisch beseitigt, als man den Marstall in das ehemalige Brauhaus K verlegte, um während des Neubaues für den alten abgerissenen Flügel an Stelle von H Ersatz zu gewinnen. Der Umbau des Hauptfliigels H 1603 u. f. An dem alten Hauptbau H wurden von 1603 ab umüingliehe Plrgiinzungs- und Ausscbmiiekungsarbeiten vorgenommen, welche ihn zu dem Glanzpunkt des Schlosses machtcil. In ihm lag im Erdgeschoss die grosse Fronstube, darüber das Frauenzimmer. Zunächst wurde ein Stockwerk aufgesetzt, und dann 1603 durch die Steinmetzen Jost Sehöffer und Hans Schmidt aus Biidingen „drei neue Giebel jeder 22 Schuh im lichten mit tiinff simbsen vbereinander, sampt datzu geherigen Spitzen, Callaunen wie auch im obersten Gewandt zwei einfache fenster nach aussweisung der visirung" auf dem „frauenszinmiersbauu aufgerichtet. Auch der westlich vertretende Giebel des alten Baues A erhielt 1604 einen ähnlichen (Hebel. Die alten Fenster wohl Ver- hangbogenfenster wurden durch eine neue Umrahmung mit „B0ssenquadern, Fuss- und Friessgesimbs" durch den Steinmetz Hans Henneberg (aus läiidingen?) der übrigen Architektur angepasst. Im Innern wurde eine neue „Stege", ein Treppenhaus, als Ersatz für die alte Wendeltreppe im Thurm I, angelegt, und die Gäuge wurden mit (21,000 Stück) „gebackenen Ptlastersteinenu belegt, welche zu ')'Ein Bruder wohl des beim Flügel H genannten Hans Biidcnner.