Einführung 13 Der räumliche Eindruck der Uplandslrirchen wird durch ihre hängekuppelartigen Gewölbe be. stimmt. Sie ruhen auf Gurten und Wandbügen, die ihrerseits wieder durch Lck- bzw. wand- vorlagen getragen werden. Die Seitenschiffe der Basiliken besitzen einfache grätige Kreuz ­ gewölbe ohne Zwischengurte. Der Triumphbogen erscheint auch in den einschiffigen Anlagen zumeist nur wenig eingezogen. Oie Ausnahmen in Welleringhausen und Immighausen wurden schon erwähnt. Auch der überwölbte Lrdgeschoßraum der Türme ist bzw. war durch eine mehr oder weniger breite Kundbogenöffnung mit dem Kirchenschiff verbunden. Tine besondere Aus ­ gestaltung hat der Turm in Mühlhausen erfahren: Seine Westwand öffnete sich in zwei Ge ­ schossen durch Doppelarkaden nach dem Gemeinderaum hin. Tine Sonderstellung unter den romanischen Kirchen des Kreises nehmen die stattlicheren Anlagen in Adorf und Flechtdorf ein. Auch die Pfarrkirche in Adorf ist eine gewölbte Basilika des gebundenen Systems. Gegenüber den Anlagen der eben besprochenen Gruppe, die die kennzeichnende westfälische Gedrungenheit zur Schau tragen, ist in der Adorfer Kirche eine ausgesprochene Richtungstendenz spürbar: Ihr Mittelschiff besitzt statt der sonst vorgefundenen zwei quadratischen Joche deren drei, und der Thor bildet nach Breite und höhe seine un- mittelbare Fortsetzung. Im Äußeren ist ein Absatz überhaupt nicht, im Inneren nur durch eine von Säulen getragene Auflage auf dem östlichsten Gurt, der den Triumphbogen darstellt, ge ­ kennzeichnet. Endlich erfährt der Thor in Form einer apsidialen Endigung noch eine Auswei ­ tung nach Dsten. Die Gstapsiden der Seitenschiffe sind ebenso wie der Linturm im Westen auch hier vorhanden, verwandte Kirchenbauten nach dem dreiapsidialen Schema ohne Tsuer- schiff finden wir bis in die östlichen Grenzgebiete Medersachsens hinein verbreitet. Oer tek ­ tonische Aufbau der Adorfer Kirche ist der gleiche wie der jener übrigen Basiliken des Up- landes. Im Schmuck der Kämpfer und in der Ausbildung der Triumphbogenstützen fällt je ­ doch ein gewisser Reichtum gegenüber der dort betonten Schlichtheit auf. Als Basilika des gebundenen Systems ist schließlich noch die benachbarte Klosterkirche in Flecht- dors angelegt worden. Sie ist durch ein westliches Tluerschiff bereichert, das zusammen mit einer anschließenden Turmtravee einen Hallenraum bildet. Mit ihrer mächtigen voppelturmfront zeigt die Flechtdorfer Kirche Anlehnung an gewisse Bauten der hirsauer Schule. Sie hebt das Äußere der Flechtdorfer Kirche vor allen anderen romanischen Kirchen Waldecks heraus. Der ursprüngliche Gstabschluß ist verloren. Mit dem in Hallenform, und zwar schon im rheinischen Übergangsstil aufgeführten südlichen Seitenschiff gibt die Flechtdorfer Kirche bereits das Binde ­ glied zur Gotik. — Line ähnliche Bedeutung kommt der ehemaligen Klosterkirche in Schaaken zu. Lin nur im Norden vorhanden gewesenes Seitenschiff war hier dem basilikalen Schema entsprechend angegliedert. Im (Osten lag ein ebenfalls nur nach Norden hin entwickeltes (Huer- Haus. Über die Form des Gstchores würde nur durch Grabungen, die leicht durchzuführen wären, Gewißheit zu erlangen sein. Im Aufbau der Kirche ist die Gotik stellenweise, so in der sehr sorgsam ausgebildeten Westfront, schon voll zum Durchbruch gekommen. Vas Gleiche gilt von den Linzelformen des in der Grundanlage noch romanischen Thores der Kirche zu Usseln. Die Gotik besitzt nur in der Stadt Korbach bedeutende und in allen Teilen wohl erhaltene Denkmale, von dem ehemaligen Franziskanerkloster zwar sind nur Mauerteile und von dem Mönchehof in der Altstadt ist nur ein architektonisch ausgebildetes Portal erhalten geblieben. In ihrem mittelalterlichen Baubestand nahezu unberührt aber stehen die beiden stattlichen Kirchen St. Kilian und St. Nikolai. Beide besitzen ein dreischiffiges, als Halle errichtetes Langhaus, einen quadratischen Westturm und einen Thor aus einem bzw. zwei Vorjochen und polygonalem Schluß. Beide stimmen, unter vorantritt von St. Kilian, auch in mancherlei Be ­ sonderheiten miteinander überein, so in der Wandgliederung des Thores, in der räumlichen Gestaltung des Turmraumes und in seiner Anordnung zum Schiff. Das Gleiche gilt von der Ausbildung der Portale des Turmes und von seinem allseitigen Giebelabschluß. Trotz alledem sprechen aus den beiden Kirchen zwei verschiedene Baugedanken. Vas Innere der Kilians ­ kirche mit seinem weniger langen als breiten, aus nur drei Traveen bestehenden Langhaus läßt eine ausgesprochen westfälische Behäbigkeit verspüren. Dabei ist der Raum dank seiner stolzen höhe von bemerkenswerter Freiheit. Nicht nur hierfür, sondern auch für manche Ein ­ zelheiten — hingewiesen sei auf die Bildung der Fenster — erkennen wir als Vorbild die Kirche Maria zur wiese in Soest. Der Baugedanke der Nikolaikirche, die eine ausgesprochene