Einführung 7 lenberg und W a l d e ck. Zur Mehrung des Besitzes trug auch die Vermählung des Grafen volkwin I. mit Lutgard, der Tochter des Grafen Poppo von Reichenbach, eines Bruders des Grafen von Ziegenhain, bei, durch welche die Grafen wahrscheinlich in den Besitz von Gütern an der Eder gelangten, wo die Ziegenhainer Grafen begütert waren. Allmählich gelang es den Grafen, sich gegenüber Paderborn und Torvey immer unabhängiger und selbständiger zu machen und zahlreiche Güter, in deren Besitz sie als paderbornische oder Torveysche Mini ­ sterialen und Schirmvögte gelangt waren, in ihren persönlichen hausbesitz zu bringen. Sn einem Streit mit Torvey, dessen Ursache wohl darin zu suchen ist, daß sie nach dem Tode des Torveyer Schutzvogtes, des Grafen Siegfried von Bomeneburg aus dem Hause Nordheim, im Jahre 1144 bei der Neubesetzung übergangen wurden, ließ Graf volkrwin die von ihm unter ­ worfene Stadt Eresburg 1145 in Brand stecken und brandschatzte und plünderte 1148 die Tor ­ veysche Stadt Höxter. Sein Bruder Graf widekind IV. überfiel 1151 sogar das Stift Torvey selbst. Und als dieses sich bei dem Bischof von Paderborn und bei Kaiser Friedrich I. beklagte, überfielen beide Brüder im Jahre 1156 abermals die Torveysche Stadt Höxter und plünder ­ ten sie. 1158 saß Heinrich der Löwe über Graf Widekind in Torvey zu Gericht. Die aus der gräflich-nordheimschen Erbschaft stammenden Güter mit dem Schloß vesenberg bei Marburg, zu denen auch zahlreiche Besitzungen im nördlichen Waldeck gehörten und die nach dem Tode des Grafen von Winzenburg als Lehen Herzog Heinrichs des Löwen an die Schwalenberger Grafen gekommen waren, entzog dieser ihnen daraufhin wieder. Nach dem Sturze Heinrichs des Löwen im Jahre 1182 gelangte das Herzogtum Engern und Westfalen an den Erzbischof von Köln. Ebenso gingen die in Waldeck liegenden Lehen Heinrichs des Löwen an den Uölner Erzbischof über. Schon Graf Widekind V. von Schwalenberg und Waldeck (gen. zwischen 1180 und 1190) war als Schirmvogt in den Besitz der Stadt Korbach gelangt. 1188 verlieh Bischof Bernhard II. von Paderborn der wahrscheinlich schon 1075 gegründeten Stadt Korbach das Soester Stadtrecht auf Bitten ihres Grafen Widekind. Dieser verzichtete jedoch 1189, ein Jahr vor seinem Tode, auf die Schirmvogtei von Paderborn. Bald darauf ist Korbach pader- bornisches Lehen der Grafen. In einem Streit mit Paderborn wird den Grafen volkwin III. und Adolf I. 1227 von Bischof Wilbrand die Stadt entzogen, doch werden diese bald darauf von neuem mit ihr belehnt. 1267 bringt Graf Adolf I. nach einer siegreichen Fehde gegen den Abt Tymo von Torvey und dessen verbündete, den Bischof Simon von Paderborn und den Erz ­ bischof Engelbert von Köln, das Schloß und Amt Lichtenfels und die erst kurz vorher gegrün ­ deten Städte Sachsenberg und Fürstenberg in seinen Besitz. Nach erneuten Fehden zwischen Torvey und dem Grafen Dito I. verzichtet Torvey 1297 endgültig auf das Amt Lichtenfels und die Städte Sachsenberg und Fürstenberg und muß ein Jahr später auch noch das Amt Münden an die Grafen abtreten. In diese Zeit fallen auch eine Neihe anderer wichtiger Neu ­ erwerbungen der Waldecker Grafen, die außerhalb unseres Kreises liegen. Durch die Ver ­ mählung des Grafen Heinrich III. mit Mechthild, geb. Gräfin von Arnsberg, kamen die Grafen in den Besitz von Schloß und Herrschaft Wewelsburg, der Herrschaft Nüdenberg mit dem Asting- häusergrund und schließlich der Grafschaft Züschen, Alle diese Besitzungen gingen den Wal ­ decker Grafen jedoch bald wieder verloren. Wewelsburg wurde von Graf Gito I. 1301 an Paderborn verkauft. Nüdenberg wurde 1515 zwischen Graf Heinrich IV. von Waldeck und Graf Wilhelm von Arnsberg geteilt, wobei Waldeck den Astinghäusergrund zwischen Brilon und Medebach erhielt, und die Grafschaft Züschen kam 1327 an die Grafen von Wittgenstein. Eine andere Erwerbung der Grafen war von größerem Bestand. 1294 trat Erzbischof Gerhard von Mainz das aus dem Besitze der Burggräfin Sophie, Erbtochter von Ziegenhain, stammende Schloß und Amt Wildungen mit den beiden Städten Wildungen an den Grafen Dtto von Waldeck wegen treuer Dienste, die dieser ihm als Mainzischer Gberamtmann in Hessen geleistet hatte, ab, nachdem sie schon vorher an ihn verpfändet worden waren. Im 14. Jahrhundert konnten die Grafen ihren territorialen Besitz weiter ausbauen und ihre politische Macht abermals erweitern. 1334 wnrde ihnen von den Herren von Büren die Freigrafschaft Düdinghausen mit den Dörfern Eppe, Hillershausen, Niederschlei ­ dern, Oberschledorn, Wissinghausen, Deifeld, Nefringhausen und Tietmaringhausen verpfändet. 1345 verpfändete ihnen der Erzbischof von Mainz Stadt, Amt und Schloß Naumburg und um 1357 auch die Hälfte der Herrschaft Itter mit der Burg Itter. Beide, Naumburg und