26 Drei Flugplätze bei Fritzlar Neben dem Fliegerhorst im Süden Fritzlars gab es auch noch das bekannte Gras- gelände „Fritzlar-Nord“ auf dem Exerzierplatz an der Kasseler Warte, das bis Kriegsende vermutlich als Hilfs- bzw. Scheinflugplatz diente. Seit 1944 gab es ostwärts davon eine Baustelle für eine neue, betonierte Start- und Landebahn, die in amerikanischen Quellen „Fritzlar-Nord-eins“ bezeich- net wird. Diese Bahn mit einem Rollweg nach Fritzlar- Nord war vermutlich schon für die Einführung des Strahlflugzeugs Me 262 vorgesehen, das eine längere und vor allem betonierte Start- und Landebahn benötigte. Zeitzeugenaussagen, Planungsgrundsätze für die Erweiterung von Fliegerhorsten und amerikanische Untersuchungen belegen diese Vermutung. Offen bleibt die Frage nach der Errichtung weiterer Bauwerke für den Betrieb eines Fritzlarer „Nebenflugplatzes“. Einen entsprechenden Baustab soll es bereits 1939 gegeben haben. Zu dieser Zeit wurden Piloten der ehemals in Fritzlar stationierten I./KG 54 auf dem Flugplatz Giebelstadt südlich Würzburg auf das neue Wunderflugzeug umgeschult. Luftschutzbunker nördlich der Eder Für den Fliegerhorst gab es lange Zeit keinen besonderen Luftschutzbunker. Noch im Mai 1943 begaben sich die Angehörigen der Junkerswerke nach dem Fliegeralarm im Zusammenhang mit dem Angriff auf die Edertalsperre in die entsprechenden LS-Keller ihrer Gebäude und nicht in einen gesonderten Bunker. Einen solchen hat es jedoch später gegeben, denn im Oktober 1944 werden alle Soldaten und Zivilisten in einem Kommandanturbefehl belehrt, „bei Fliegeralarm sofort den Horst zu verlassen und auf dem überdachten Zugang den für das Militär vorgesehenen Stollen / LS-Bunker jenseits der Eder aufzusuchen. Dieser befand sich also nördlich der Eder am heute stark verbuschten Südhang des Roten Rains und war über eine Holzbrücke zu erreichen. September 1944: III. Gruppe/Nachtjagdgeschwader 1 (NJG 1) Die mit dem Ende der Produktion der Junkerswerke wieder verfügbaren Kapazitäten des Flugplatzes wurden von September 1944 bis März 1945 durch die III. Gruppe NJG 1 genutzt. Die Gruppe kam vom Flugplatz Ailertchen im Westerwald und war in dieser Zeit mit 35-40 Messerschmitt BF 110G und 5-8 Junkers Ju 88G ausgerüstet. Der seit Mitte 1944 einsetzende Mangel an Flugbenzin führte Anfang 1945 neben anderen Fliegerwaffenschulen auch an der Nachtjagdschule zur Einstellung der Ausbildung. Die Staffeln der Schule wurden nach und nach in die Einsatzgeschwader eingegliedert. So kommt die 6. (oder 9.) Staffel NJG 101 (Schule) noch im März 1945 nach Fritzlar.