183 Abb. 160 u. 161: Geschütze. Holzschnitte eines unbekannten Meisters (Graf Solms, Kriegsbeschreibung) Hurenweibel, den obersten Proviantherrn, die Profosen, Wagenburgmeister, Wagenmeister und Scharfrichter. Auf ­ fällig ist dabei, daß die Ämter, die mit dem Gericht zu tun haben — dazu gehören ursprünglich ja auch die Wei ­ bel — nicht Zusammen um eine ebenfalls an dieser Stelle des Werkes veröffentlichte Gerichtsordnung stehen. Eine bestimmte Rangordnung gab es also noch nicht, und wir spüren deutlich, wie nach einem festen System gesucht wird. Die Häufung der Ämter, die sich auf die Wagen beziehen, deutet die wichtige Nolle an, die die Wagenburg damals noch im Lager, auf dem Marsch und in der Schlacht spielte. Mit dieser Auszählung der Ämter ist nun aber der In ­ halt der Schrift noch nicht erschöpft. Die Verfasser fügten ihr Bestallungsbriefe und Artikelbriefe, d. h. Anstel ­ lungsverträge bei. Denn damals schon wie heute bestand ein lebhaftes Bedürfnis nach Formularen. Auch sonst versucht die Schrift manche praktischen Winke zur Auf ­ rechterhaltung der Ordnung im Felde und in der Festung zu geben. Dem Werke haften, wie es bei einem ersten Versuch nicht anders sein kann, manche Mängel an. Deshalb wurde bereits 1539 eine Bearbeitung vorgenommen, die sich heute in Gotha befindet. Durch Umstellungen, Aus ­ lassungen und Zusätze sucht sie eine bessere Übersicht zu geben. Jetzt wird die Artillerie gesondert hinter Reiterei und Fußvolk behandelt und erhält dadurch den Charakter einer selbständigen Waffe. Das war ein bedeutender Fort ­ schritt. Denn nun war endlich der Weg frei, Taktik und Technik dieser neuen Waffe für sich zu untersuchen und darzustellen. Tatsächlich sind dann auch immer mehr sol ­ cher Arbeiten entstanden, und in den Enzyklopädien jener Zeit nimmt die Artillerie eine ganz andere Stellung ein, als das vorher der Fall war. So sind es zwei Hessen ge ­ wesen, die einen wichtigen Beitrag zur Ausgestaltung dieser Waffe geliefert haben. Es sollte auch ein Hesse sein, der bald danach die erste neuzeitliche Darstellung des gesamten Kriegswesens seiner Zeit veröffentlichte. Buttlar und Bemelberg hatten auf ihren Kriegszügen den Grafen Reinhard zu Solms kennen gelernt, und bald muß sich zwischen den drei Männern ein engeres Verhält ­ nis freundschaftlicher Zuneigung entwickelt haben, das auf gemeinsamen kriegswissenschaftlichen Interessen beruhte. Der Graf war kein Neuling in der Kriegskunst. Am 12. Oktober 1491 als ältester Sohn des Grafen Philipp zu Solms-Lich geboren, eines bedeutenden Mannes, der in der Politik und den schönen Künsten wohl bewandert war, erhielt er seine militärische Erziehung in Sickingens Hee ­ ren. Später war er in der Verwaltung der heimatlichen Grafschaft tätig und erwarb sich durch seine Festungs ­ bauten in Lich, Hanau und Ingolstadt einen weithin be ­ kannten Namen. In den Auseinandersetzungen zwischen dem Kaiser und den protestantischen Fürsten nahm er die Partei des ersteren und wurde von Karl V. nach dem Schmalkaldischen Kriege und der Niederwerfung der bei ­ den evangelischen Führer mit wichtigen Aufgaben betraut, so vor allem mit der Kommission zur Durchführung der Friedensbedingungen in Hessen. Kurz vor dem Fürsten ­ aufstande des Jahres 1551 wurde er als gefährlicher Gegner, der seinen kaiserlichen Herrn vor allem mit Nach ­ richten aus dem protestantischen Lager versorgte, auf dem Schloß Ziegenhain gefangen gesetzt und erst auf Grund des Passauer Vertrages wieder freigelassen. Seine letz ­ ten Lebensjahre lebte er zurückgezogen von der großen Politik in Lich, hauptsächlich kriegswissenschaftlichen Studien hingegeben. Er starb am 23. September 1562 zu Frankfurt und wurde in Lich beigesetzt.