132 diese Schulung in der Aquarell-Technik fand er eine malerisch lockere Lösung/ die ohne jede Technisierung sein großes Können einer gewissenhaften Landschafts ­ deutung überzeugend bewies. In diesen Blättern, die sich ihre Motive auf der Wilhelmshöhe im Habichts- waldc, in Willingshausen, in der Umgegend von Neu ­ stadt oder von Homberg an der Efze und anderen hessi ­ schen Gegenden suchten, beginnt die Farbe einen feinen und duftigen Ton Zu erhalten, das Ganze wird eine lockere, reichgegliederte Gesamtheit, die mit bewunde ­ rungswürdiger Liebe gestaltet worden ist. C. Hitzeroth schreibt zu diesem wichtigen Abschnitt der Kunst Paul Baums: „Diese Aquarelle verlangten dazu ein neues Sehen, forderten, daß er sich mit anderen Augen und anderer Seele in die Natur versenkte. Und es ist nicht gleichgültig, daß es deutsche Landschaft war, die er nun gestaltete. Mit anderem Pinsel geht er gerade der ein- fachen Herbheit der schönen hessischen Landschaft nach, ein neues Blatt ist in seinem Leben wie in der Kunst aufgeschlagen, mit der Rückkehr zur deutschen Landschaft. Nachdem er in vollendeter Meisterschaft draußen das Charakteristische der Landschaft, das Wesen der Natur ergriffen hatte, ist er nun doppelt befähigt, deutsche Landschaft zu erkennen und zu gestalten. Es ist zuwei ­ len, als ob Impressionismus und Neoimpressioismus ganz vergessen seien, so einfach ist das Aquarell gestaltet." Dies einfache und schlichte Bekenntnis bildet das be ­ deutsame Vermächtnis des hessischen Wirkens in seiner Kunst. Mit dieser völlig neuen Grundlage, die ihm ein neues Schaffen ermöglichte, konnten die l e t; t e n gro ­ ßen italienischen Arbeiten entstehen, die ab ­ schließend seine Bedeutung für die deutsche Kunst be ­ legen. H. K. Ansicht von Neustadt in Hessen.^Aquarell Die Neue Mühle bei Kassel Von Bruno Jacob Unter den Mahlmühlen der Kasseler Gegend nimmt die Neue Mühl e in der Gemarkung Niederzwehren insofern eine besondere Stellung ein, als sie seit ihrer Anlage eine herrschaftliche Mahlmühle gewesen ist, im Gegensatze Zu den beiden Kasseler Mahlmühlen, die ur ­ sprünglich dem Kloster Ahnaberg eigneten und erst 1526 durch die Säkularisation in herrschaftliche Hände kamen. Man darf mit Recht die Erbauung der Neuen Mühle auf dem linken Fuldaufer dort, wo dieser Fluß die Aus ­ läufer des Habichtswaldes von der Söhre trennt, als in der ersten Hülste des 15. Jahrhunderts, wahrscheinlich unter Landgraf Ludwig I., annehmen. Denn 1348 wird bei dem Vertrage zwischen Landgraf Heinrich II. und dem Stifte Kausungen über die Fischerei in der Fulda der Mühle noch nicht gedacht, 1443 aber ließ Landgraf Ludwig I. bei der Neuen Mühle fischen, wel ­ chen reichen Fischzug uns die Congeries berichtet. Dann wieder treffen wir i. F. 1463 den Zimmermeister Jo ­ hann Herber als von Landgraf Ludwig II. mit der Mühle belehnt, in gleicher Weise, wie sie vordem Bar- t h o l o m e s der Zimmermann innegehabt. Rechnet man aber, daß dieser etwa ein Menschenalter vor 1463 die Velehnung erhalten, so käme man ungefähr auf die Zeit, die man für die Anlage der Mühle ansetzen darf.