25 Prozeß ein Verhör nötig sein wird, bitten wir Euch, Ihr wollet jene, die solcher Handel betrifft, für den nächsten Donnerstag nach dem St. Mi- chaelötage zur Tageszeit nach Marburg in unsere Kanzlei bescheiden. Mir wollen seiner fürstlichen Gnaden wegen diesen Streit anhören und nach Billigkeit entscheiden, doch für jede Partei unschäd ­ lich und ohne Eingriff in seine Gerechtsame. Gegeben Dienstag, am Tage des Apostels N^atthaei 1501. Die Räte, jetzt zu Marburg. An Bürgermeister und Räte zu Treysa. Am 30 September 1501 fällen die fürstlichen Räte aas Urteil in der Klage des Abtes von Kap ­ pel gegen die Treyfaer Bürger. Am Donnerstag nach Michaelistag des Jahres 1501 ist durch die Räte unseres gnädigen Herrn von Hessen, nämlich Herrn Konrad von Mans- pach, Ritter und Hofmeister, Herrn Kaspar von Berlepsch, Ritter und Amtmann zu Nidda, Jo ­ hann (Muth, Doktor und Kanzler, Johann Schmerzet von Willingshausen, Haushofmeister, in Sachen nnd Streit zwischen dem Ehrwürdigen, in Gott Vater und Herrn Johann, Abt zu Kappel einerseits und Mengeö und Merren, Bür ­ ger zu Treysa und ihrem Anhang andererseits, betr. ein Haus, Acker, Garten und unbezahlter Zinsen samt Schaden in nachstehender Form und Weise verabredet. Die Angeklagten sollen zwischen dem genannten Tage bis auf den nächsten Mar- tinstag dem Herrn von Kappel und seinem Eon vent 72 gülden geben oder ihm und seinem Kloster eine neue und bessere Verschreibung einhändigen und geben. Nach diesem Termin sollen die Räte unseres gnädigen Herrn von Hessen gütlich über die nicht bezahlten Zinsen, die noch ausständig find, samt dem Schaden verhandeln. TLenn sie aber nicht täten, was verabredet ist, so mag mein Herr von Kappel in dem geistlichen Prozeß fortfahren. Und mein Herr von Kappel soll der Gegenpartei einen Zahlungsaufschub gewähren, wie oben ange ­ geben ist, auch eine Entlassung aus dem Gerichts ­ stand des geistlichen Richters zu Fritzlar gestatten. Gegeben in der Kanzlei am Tage und in der Zeit, wie oben angegeben ist. Wenn auch im Kampf zwischen den geistlichen und den weltlichen Gerichten mit dem Anfang der 'Neuzeit die letzteren den Sieg davon trugen, so zeigt doch dieser Prozeß, nur wenige Jahre vor der Reformation, daß die geistlichen Gerichte nicht immer so verdammenöwert waren, wie die spätere Zeit es darzustellen beliebte. Bezeichnend für die geringeren Machtmittel der weltlichen Gerichte zur Durchführung ihrer Urteilssprüche gegenüber denen der geistlichen Gerichte, vor allem der Er- communication, ist in unserem Falle der Eventual ­ beschluß der Räte des Landgrafen von Hessen, beim Unterbleiben der angeordneten Zahlung den Streit wieder dem geistlichen Richter zur Entschei ­ dung zu überweisen. Ein Ehezeugnis in lateinischen Distichen. Im Jahre 1670 gedachte der um 1641 zu Niederwetter geborene, damals also 29 Jahre alte Schäfer Johann Christoph (Stophel) Held- mann, der ältere Sohn des um 1650/51 verstor ­ benen Christian Heldmann, des Begründers des dritten Stammes unseres Geschlechts, in den Stand der heiligen Ehe zu treten. Seine Aus ­ erkorene war Anna Gertraud Krebs von Ober ­ rosphe, des Adam Krebs am 6. Oktober 1646 ge ­ taufte, also 24 Jahre alte Tochter. Da Christophs Mutter Anna geb. Wagner, Hans Soldans Stieftochter von Niederwetter, sich in zweiter Ehe am 5. Oktober 1651 mit Hans Möller, einem Witwer zu (Mellnau, verheiratet hatte, die Hochzeit ihres Sohnes aber in Oberrosphe stattfinden sollte, so bedurfte dieser eines Ehezeug- nifses von seinem zuständigen Pfarrer, 'dem Kaplan oder Diakonus Heinrich Haarhausen zn Wetter (1653—Ö6), in seiner Eigenschaft als Pfarrherr von Mellnau, für den Pfarrer von Von Prof. Dr. Karl H e l d m a n n , Halle a. S. Oberrosphe, Johann Philipp Lndovici (1641 bis 1680). Für dieses Zeugnis nun hat Ehrn Haarhausen die sicher auch für die damalige Zeit ungewöhnliche Form eines lateinischen Gedichtes von 7 Distichen gewählt, das er an seinen Amts ­ bruder in Oberrosphe sandte. Ich verdanke die Kenntnis dieses humorvollen Poems meinem jun ­ gen Freund, Herrn cand. hist. Hans Werner Rappe in Wetter, der es in einem alle möglichen Einträge enthaltenden Sammelheft Haarhansenö im Wetterschen Kirchenarchiv gefunden hat, in dem eö verblieben ist, nachdem Haarhausen, der 1686 Oberpfarrer geworden war, am 20. Juni 1701 das Zeitliche gesegnet hatte. Das poetische Ehezeugnis mit der Bescheinigung, daß ein Wider ­ spruch gegen das Aufgebot des Brautpaares in Mellnau nicht erfolgt fei, stammt vom 14. No ­ vember 1670, die Trauung Christoph Heldmanns mit Anna Gertraud Krebs fand am 27. No ­ vember statt. Beide find durch ihren Sohn