22 So glänzende und verführerische Aussichten veranlaßten endlich die fürstliche Hofkammer, daß sie mit vielen Kosten sogleich ein großes massives Faktoriehaus nebst den übrigen zu einem Eisen ­ werk gehörigen Gebäuden errichten ließ. Zuerst wurde die Anstalt auf Kammerrechnung betrieben; da hierbei mit der Zeit kein Vorteil herauszukom ­ men schien, so wurde sie nachher in Bestand über ­ lassen; und zuletzt, nachdem alle Hoffnung eines Gewmnstes verschwunden war, ganz aufgegeben. Von der Zeit der Verwaltung erzählt man sich in der Gegend viele eben nicht erbauliche Anekdoten, und man wundert sich dann nicht mehr iiber den Verfall einer Anstalt, die so schöne Aussichten ge ­ öffnet hatte. 1789 wurde das schöne Faktoriehaus samt den eingemauerten Ofen, der Eisenhammer samt den Rädern, und alle dazu gehörigen Gebäude, Fel ­ der und Wiesen, welche diesseits der Sinn auf der Seite von Oberbach liegen, dem Papiermüller TFilhelm Nlartin um 4000 Gulden verkauft. Dieser behielt die Wohnung des ehemaligen Fak ­ tors, verwendete den Eisenhammer zu einer Pa ­ piermühle, und hat jetzt gute Nahrung." Der Würzburger Fürstabt hatte sich also durch den Fehlschlag bei der Errichtung des „Stahl"- werkes nicht entmutigen lasten. Sein Eisenwerk mußte aber das Schicksal des fuldischen teilen. Die Papiermühle bestand in mehreren Ge ­ schlechterfolgen l2o Jahre lang, bis sie der be ­ ginnenden Industrialisierung Deutschlands wei ­ chen mußte. Der Hof jedoch, auf dem das Eisenwerk und später die Papiermühle betrie ­ ben wurden, besteht noch als Einzelhof. Er liegt in dem romantischen Sinntale zwischen Oberbach und Oberriedenberg. Alle Kurgäste von Bad Brückenau werden schon an ihm vorbei gewandert sein. Er führt heute noch den Namen Neu- friedrichsthal, den er zu Ehren des damaligen Fürstbischofs Adam Friedrich erhalten hat. Trotz dieser offenkundigen Mißerfolge rettete sich die Hoffnung, den Eisenbergbau in der Rhön be ­ leben zu können, auch in die preußische Zeit her ­ über. Man hat inzwischen die Rhön nach ihrer geologisch-mineralogischen Seite bester kennen ge ­ lernt und dabei erfahren, daß sich noch an ver ­ schiedenen anderen, bisher wenig beachteten Stel ­ len Eisenerze finden. Diese mußten natürlich in der Gründerzeit, als die Anzeichen eines beginnen ­ den starken Auftriebes der deutschen Industrie be ­ reits sichtbar in die Erscheinung traten, dazu rei ­ zen, sich diese Eisenerzvorkommen für eine vielleicht später möglich werdende Ausbeutung zu sichern. Es war Kommerzienrat B. Müller, der Vater unseres vor drei Jahren verstorbenen Parlamen ­ tariers Richard Müller, der sich das MutungS- recht sicherte. 1874 erhielt B. Müller von dem Königl. Oberbergamt in Clausthal das Mutungs- recht über einen Flächenraum von nicht weniger als 24 000 000 qm oder 24 qkm. Bei Jo- hannesberg bei Fulda hatte er sich das Recht der Ausbeutung der dort in einer Ouelle zu Tage tre ­ tenden Sole erworben. Das Recht der Ausbeu ­ tung erstreckte sich ferner auf die Braunkohlenlager der Rhön u. z. die Lager bei Geröfeld, Hilders, Wüstensachsen, Tann und Rückers bei Flieden. Vor allem aber besaß er das Ausbeutungörecht auf Eisen, deren beabsichtigte Gruben bereits Na ­ men erhalten hatten. Er hatte das Recht der Aus ­ beutung der Eisengrube „Sandberg" in den Ge ­ meinden Sandberg, Gersfeld und Mosbach, „Feldbach" in den Gemeinden Oberhausen, Sand ­ berg und Wüstensachsen, „Südpol" in den Ge ­ meinden Gersfeld und Mosbach und „Stellberg" in den Gemeinden Thalau, Schmalnau und Gie- chenbach. Aber alle diese schönen Pläne konnten nicht zur Wirklichkeit werden. Der Eisenbedarf ging infolge Deutschlands stürmischer Aufwärts ­ entwickelung derart rapide in die Höhe, daß diese geringen Eisenerzmengen gar nicht mehr in Frage kommen konnten. Damit wird der ehemalige Eisentraum in der Rhön endgültig ausgeträumt sein. Literatur: I. C. W. Voigt, Mineralog. Beschreibung des Hochstiftes Fulda, Leipzig 178z. Stumpf, Topographie des fürstl.-würzburgischen Amtes Bischofsheim, Würzburg 1796. F. A. Jägers Briefe über die hohe Rhone Fran ­ kens, Arnstadt und Rudolstadt i8oz. Jos. Schneider, Naturhistorische Beschreibung des diesseitigen hohen Rhöngebirges, Frankfurt 1816. Bücking Geologischer Führer durch die Rhön, Ber ­ lin 1916. E. 0. Seyfried, Geognostische Beschreibung des Kreuzberges, Geolog. Landesanstalt XVII, 1896. Ausgabe der „Fuldaer Zeitung" aus dem Jahre 1874. Dieser Nummer des Pessenlandes liegt eine Za hl Karte bei. lvir bitten diese für Einsen ­ dung des Vezugsgeldes für 1936, 4.00 ITT. (resp. 3.60 ITT.für Mitglieder des Geschichts ­ vereins) zu benutzen, lvir rechnen mit dem baldigen Eingang des Vezugsgeldes für 1936. Zahlungen für „stessenland" sind zu leisten auf Postscheckkonto: „Dberhess. Zeitung", Marburg Konto 5015 Frkfrt./M