16 den Fingern auseinander, zog die Schüssel unter das Kinn und aß so natürlich, jedoch reinlich und sauber, daß man seine Lust daran zu sehen hatte 2')". Noch zu Anfang des XVII. Jahr ­ hunderts wurde der Gebrauch einer Gabel zum Esten als Ziererei belacht. Moscherosch, der 1669 auf einer Reise zu Worms gestorbene deutsche Sa ­ tiriker, rechnete den Gebrauch einer Gabel zum Esten zu den welschen Possen. Am französischen Hofe wurde sie erst 1650 eingeführt Z. 2 Venn wir uns vor Augen halten, daß noch Ludwig XIV., der Sonnenkönig, ohne Messer und Ga ­ bel, mit den Fingern aß, daß die ganze Hofge ­ sellschaft beim Esten jeder mit seinem Löffel in jede Schüssel einfuhr, daß die Damen sich zum Vorlegen der zehn Finger bedienten, wissen wir, führt find — wahrscheinlich Schöpflöffel. „In der Stuben" find alle kleinen Einzelheiten benamt, aber kein Löffel und kein Löffelkörbchen, nur „in der Cammern daran" liegt in der „verschlossen Eichen Laden" unter anderem „ein schachtell darin ein Messings Löffel". Eßlöffel hat das sonst gut ausgestattete Haus scheint'ö noch nicht ge ­ kannt. Zn der Schmähschrift: „Des Bauren- stands Lasterprob" des Veroander von 1684 heißt es: Wenn sie essen, so brauchen sie keine Gabel, sondern greifen mit allen fünfen in die Schiistel". Von den Mannsleut brachte eben — und bringt noch heute — jeder fein „Sackmester" zum Esten mrt und für die Weibsleut lag das Kü- chen-„kneipchen" auf dem Tisch. Zn der Tischecke aber hing an der Wand das L ö f f e l k ö r b - Löffelkörbchen aus dem Museum der Universität Marburg |-n- H I I I I h| h M I I II I 1 I Ñbb. 1, datiert 1708, 14 cm breit, Ñbb. 2, datiert 1837, 16 cm breit, Ñbb. 3, aus Hattendorf, 15,5 cm breit, 21 cm hoch, Farbspuren. 23 cm hoch, Driginalbemalung 22,5 cm hoch, farbig bemalt warum bas hessische Bauernhaus noch vor 100 Zähren nur ein Löffel körbchen kannte. Zm Staatsarchiv zu Marburg befindet sich das ge ­ naue Znventarverzeichnis 4 ) eines Bauernhauses zu Schönbach bei Marburg aus dem Zahre 1602, in dem „in der Kuechen" neben allen, ein- zel beschriebenen, Kesseln, Schüsseln, Pfannen, Eimern, Töpfen „zween eyseren Löffell" aufge- 2 3 4 * 2) Gustav Freitag, Bilder aus der deutschen Ver ­ gangenheit. „Deutsche Fürsten auf dem Reichstage". 3) Steinhaufen, Geschichte der deutschen Kultur, Leipzig und Wien 191Z. Band II, S. 336. 4) Vortrag von Staatöarchivrat Dr. Gntbier im Hess. Geschichtsverein in Marburg am 19. Dez. 1930, „Hessisches Bauernleben in der Vergangenheit". ch e n , dem jeder seinen Holzlöffel entnahm und nach beendeter Mahlzeit — sauber abgeleckt und abgewischt — wieder anvertraute. Aus der Schwalm berichtet uns Schulrat Z. H. Schwalm Z: „Sowohl der Herr und seine Fa ­ milie, als auch die Knechte, Mägde und Tage ­ löhner esten gemeinschaftlich aus demselben Napfe, niemand benutzt einen Teller. Als Eßbesteck ver ­ wendet jeder einen hölzernen Löffel, der aus Ahornholz geschnitzt ist und woran jedem Mit ­ glied des Hauses sein „beschieden Teil" als un ­ veräußerliches, mit dem Namen versehenes, 5) C. Hehler, Hess. Landes- und Volkskunde. Verl. N. G. Elroert Marburg, Band II, S. 262 ff.