156 Stimmungsbilder und Landschaften und vor allem das Bildnis zu meistern verstand. Giebel besuchte Willingshausen im Jahre (888 zum ersten Male, er zählt also neben seinem Freunde Carl Bantzer zu den ältesten der noch lebenden Künstler der Malerkolonie. Geheimrat Bantzer hat in seiner Artikelserie „Hessens Land und Leute in der deutschen Malerei" im „Hessen- land" darum besonders auch Heinrich Giebel'ö ge ­ dacht, worauf wir an dieser Stelle verweisen kön ­ nen, dort finden sich auch einige treffliche Abbil ­ dungen seiner Werke. Immer wieder kehrte Giebel nach Willingshausen zurück, aber er malte auch in. Runkel a. d. Lahn, Frielendorf, Neustadt und im Biedenköpfer Land. Vor allen Dingen verdanken die Marburger ihm eine Reihe saftiger, frischer Bilder aus unserer schönen Stadt, Architekturen und Landschaften. Zuletzt malte er in Schlitz und in Büdingen, deren romantische Heimlichkeiten ihn besonders anzogen. 191Z wurde ihm das Lehramt für Zeichnen und IValen an der Universität Marburg übertragen, ein Amt, das er über 20 Jahre lang mit größ ­ tem Erfolg ausübte und ausbaute. Einer statt ­ lichen Zahl Schüler und Schülerinnen ist er Leh ­ rer für die Kunst geworden. Diese seine Arbeit hat nicht nur bei den Generationen von Schü ­ lern, denen er Lehrer und Meister war, Anerken ­ nung gefunden, sie fand auch die Anerkennung der Universität, die es ihm besonders dankte, daß er durch seine Kunst, die tief im hessischen Volk und Boden verwurzelt ist, Werke von bleiben ­ dem Wert schuf, und durch sein hervorragendes künstlerisches Schaffen selbst die Arbeit an der Universität so fruchtbar gestalten konnte. Diese so eng mit unserem hessischen Fühlen und Denken verbundene und bedeutsame deutsche Kunst hat sich längst ihren Platz erobert. Frei ­ lich die Bilder Heinrich Giebels sprechen nicht in lauten Tönen zu uns, sie wollen aufgesucht sein, um sie ganz zu genießen. Die feine Stimmung, den Duft einer Landschaft weiß Giebel mit tiefer Empfindung einzufangen und uns für immer zu vermitteln. Der hessische Bauer und die hessische Bäuerin treten lebendig uns aus den Bildern Heinrich Giebels entgegen, so wie sie find, mitten aus dem täglichen Leben, aus der Arbeit heraus, mit all dem Zauber, den das Eigenleben jedes einzelnen wahren Menschen ihm verleiht. Mitten in der Umgebung, die ihm Aufnahme: Hofphotograph (E. Eberth, Kassel