grün oder silbern aussehen, in feuerroter Farbe oder in Gold.) Der Bräutigam hat den Schwarzen Rock an, von dessen obersten Knopf auf der rechten Brust- seite ein farbiges Seidenhalötuch herabfließt, und den mit der „Lost" (Strauß aus künstlichen Blu ­ men, Goldflitter usw.) geschmückten Dreimaster. Die Unterarme der Braut und die Hände des Bräutigams stecken in weißen baumwollenen „Fin ­ gerlingshandschuhen", die Oberarme zieren Ros ­ marinsträußchen, die mit weißem Zwirn angebun ­ den werden. Klostnesch Odei und Perresch Eckerd find ein unbescholtenes junges Paar, ihnen kommen darum alle Ehren eines solchen zu. Anders steht's um Hännse Hänns und Finke Barwelejs (Barbara Elisabeth). Bei denen ist schon etwas Kleines auf dem Wege. Daher erscheinen ste nach dem Gottesdienst in gewöhnlicher Sonntagstracht zur Kopulation in der Kirche. Barwelejs trägt eine schwarze Beßel und darüber wohl (wenigstens ehemals) ein krämerdutenartiges Gebilde mit stumpfer Spitze aus stahlblauem Mull („Zieh ­ haube"). Daher die Bezeichnung „Ziehhanbshoch- zeit" für diese Art Hochzeit. 7. Kindtanfe. (Tracht des Täuflings, der Paten und weiter der Kinder). Ein Jahr nach dem im vorigen Abschnitt geschilderten Ereignis brachte der Storch Per ­ resch ein kleines Mädchen. Der Säugling liegt neben der Mutter im Bett, hat Hemdchen und Jäckchen an und beide Ärmchen am Körperchen abwärts gestreckt; so wird das Kindchen zunächst mit einer leinenen Windel und endlich mit einer weißwollenen Wickelschnur umwickelt. Das ging am vorigen Dienstag vor fich. Am Sonntag darauf fand der Taufakt während des Gottesdienstes in der Kirche statt, klm die Wickel ist das bunte Sei ­ denhalstuch geschlungen, das der Vater bei der Hochzeit trug (s. 0.) und weiter ein Seidenband. Auf dem Köpfchen fitzt dem Täufling ein weiß- baumwollenes Mützchen, mit eingestricktem Sternen-, Herz- und Tulipanenmuster, das wäh ­ rend des Taufaktes abgenommen wird. Die Go ­ del, verheiratete Schwester der Mutter, erscheint wie wir das beim Abendmahl kennen lernen wer ­ den, fie war früher wohl auch gebrettert oder gar geschappelt. Nach beendigtem Gottesdienst wird ein kleiner Junge getauft, der das Pech hatte, „zu früh zu kommen". Der Pate ist auch hier wie zum Abendmahl angezogen. Können die Kinder allein „laufen", trägt das kl. Mmdchen ein mit Schnüren (Bänder) be ­ decktes Kleidchen (Schnurkleidchen) und dazu eine Schnurkappe, oder Tretzelkappe, der kleine Junge vom Hals bis zu den Füßen ein Röckchen aus stahlblauem Flanell oder grüngemustertem Kattun. Gelangen Die Sprößlinge dann in das Alter von Meierhanse Lejsewith und Klaus, find sie ge ­ kleidet wie die Mädchen und Burschen auch. 8. Abendmahlstracht. Im Herbst hat die Kirche einen Abend ­ mahlsgang angeordnet. Der Sitte gemäß „gehen" junge Leute Weihnachten und Pfing ­ sten, ältere Ostern und Michaelis (29. Sept.) „zu". Frauen und Mwdchen erscheinen in Schnallen ­ schuhen und weißen wollenen Zwickelstrümpfen. Gewickelt find die schwarzen, blumigen Strumpf ­ bänder bei jungen Frauen, ältere benutzen einfach schwarze Wollbänder, die ebenwohl gewickelt werden. Junge Frauen haben 8—10 veilchen ­ blau gerandete, ältere 4—5 schwarzrandige Röcke an. Der oberste besteht aus schwarzem Tuch, die Schürze aus blumiger Seide. Vor dem Leib tragen alle eine 4eckig zusammengelegte Mullserviette. Bei älteren Frauen find die Röcke schwarz eingefaßt und die Schürze ist schwar ­ zer Krep. Schwarzseiden fällt bei jungen Frauen auch die Jacke aus, ebenso das Seidenhalstuch. Altere Frauen benutzen in beiden Fällen eine schwarzwollene Jacke und ein solches Halstuch. Über der schwarzen Betzel sehen wir bei allen, so ­ weit das überhaupt noch in Mode ist, die eigenar ­ tig geformte Kötzekappe, über der der stahlblaue Limmet- (Mull) schleier (die Flor) befestigt ist, der an der Stirn abschneidet und hinterrücks etwa wie die Flügel eines ruhenden Schwärmers her ­ abhängt. Die Männer tragen ebenfalls Schnallenschuhe mit entsprechenden Schnallen (manche Burschen legen wohl ihre langen Stiefel an), dazu blaue Wollstrümpfe, weiße leinene oder wildlederne Ho ­ sen. Ihre Hosenbändel haben gewöhnlich blaue, in Tranerfällen weiße Farbe. Dazu gehört im ­ mer der Schwarze Rode, ein ungesticktes schwarz ­ seidenes Halstuch und der Dreimaster. 9. Kirmestracht. Der Herbst ist auch die Zeit der Kirmes in den Schwalmdörfern. Die Kirmessen werden hier und da wohl schon in den Wochen des i. 143