134 Haus) und am Weidenhäuser Tor (1496). Bücking erwähnt das in den 60er Jahren aus ­ gegrabene Manerwerk eines Brunnens bei der Kasernenstraße. Kleine Gartenbrunnen konnten überall in dem Tal erbohrt werden 2. D i e W asserleitun g. (Mit der Stadtgründung im Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Schaffung einer Wasser ­ leitung erforderlich. Die vom Landgrafen der Stadt geschenkte Tunelle entspringt in der (Mar ­ bach, an der Kreuzungsstelle der Dammelsberg- störnng mit dem Wiesental hinter dem Dorf (s. Abb. 1). .Hier wurde das Brunnenhaus er ­ richtet, dessen häufige Reparaturen jedesmal um ­ gehend bewerkstelligt werden mußten. Im Jahre 1321 fochten die (Marbächer der Stadt das Eigentum an der Quelle an; dieser Prozeß erlebte eine zweite Auflage 370 Jahre später vor dem Oberlandeögericht in Kassel. 1645 wurde eine zweite Duelle angeschlossen. 1840 begutachtete der Professor der (Mineralogie Hessel die Duelle; sie lieferte 180 Raummeter tadelloses Vvafser in 24 Stunden. Neben dem 1842 erbauten Brun ­ nenhaus steht noch das alte kleine Bauwerk. 1903 legte man wegen Unreinheit der Duelle talanf 3 Bohrlöcher an und schloß sie der Lei ­ tung an. Neuerdings verrief man die Duelle endgiltig; ihre Förderung von 130 bis 300 Raummetern spielte überdies keine Rolle mehr. Bon dem Brunnenhaus führte mit einem Ge ­ fälle von 9 Nietern die 2 Kilometer lange Erlen- holzleitung über den Köhlersgrund, dessen Schlucht überwölbt war (1359), und, die land ­ gräfliche Leitung kreuzend, durch den Götzenhain in ein 224 ü. N. N. gelegenes Bassin am Rent- hof. Von diesem Hochbehälter aus, den übrigens der Landgraf bei Wassermangel auf der Burg in Anspruch nahm, wurde die Stadt nach dem System der kurzstreckig angeordneten Kümpfe versorgt. Das Wasser, das nicht aus den Häh ­ nen der Brunnensäulen oder aus den mit Wachs, Blei oder Harz abgedichteten Becken entnommen, oder wie in der Wettergasse mit Rav und Kette geschöpft wurde, floß als Uber ­ wasser in den nächsten, tiefer gelegenen Kumpf. Die freistehenden Behälter trugen ein Dach, nicht allein um das dem Algenwachstum förder ­ liche Tageslicht abzuhalten, sondern auch der bö ­ sen Buben halber, denen es ein Vergnügen war, ihre Zielsicherheit im Steinewerfen an diesen un ­ geeigneten Objekten zu üben. i44? sagt eine Po ­ lizeiverordnung: „so ensail nymand in die Kompfe waschen". Die Behälter waren besonders wichtig bei den häufigen Bränden der strohgedeckten Häuser; in fliegender Hast holten die Biirgcr, unterstützt von den dafür besonders entlohnten Bierträgern, in ihren Ledereimern das Löschwas ­ ser: 1350 wurde bei einer nächtlichen Feuerö- brunst in der Eile das Schloß am Marktknmpf zerschlagen, wofür die Stadtkasse aufzukommen hatte. Vor drohenden Beschießungen mußten vor jedem Haus große Zuber mit Wasser bereit ge ­ stellt werden. Mit dem Hinweis auf das Feuer ­ löschwesen bat 1399 Landgraf Hermann den Komtur zu (Marburg, das Gteinebrechen ober ­ halb des Nürnberger Hofs (hinter dem jetzigen zoologischen Institut, bei dem Viereck auf Abb. 1) zur Herstellung etlicher Kümpfe zu gestatten. Die Kümpfe standen in der Durchgangsstraße: auf der Neustadt — wegen der engen Passage in einer Felskammer an der Bergseite —, in der Wettergafse (14,52 von Meister Werner er ­ neuert) bei dem großen städtischen Bräuhaus, auf dem Marktplatz, am Kornmarkt (Heu ­ markt, neben dem Haus zum Bären, Bären ­ brunnen, 1458 neu gesetzt), auf der Hofstadt, in der Barfüßergafse (neu gesetzt 1432/36), in der Augnstinergafse und vor dem Bräuhaus in der Untergafse am Sockel der Hofstadt. Neue Kümpfe entstanden in der Iudengafse 1433, und am Hirschberg 1496. Als gegen Ende des 13. Jahrhunderts der Bauraum gen Norden zur „neuen Stadt" erweitert werden mußte, wurde am Kesseltor und später am unteren Ende des Steinwegs mit seinen Partiziersitzen ein Kumpf (Mönchsbrunnen) gesetzt (Abb. 4). 1519 beschloß die Stadt nach Rat des (Mei- sters Hans von Arnsberg und des Stadtmaurers Kraft, sämtliche Brunnen zu .erneuern und die Becken z. T. erheblich zu erweitern. 1523 hat Karnhen auf die Neustadt 30 Karren Steine vom Hain sowie Kalk angefahren. 1534 wurde der Renthofbehälter mit Brunnenhaus neu er ­ baut. Der Kumpf auf dem repräsentativen (Marktplatz, der städtischen Ding- und Richtstätte und dem Mittelpunkt des Handelsverkehrs erhielt die reichste technische und künstlerische Gestal ­ tung ^). An der Ausschmückung beteiligten sich der Bildhauer Ludwig Iuppe und der (Maler Gerhart von der Legte. Der Bärenbrunnen 2) Don den Stufen des Brunnens herab hatte im (^ahre 1248 die aus Brabant heimgekehrte Herzogin Sophie ihr verwaistes Z jähriges Söhnlein Heinrich den jubelnden Mar- burgern als zukünftigen Landesherrn vorgestellt; hier nahm 1Z72 Landgraf Hermann beim Ausbruch des SternerkriegS den Treueid feiner Untertanen entgegen.