131 lingen fyat sich dieses jugendliche Handwerk nie ent ­ wickelt. Man kann in seiner Entwicklung vier Etappen oder Stufen unterscheiden, die sich gleicherweise aus dem Vvandel des Materials und der Vervoll ­ kommnung des Werkzeugs ergeben, aber natürlich auch in den wechselnden Absatzgebieten und Abjatz- möglichkeiten zum Ausdruck kommen. Die Stockmacherei galt im Anfang fast aus ­ schließlich der Herstellung von Eichenstöcken mit ge ­ bogenem Rundgriff oder mit Ouerhaken, und sie war infolgedessen von dem Eichenniederwald-Betcieb abhängig, wie dieser wieder von der Lohgerberei. Als das südamerikanische Ouebrachoholz auch bei uns seinen Einzug hielt, das durch reicheren Gerb ­ stoff (14—2 6 °/o) die Eichenlohe (io—15%) über ­ traf und obendrein eine raschere Wirkung erzielte, da war der Eichenniederwald stark gefährdet, und auch der Kleinbetrieb der Lohgerberei machte mehr und mehr der Lederfabrik Platz, wovon wir ja iiberall die Zeugen gewesen find: in meiner Vater ­ stadt Witzenhansen erinnert heute nur eben der Name der „Lohmühle" an ein vordem ange ­ sehenes Handwerk, das in dem benachbarten Esch- wege eine noch ganz andere Bedeutung hatte. Zn der ersten Zeit, bis gegen 1860 hin, hat das Eichenjnngholz der nächsten Wälder im allgemeinen ausgereicht, zumal schon Vvagner selbst einen Waldbefitz von etwa 60 Morgen erwarb (ans dem er natürlich auch die Lohe verkaufte) und man immerhin die Ncöglichkeit hatte, auf das andere Werraufer nach Oberrieden und anderseits auf das Eichsfeld überzugreifen. Aber mit dem Anwachsen der Hausbetriebe, mit der Aufgabe des eigenen Haufierhandelö und der Übernahme größerer Aufträge teils fertiger teils halbfertiger Ware von auswärtigen Engros-Be- stellern, unter denen die Firma Rocholl in Kassel besonders hervortritt, reichte das heimische Ma ­ terial nicht mehr aus, und schließlich zogen die Lindewerrer hinaus in die südwestlichen Landschaf ­ ten, wo es feit alter Zeit „Hackwälder" oder „Hauberge" in weit größerem ümfange gab: ins Siegerland, in den Westerwald, an die untere Lahn, an Mosel und Nahe, ja bis in die Pfalz. Man hatte rechtzeitig erkundet, daß dort die ab ­ geschälten Eichenschößlinge an Ort und Stelle oder allenfalls zu Hause verbrannt wurden. So erwarb man billig und bequem große Mengen des ge ­ suchten Stockholzeö — die Reise und der Trans ­ port lohnten sich. Haben wir bisher nur immer von Eichenstöcken geredet, so ist es doch natürlich, daß, wenngleich in geringerem Umfang, von vornherein auch andere Holzarten gelegentlich Verwendung fanden, sei es, daß fie sich dem die Wälder absuchenden Stock ­ macher von selbst boten, sei eö, daß fie ihm von auswärtigen Bestellern zur Verarbeitung geliefert wurden. Hierfür kommt besonders der Ahorn und die Edelkastanie in Betracht, und mit ihrer Ver ­ arbeitung hängen die Wanderungen der Linde ­ werrer Erzeugnisse in das ferne Afrika zusammen. Da sind einmal die sog. „Kongostöcke": Kastanien- stämmchen, die während des Wachstums künstliche Schnittnarben als spätere Zierde erhalten haben, Entfernen der Ksle mit dem Schnitzer Aufnahme: Pieper u. Rühe kfochschulkreis-Rlischee und dann die Ahornstöcke mit bizarren Verzierun ­ gen, die vor dem Kriege massenhaft als Tausch- artikel nach dem Kapland ausgeführt wurden — und die dann zuweilen als völkerkundliche Kuriosa in unsere Museen zurückgewandert find! Damit find wir aber bereits in einen dritten Ab ­ schnitt eingetreten, in dem mit dem langsamen und bald beschleunigten Schwinden der deutschen Loh ­ wälder der Bezug und die Belieferung mit frem ­ dem Holz, und gerade auch mit fremdem Eichenholz einsetzt. Zugleich aber beginnt sich auch in diesen Heimbetrieben die Anwendung zunächst einfacher Maschinen und weiterhin die Verwertung der elek-