56 Damit will ich schließen. Sie werden gesehen hüben, daß es Gelehrtenfamilien in Hessen ge ­ geben hat, gibt und geben wird. Das verdanken wir abgesehen von der Tatsache, daß der Stamm der Hessen zu den Kerngebieten Deutschlands ge- Vom Heiligenberg. Jeder Hesse kennt den Heiligenberg bei Gen- sungen, der jäh aus dem Tal emporsteigend durch seine Lage zwischen Eder und Fulda beide Täler beherrscht. Ilnd wer sich in der Geschichte un ­ seres Heimatlandes nur einigermaßen umgesehen hat, weiß von der bedeutenden Rolle, die dieser Berg in schicksalschweren und -entscheidenden Jahrhunderten gespielt hat. Stand doch auf seinem Gipfel seit dem Ende des 12. Jahrhun ­ derts (1186) eine starke mainzische Burg als einer der Vorposten, die das Erzbistum ins hes ­ sische Land hineingeschoben hatte, um mit der Sicherung der eigenen Machtstellung den Aufbau und die Entwicklung der jungen Landgrafschaft möglichst nachhaltig zu stören. Es war daher nur natürlich, daß wiederholt und schwer um den Be ­ sitz der Burg gerungen worden ist. Schon Land ­ graf Konrad von Thüringen erkannte die Bedeu ­ tung dieses Punktes, und im Zusammenhang mit der Belagerung von Fritzlar gelang es ihm 1232, oie Burg zu zerstören. Als dann 1% Jahrzehnte später mit Heinrich Raspe IV. der letzte Land ­ graf von Thüringen ins Grab sank und Hessen an das Haus Brabant überging, benutzte Mainz diesen günstigen Zeitpunkt zum Wiederaufbau der Burg, bis sie Landgraf Heinrich I. abermals und diesmal so gründlich zerstörte, daß Mainz nun für immer auf diesen Stützpunkt verzichten mußte. Da das Erzbistum über nach wie vor in Fritzlar saß, glaubte auch Hessen auf eine Be ­ festigung des Berges nicht verzichten zu können: 14.01 ließ Landgraf Hermann die Burg von neuem in wuchtiger Kraft erstehen. Inzwischen war aber die militärische Bedeutung der Burgen geschwunden, und so ist es keine Überraschung, daß diese neue Burg nur wenige Jahrzehnte erhalten und schon um die Mitte des Jahrhunderts dem Verfall preisgegeben wurde; 1471 wurde sie dem unmittelbar benachbarten Karthänser-Kloster Ep ­ penberg überlassen, das wohl die vorhandene Ka ­ pelle wieder aufbaute, aber keine Veranlassung hatte, für die Erhaltung der Burg selbst irgend ­ welche Aufwendungen zu machen. Im Lauf der Jahrzehnte und Jahrhunderte versanken die ver ­ fallenden Mauern mehr und mehr in den schützenden Schoß der Erde, und noch im Vorjahr hört, seinen Fürsten, die die Gelehrsamkeit förder ­ ten, wo sie konnten, und den größten Wert auf ein gebildetes, zuverläffiges Beamtentum legten, und ihrer größten Schöpfung, der Alma mater Philippina. Von Bibliotheksdirektor Dr. Hopf. ließen dürftige Reste nur den aufmerksamen Be ­ schauer ahnen, daß sich auf dieser weithin schauen-^ den und weithin sichtbaren Höhe Vorgänge abge ­ spielt haben, die für die geschichtliche Entwicklung der Landgrafschaft Hessen von einschneidender Be ­ deutung geworden sind. Ilm so mehr ist es zu begrüßen, daß unter tat ­ kräftiger Förderung durch die Kasseler Regie ­ rung, das Landratsamt Melsungen und die Ge- meinde Gensungen im vergangenen Herbst mit der Freilegung der Burg begonnen worden ist. Die Arbeiten werden vom Arbeitsdienst durchge ­ führt und stehen unter Leitung von Regierungs ­ und Baurat Dr. T e x t 0 r , der in den Ar ­ beiten an der Weidelsburg reiche Erfahrung gesammelt und sich ein unvergängliches Ver ­ dienst um die Erhaltung unserer heimatlichen Burgen erworben hat. Die Arbeiten find denn auch gut von statten gegangen; das bis jetzt ans Schutt und Boden herausgearbeitete Mauer- werk, in dessen Mitte der alte Bergfried in trotziger Wucht steht, zeigt die gewaltige Wider ­ standskraft dieser Feste, deren weittragende Be ­ deutung auch dadurch sinnfällig wird, daß die Be ­ seitigung des Baumbestandes den Blick nach allen Seiten geöffnet hat. Die Arbeiten werden rüstig weitergeführt, und es kann bestimmt damit ge ­ rechnet werden, daß wir noch in diesem Jahr ein unmittelbares Bild davon bekommen werden, wie die zweite, die hessische Burg ausgesehen und in welchem Umfang Mainz den Berg befestigt hat. So dürfen wir zuversichtlich hoffen, daß diese Freilegungsarbeiten in Verbindung mit den schon jetzt beachtlichen Funden uns willkommenes und wertvolles Material bringen werden. Ob sie freilich das Dunkel, das über der ältesten Ge ­ schichte des Berges schwebt, werden aufhellen kön ­ nen, läßt sich vorerst noch nicht sagen. Lage und Gestalt des Berges legt die Vermutung nahe, daß sein Gipfel eine germanische Knltstätte ge ­ sehen hat. Diese Vermutung durch den Hinweis auf den Namen des Berges stützen zu wollen, geht freilich nicht an. Denn seine erste urkund ­ liche Erwähnung steht in unmittelbarem Zusam ­ menhang mit seiner Erwerbung durch Mminz, das dann aus leicht begreiflichen Gründen den