48 Teniers oder unsere aus Ntarburg stammenden Tischbein, aus ven Kupferstechern die Merian, aus den Chirurgen, Barbieren, Steinschneidern oder Scharfrichtern bedeutende UUedizinerfamilien wie etwa die Thileniuö und Hoffmann hervorgegangen find, so ist es auch bei den Akademikern, die viel ­ leicht Generationen in einer Familie nur Land ­ pfarrer geliefert haben, in deren Kreis es ganz selbstverständlich war, daß der Sohn wieder Got ­ tes Wort predigte wie der Vater und Ahnherr. Durch die Wahl der Frauen, die mindestens der ­ selben gebildeten Schicht angehörten, meist aber, wie es fast gesetzmäßig zu sein scheint, einer Fa ­ milie entstammten, die ein wenig oder erheblich höher stand, in Rang und Stellung wie an Kul ­ turhöhe, kam allmählich ein Erbgut in die Fa ­ milie, das eben Höheres für die Zukunft bezweckte nnd erreichte: Aus akademisch gebildeten Familien wurden Gelehrtenfamilien, die auch geistig hoch ­ standen. Aus den sehr vielen hierhin gehörigen hes ­ sischen Gelehrtengeschlechtern, die übrigens vielfach ihrer ursprünglichen Abstammung nach nicht immer reine Hessen waren, sondern aus allen Ge ­ genden Deutschlands kamen, nenne ich hier nur ein paar Namen, wie die Goclenius aus Corbach, die sich auf allen Gebieten, in der Physik, Ma- thernatik und Logik, der Rechtsgelehrsamkeit und Medizin, auch in der Dichtkunst in gleicher Weise ausgezeichnet haben, unv die Juristenfamilie Goed- daeus aus Schwerte, die Theologenfamilien Mentzer aus Allendorf und Hanneken aus dem Oldenburgifchen, die Juristen und Philologen Jungmann ans Flandern und das streitbare Theo ­ logengeschlecht der Hunnluö, die als lateinische Dichter berühmten LotichiuS aus Schlüchtern, die Winckelmann, Vietor und Kirchmeier, Theologen, die Schröder aus Neukirchen, die sich in drei Ge ­ nerationen als hervorragende Sprachgelehrte, be ­ sonders in der Erforschung der orientalischen Spra ­ chen, zeigten, dann aus neuerer Zeit die Schmincke aus der Gegend von Kassel, die in der hessischen Historiographie eine Rolle spielten, und die ans dem Hanauischen kommenden Kopp, von denen vor allem der große Paläograph Ulrich Friedrich Kopp hervorleuchtet. Wer sich eingehender mit allen diesen Gelehrten beschäftigen will, nehme den Strieder zur Hand, oder in dem Fall, daß es sich, wie fast immer, um Professoren unserer Universi ­ tät handelt, den „Catalogus Professorum Aca ­ demiae Marburgensis“, ein ausgezeichnetes Werk von Franz Gundlach, das die Historische Kommis ­ sion im Jahre 1927 der Universität als Ju ­ biläumsgabe dargebracht hat. Diese wirklich inter- estanten Gelehrtendynastien, wenn man so sagen will, eingehend zu betrachten, würde sich durchaus lohnen, denn man würde mit der Biographie die ­ ser einzelnen hessischen Gelehrten und ihrer Fa ­ milien typische Bilder allgemeiner deutscher Ge ­ lehrsamkeit und Kultur seit der Zeit der Refor ­ mation entwerfen können. Ich will aber heute nur ganz wenige herausgreifen, deren Name noch nicht ganz verschollen ist oder noch in hellem Licht strahlt, und zwar die Vultejuö, die Busch, die Insti und die Grimm. Die V u l t e j n 6 als Typus einer Gelehrten ­ familie, die im Reformationszeitalter aufgekom ­ men war. Hermann Vultejus, der bedeutendste Wissenschaftler des Geschlechts, entstammte einer alten Wetter'schen Schöffenfamilie, die mit Kunz- chen Will 1446 zuerst urkundlich erscheint. Des ­ sen Ururenkel Justus, Sohn des Bürgermeisters Johann Wiln zn Wetter, der 1557 in Marburg als Professor der hebräischen Sprache und Rektor des Pädagogiums, des Vorläufers unseres jetzigen Gymnasiums, starb, hat zuerst seinen Namen la ­ tinisiert, in sehr einfacher naiver TVeise. TCill, wie er sich schrieb, heißt auf lateinisch vult, daran noch eine Endung, so entstand der Name Vulte ­ jus. Sein Sohn machte dann diesen ganz statt ­ lich klingenden Namen weltberühmt. Hermann wurde noch in Bretter, wo zuerst der Vater als Schulmeister gewirkt hatte, am 16. Dezember 1555 geboren, bezog bereits im Alter von 6 Jahren 1563 die Universität oder wohl deren Vorstufe, das damit verbundene Pädagogium, war mit 13 Jahren Baccalaureus, besuchte dann noch die Uni ­ versität Heidelberg und erwarb 1574 in Marburg den Magistergrad, wandte sich dann von der Theologie zur Jurisprudenz, sah sich die Welt an, studierte in Bonn und Pädua, durchzog Italien, Steiermark, Bayern, errang 1580 in Basel den juristischen Doktorhut und wurde im selben Jahre Professor der griechischen Sprache in Marburg. 1381 übertrug man ihm eine juristische Professur und machte ihn zum Syndikus der Universität, 1382 auch zum Beisitzer des hessischen Samthof ­ gerichts. Er wurde nun, da er sich sofort aus der Menge heraushob, bei allen möglichen Gelegen ­ heiten herangezogen, von seinem Landesherrn als Gesandter nach Gottorp, Kopenhagen, Göttingen, Braunschweig, Trier usw. verschickt, erhielt einen sehr ehrenvollen Ruf als Kanzler an den pfalz ­ gräflichen Hof, ebenso als landgräflichen Kanzler nach Kassel; aber diesen wie den vielen Bemühun ­ gen auswärtiger Universitäten, den hervorragenden Mann zu gewinnen, stand er ablehnend gegenüber. Rufe nach Heidelberg, Sedan, Helmstedt, Rinteln erschallten vergebens, er fühlte sich zu fest mit M'arburg verwachsen. 1391 erhielt er die erste juristische Professur in Marburg, 1603 gab er