36 glied. Offener ist dagegen die Grenze im Westen. Hierin kommt die schon mehrfach betonte Eigenart, der geographische Charakter der Übergangöland- fchaft zwischen dem Rheinischen Gebirge und dem Hessischen Bergland, zum Ausdruck: beide Land ­ schaftstypen durchdringen sich im Raum um Marburg. Wenn bisher stets von der Marburger Land ­ schaft gesprochen und versucht wurde, diese zu um ­ grenzen, so ist hierbei eigentlich diese Bezeichnung für ein räumliches Gebilde angewandt worden, in welchem die Namenöträgerin, die Stadt Mmr- bürg, nicht im Mittelpunkt liegt. Der von Süden nach Norden langgestreckte Landschaftsraum im Gebiet der Mittellahn, entsprechend der morpho- graphischen Großgliederung, wird durch die Ein ­ schnürung des Lahntales am Weimarer Kopf süd ­ lich von Gifselberg zweigeteilt. Von hier nach Norden bis zum Zusammenfluß von Lahn und Ohm und von der VKHrshäuser Landstufe im Westen bis zum Bruchrand der Lahnberge im Osten reicht die Ntarbnrger Landschaft im eng ­ sten Sinn 7 ). Den Grundstock dieser engeren Marburger Landschaft bildet der im Mittelpunkt gelegene, ursprünglich einheitliche Buntsandsteintafelrumpf, der durch die zerschneidende Tätigkeit der Lahn in die Zwillingsrümpfe des Ntarbnrger Rückens und der Lahnberge, westlich und östlich von Mmrburg aufgelöst worden ist 8 ). Der mittlere Buntsand- stein ist hier der vorherrschende Banstoff, an dessen Stelle auf den westlichen Lahnbergen der durch tektonische Störungen in das gleiche Niveau ver ­ lagerte untere Buntsandstein tritt. Ein reich ge ­ gliedertes System kleiner und steilwandiger Tälchen mit zirkuöartigen Ouellnischen in diesem Gesteins ­ horizont westlich der Stadt ist durch die An ­ häufung von Verwerfungen in verschiedener Richtung geschaffen worden. Die geringe Vvider- standsfähigkeit des unteren Bnntsandsteins gegen die Kräfte der Abtragung äußert sich hier in Bo- denverseßnngen und Rutschungen der Ackerkrume, die nach .starker Bodendurchfeuchtung, besonders im Frühjahr, keine Seltenheit find. Die Anlage der Acker ist daher auf Terrassen erfolgt, um durch eine Verminderung der Hangneigung diesen unliebsamen Vorgängen entgegenzuwirken. Auf diese Weise ist ein reizvolles Landschaftöbild ge ­ 7) Dienemann, W. Das oberhessische Bunt- sandsteingebiet S. 318 rechnet das „Marburger Berg ­ land" im Süden bis zum Einfluß der Allna und Zwesterohm in die Lahn. Seine sonstige Abgrenzung stimmt mir der obigen überein. 8) Vgl. M a u l l, O. Die Landschaft um Mar ­ burg, S. 12, S. 14 ff. schaffen, das allerdings heute nur noch die bisher nnverkoppelte Gemarkung Marbach unverkünstelt bietet. Es wäre zu wünschen, daß eine zukünf ­ tige Flurbereinigung und Verkopplung hier scho- nendst unter Erhaltung dieses natürlichen Flurzu- standes zu Werke geht. Aber der Stadt und ihrer nächsten Umgebung im Norden türmt sich im Dammelöberg und Schloßberg, im Wannkopf, in der Augustenruhe und in der Kirchspitze eine Kuppenlandschaft empor, die den eigentlichen Reiz des Marburger Stadtbildes ausmacht. Man glaubt, vulkanische Formen vor sich zu haben, deren Baumaterial jedenfalls grundverschieden sein müßte von dem der Lahnberge, die die gleichförmige, den Buntsand ­ steinbergen eigene Form, einem Sargdeckel ähn ­ lich in der Gestalt, zeigen. Der geologische Be ­ fund ergibt aber, daß auch diese Bergkuppen aus mittlerem Buntsandstein bestehen, also ans dem gleichen Gesteinsmaterial, das auch die gegenüber ­ liegenden Lahnberge aufbaut. Die Auflösung des Ntarbnrger Rückens, die Herausmodellierung der kuppigen Geländeformen und die tiefeingeschnitte ­ nen Täler find durch tektonische Bruchlinien vor ­ gezeichnet 9 ), und das heutige Landschaftsbild durch die Vvechfelwirkung von Erosion und Denudation gestaltet worden. Die Ntarbnrger Landschaft wird in diesem Teil zum Lehrbeispiel für die Ab ­ hängigkeit der Landschaftsformen von fie gestalten ­ den endogenen und exogenen Natnrkräften. Nördlich von Vdehrda ragt der „Weiße Stein" trutzig am Ikferrand der Lahn empor. Auch ec zeigt die typische Burgbergform wie die Berg ­ kuppen um Marburg. Sie waren im Mittel- alter die natürlichen festen Plätze zum Bau von Burgen. Die Kefselburg auf der Kirchspitze und die Lützelburg auf der Augustenruhe find völlig verschwunden, auf dem Weißen Stein find nur noch die Grundmauern aufzufinden: einzig und allein das Marburger Schloß krönt noch heute als Wahrzeichen der Landschaft den weit ins Tal hinein ragenden Bergsporn im Mündungswinkel zwischen Marbach und Lahn 10 ). Zn geringem Maße, in den landschaftlichen Formen aber nicht unwesentlich, find auf den rechtsseitigen Lahnhöhen die violettroten Sand- tz) Vgl. Kays er, E. Geolog. Rundschau 191Z. Oers.: Karte der Verwerfungen um Marburg. Bei ­ gegeben den Erläuterungen z. d. geolog. Karten Mar ­ burg und Niederwalgern. O i e n e m a n n , W. Das oberhesßsche Buntsandsteingebiet, S. 382 ff. 10) Die Höhe des Lahnspiegels beträgt am Bota ­ nischen Garten 176,3 Meter, die des Schloßberges 287,2 Meter.