32 und teilte diese Wahrnehmungen den Herrn Bezirkg- konservalor Dr. Bleihaum in .Kassel und Kunstmaler Kienzle in Därmstadt mit, die aber beide das Vorhan ­ densein solcher unter der Übertünchung als ausgeschlossen erachteten, bis letzterer entdeckte, daß der Vermutung entsprechend die Bilder doch vorhanden waren. Die Bilder sind Fresken, deren Entstehung in die Zeit der Vollendung des Kirchenbanes 1235—12/so an ­ zunehmen ist. Das erste Bild über dem Aufgang zum Lettner stellt Maria dar, wie sie den Jesusknabcn zur Schule führt. Das Widerstrebende an dem Jesuskind ist wunderbar dargestellt. Es trägt in der linken Hand eine Schiefertafel eigenartiger Ausführung, die linke Hand der Maria ist wie schützend, das Böse abweh ­ rend über dem Jesuskinde erhoben, die Darstellung, wie dieses aus dem schützenden mütterlichen Gewände hervortritt, der Blick der Maria, wie sie besorgt und mütterlich aus das Kind herabschaut, ist einzigartig. Das zweite Bild zeigt den 12jährigen Jesus im Tem ­ pel, die rechte Hand erhoben, die Linke ein aufgeschla ­ genes Buch haltend. Der untere Teil dieses Bildes ist nicht mehr erkennbar. Das dritte Bild zeigt den Apostel Petrus rüstig schreitend nach der göttlichen Weisung: Gehet hin in alle Welt. Das vierte Bild zeigt uns Christus als Lehrer der Welt, in ausgesprochen ger ­ manischer Darstellung. Auf der Südseite des Chores find nur zwei Bildwerke erhalten geblieben. Das eine stellt Maria als Schutzpatrom'n der Kirche dar, deren weißer Gnadenmantel über eine Krypta fällt, in der ein Mönch betet. Daneben ein Kaiserbild im Krö- nunggmantel und Krone mit dem Modell der Kirche aus dem linken Arm. Dieses Bild kann nur als dag Kaiser Friedrich Barbarossas angesprochen werden, dem hier, wenige Jahrzehnte nach seinem Tode im fernen Morgenlande, in der Heimat als dem Gründer der Stadt und Stifter der Kirche ein Denkmal gesetzt wurde, dag als ältestes bisher bekanntes Barbarossa ­ bild in Deutschland bezeichnet werden dürfte. Als letz ­ tes Bildwerk wurde das im mittleren Feld der Kuppe ­ lung befindlich gewesene und wiederauserstandene Bild „Christus als Richter der Welt" gezeigt, zur Linken die Mutter Gottes, zur Rechten Johannes der Täufer, dessen Darstellung als eine grandiose Leistung bezeichnet werden muß. Bemerkenswert ist an diesem Bild der Kopf Christi mit einem Kinnbart, der ihm einen Aus ­ druck gewisser Strenge verleiht. Herr Rektor Kaufmann dankte Herrn Kreispfarrer Falk für den Vortrag und den Erschienenen für das Interesse für den kunstgeschichtlich so wertvollen Fund und sprach die Hoffnung aus, daß die Kunstwelt von der Bedeutung desselben überzeugt, diesen durch Geltend ­ machung und Besuch immer mehr würdigen werde. Ani Mittwoch, dem 17. begrüßte der Vorsitzende, Rektor Kaufmann, die zum Oktober-Vortragsabend des Vereins zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste und teilte mit, daß der Redner des Abends, Herr Prokurist Rausester, aus Köln-Mühlheim, es leider nicht ermöglichen konnte persönlich zu kommen, jedoch das Manuskript seines Vortrages dem Geschäftsführer des Vereins, Herrn Lehrer Druschel übersandt habe. Herr Druschel unterzog sich dann der Aufgabe, den In ­ halt des Vortrages „Bisherige Forschungsergebnisse über die Gelnhäuser Familie Nausester bekannt zu geben. In den umfangreichen Feststellungen ging der Verfasser zu ­ rück ans dag erste urkundliche Erscheinen des Namenö- trägers in der Form de Nuseze im Januar 1251. Dieser Raine gibt die Herkunftsbezeichnung aus Nuseze, dem heutigen Reuses im Freigericht an. In dieser Schreibweise kommt der Name bis zum Jahre 1370 vor. Es ist anzunehmen, daß der in Gelnhausen später eingebürgerte Zweig der Familie die Adelsbezeichnung abgelegt hat. istZg erscheint ein Konrad Nusesser aus Gelnhausen in der Leipziger Universitäts-Matrikel. In den Akten der alten Reichsstadt Gelnhausen kommt der Name Nausester und Nausester von 1369 an in kur ­ zen Zeitabständen regelmäßig vor als Besitzer von Lie ­ genschaften, als Ratspersonen und Zunftmeister in der Bäcker- und Müllerzunft. Die direkte Stammfolge ist bis jetzt einwandfrei zurückzuführen auf den um 1610 in Gelnhausen geborenen Kaspar Nausester; dessen Söhne und Enkel Johann Jaeob I und Johann Jarob II waren Rotgerber und gehörten gleichfalls dem Rate der Stadt an. Ein Sohn des Enkels mit dem gleichen Vornamen Johann Jacob, studierte Theologie, war nach dem Verlassen der Hochschule kurze Zeit, von 17^3 bis 1745 / Konrektor in Gelnhausen, später in Erbach, 1746 Diakonus in Erbach, 1749 Pfarrer zu Brensbach und 1734 Pfarrer zu Eschau. Auch dessen Sohn Heinrich Friedrich Nausester studierte Theologie und war in den Wirkungsstätten seines Vaters in Er ­ bach, Eschau und Brengbach im Amte. Von den Nach ­ kommen seiner Kinder hat sich kein Zweig mehr in die ursprüngliche Heimat der Familie verpflanzt, sondern ist von dort nach dem Rheinland und Westfalen ver ­ zogen. In einem glänzenden Aufstieg sehen wir die Träger des Namens als hohe Verwaltungsbeamte, Geistliche, Fabrikanten, bedeutende Techniker, Offiziere, Philologen, hohe Justizbeamte und Kaufleute, deren Einzelschicksale treffend vor Augen geführt wurden. Als Besonderheit soll die Persönlichkeit des Wilhelm Anton Nausester, geboren 1806, hervorgehoben werden, der lange Zeit Bürgermeister von Eversberg an der Ruhr gewesen ist und später eine Wollfabrik in Lötmaring ­ hausen bei Meschede errichtete. Bis zum 83. Lebens ­ jahre ist er unvermählt geblieben, ließ sich nach zehn ­ jähriger Ehe von seiner jungen Frau scheiden, und hat diese Trennung noch um fast 8 Jahre überlebt; denn erst am 3. Februar 1909 ist er, fast 103 Jahre alt, ge ­ storben. Bei der Gelegenheit seines ioo. Geburtstages hat das Infanterieregiment Nr. 13 in Münster, bei dem er 1833/36 als Einjähriger gedient hatte, seine Regimentskapelle nach seinem Wohnorte entsendet, um dem alten Kameraden ein Ständchen zu bringen. Uber den Weg seiner Ermittlungen gab Herr Nausester eine eingehende Darstellung, in der er den Personenkreis er ­ faßte, der ihn in seinen Forschungen unterstützte. Außerdem wurden noch Zusammenstellungen bekannt cii’ geben über das Lebensalter des Vorfahrenkreiseg Nas ­ sester sowie über den Beruf desselben in der Zeit vonk 17. bis zum 20. Jahrhundert. Eine photographische Nachbildung des Stammbaums der Sippe Nausester, dessen Wurzeln in den Gemeinden Neuses und Geln ­ hausen verankert sind, wurde lebhaft gewürdigt. Die Versammlung folgte mit großem Interesse dem Vor ­ tragsbericht und bekundete zum Schlüsse lebhaften Bei ­ fall. Besonders wurde es dankbar begrüßt, daß Herr Nausester sich entschlossen habe, seine Arbeit dem Ge- schichtsverein Gelnhausen zu stiften. Für die Schrifrlcitung verantwortlich Archivrat Or. F. Uhlhorn, Marburg a. L., Lothringer Straße 20. Zuschriften an diese Adresse oder an den Herausgeber, Marburg a. L.. Markt 21. Verlag und Druck: Or. C. Hitzcroth, Marburg a. L. v. A.I/35: 850