17 ñbb. 7. Die Stciiibauícn des IDieraer Grabhügels nach dem Wiederaufbau Walde der Gemeinde W i e r a in der Schwalm ein besonders großer Grabhügel von 22 Meter Durchmesser und 1,50 Nieter Höhe ausge ­ graben (Abb. 5). Während er an Funden nur einen ganz einfachen Tonnapf barg, überraschte die einzigartige Schönheit seines Baues. Wieder liegt der Tote in der Mitte der Anlage auf dem flachen Boden in einem Holzsarg, über den sich ein aus großen Steinen gebildeter Haufen wölbt. Als einige Zeit nach der Bestattung die Decke des Sarges einbrach, fielen auch die darüber liegenden Steine nach, so daß sich in dem Haufen eine Mulde bildete, die auch heute in der Rekon ­ struktion sichtbar ist. Zn einem Abstand von 10 Mietern läuft um diesen Mittelbau ein Mauer- kranz von selten schöner Bauweise. Zu ziemlich regelmäßigen Abständen von etwa 2 Nietern stehen senkrechte, etwa 0,60 Meter aus dem Bo ­ den ragende hohe Buntsandsteinsäulen, zwischen denen aus Steinplatten eine Mauer gebaut ist. Fest mit Ntörtel gebaut, wie sie heute steht, wurde sie freilich nicht aufgefunden. Zur Zeit der Errichtung des Grabes, in der mittleren Bronzezeit (etwa 14. Jahrhundert v. Chr.), war ein Mörtel-Mauerwerk unbekannt. Die Stein ­ platten wurden vielmehr lose aufeinandergepackt. Dem Druck der Erde, die über dem Bau zu einem etwa 2,50 Meter hohen Hügel so ge ­ schüttet war, paß die Außenseite der Mauer frei- blieb, hat das lose Steingefüge nicht standhalten können. Es stürzte im Laufe der Zeit nach außen und selbst die Steinsäulen wurden aus ihrer senk ­ rechten Lage gedrückt (Abb. 6). Die Erde floß nach und bedeckte schließlich die Steine der Mauer. Das Grab bot so big zu seiner wissenschaftlichen Untersuchung dasselbe Bild wie viele andere scheinbar einfach aus Erde aufgeschüttete Hügel. Ein noch nicht aufgedeckter, in nächster Nachbar ­ schaft liegender vermittelt die Vorstellung vom Aussehen unseres heute so eindrucksvollen Denk ­ mals vor seiner Wiedergewinnung. Bei fleißiger Arbeit dauerte es drei Wochen, bis der Steinbau völlig freigelegt war. Sein An ­ blick war so schön, daß stch die Gemeinde zur Übernahme der kosten des ^Wiederaufbaues und zur dauernden Erhaltung entschloß. Ein roher aber gewaltiger Steinhaufen als Znnenbau, ein ­ gefriedet von einer kreisförmigen Steinmauer mit „Eingangsöffnung" wurde getreu dem Ausgra ­ bungsbefund von neuem gebaut und zur besseren Erhaltung mit Mörtel befestigt. Die ehemals diesen Steinban überdeckenden Erbmassen des Hügels aber (etwa 220 Kubikmeter) wurden in Lagelanger Arbeit im Gelände verstreut. Wiera darf stolz fein auf fein einzigartiges Denkmal aus der ältesten Geschichte unserer Heimat (Abb. 7). Zn Zeitungen und Büchern wird heute mit Recht zu Felde gezogen gegen die Zrrlehre, die der deutschen Vorzeit jegliche Kultur abspricht. Gibt es bessere Zeugnisse gegen diese Zrrlehre als diese wiedererstandenen uralten Grabmäler auf hessischem Boden? Eindrucksvoll erzählen die in erheblicher Arbeitsleistung vieler Hände errichte ­ ten Bauten vom Totenbrauch der Menschen, die vor Tausenden von Zähren denselben Boden be ­ wohnten und bearbeiteten, der uns heute Brot gibt. Und deshalb verdienten diese Stätten von allen Volksgenossen besucht zu werden. Und nirgends können Lehrer ihren Schülern einen bes ­ seren Einblick in heimische Vorzeit geben, als vor diesen schlichten und doch großartigen Bauten aus Stein und Erde.