13 zu erhalten. Llllan hat das in verschiedenen Ge ­ genden Deutschlands versucht und off recht trübe Erfahrungen gesammelt. Fast immer bietet eine Fläche, bald nachdem sie der Ausgräber verlassen hat, ein trauriges Bild. Erdwände stürzen nach kurzer Zeit ein, die losen Steine — Mörtel ist den Erbauern dieser Denkmäler noch unbekannt — fallen ans ihrem Verband. Das aus jeder Erdritze wuchernde Unkraut verdeckt bald die Stätte. Aber auch trotz dieser schlechten Erfahrungen finoen wir heute in Hefsen-Kassel eine Reihe wiedererstandener Grabmäler, deren Entstehung Jahrtausende zurückliegt. Sie sollen hier einmal aufgezählt sein, da sie von jedem Volksgenossen aufgesucht zu werden verdienen. Bekannt und berühmt ist das Z ü s ch e n e r Steingrab (Abb. i) in der Gemarkung Lohne, Kreis Fritzlar, das bereits 1894 ansge- graben und mit Hilfe des Hessischen Geschichts ­ vereins an Ort und Stelle erhalten wurde. Wir sehen da an einem sanften Berghange im Boden eingetieft eine große rechteckige Kammer — 20 mal 3,50 RUeter — gefügt aus riesigen Sand- steinplatten, die behauen sind. Dem aufmerk ­ samen Besucher fallen eingeritzte Zickzackmuster und zahlreiche primitiv gezeichnete Darstellungen auf, unter denen ein von Ochsen gezogener Kar ­ ren mehrmals wiederkehrt. Aus dem Abschluß ­ stein der einen Schmalseite ist ein kreisrundes Loch gemeißelt, das „Seelenloch". Fm Fnnen- raum liegt ein letzter Rest der Decke des Baues, die ebenfalls aus riesigen Steinplatten bestand. Aus den bei der Ausgrabung gemachten Funden können wir das Alter und den Zweck der Anlage erkennen. Wir wissen, daß das Bauwerk gegen Ende der jüngeren Steinzeit, also vor etwa 4000 Fahren errichtet wurde und eine große Grab ­ kammer bildet, in der mindestens 27 Leichen be ­ stattet waren. Wir dürfen in ihr den Begräb ­ nisplatz eines Geschlechtes »der einer anderen Ge ­ meinschaft vermuten. Die ungeheuere Arbeits ­ leistung wird uns erst klar, wenn wir erwägen, daß die riesigen Wand- und Decksteine mit den primitivsten Stein- und Holzgeräten — Metalle waren noch nicht oder in bescheidensten Mengen in Gebrauch — von dem jenseitigen Talhang hierher gebracht und kunstvoll zugerichtet wurden. Heute leidet das Grab freilich sehr unter den Einflüssen der Witterung. Manche, ehemals klar heraustretende Figuren find nur noch bei scharfem Zusehen und günstiger Beleuchtung er ­ kennbar. Die reichlich herumliegenden Papier ­ fetzen, Mahlzeitreste, gar gedankenlose Kritze ­ leien unverständiger Besucher machen den An ­ blick der Grabstätte zudem nicht erfreulich. Ab ­ hilfe dieser Mangel ist für die Erhaltung der einzigartigen Anlage unbedingt erforderlich. Denn 5lbb. 2. Die Trümmer der Steinkiste in Gudensberger Stadtwald vor dem Wiederaufbau während der Untersuchung