151 durchgeführt werden, deren topographische Fixie ­ rung in zahlreichen Fällen noch durchaus unsicher ist. Bei aller Vorsicht der Auswertung gestattet dieses reiche Namenmaterial sodann für eine ganze Reihe von Ortschaften die einwandfreie Fi ­ xierung als Rodesiedlungen sowie die Erkenntnis der ältesten Wohnplätze und damit der altoffenen Siedlungsräume. Dabei ist die Arnoldsche Chro ­ nologie bei allen Verbesserungsnotwendigkeiten im Prinzip durchaus zutreffend. Durch die Zen ­ tralstelle des Sprachatlas für das Deutsche Reich ist gerade Marburg der geeignete Boden für die saubere einwandfreie Auswertung der Ortsna ­ men. Dazu kommt, daß durch exakte Kleinarbeit versucht werden muß, an Hand der Flurnamen Gemarkung für Gemarkung die etwaigen Ro ­ dungsflächen zu konstruieren. Die „Zentralstelle für die Flurnamen von Hessen-Nassau" hat durch die Sammlung des Flurnamenmaterials hier bereits wichtige Vorarbeit geleistet. Auch der Verlauf der Gemarkungsgrenzen muß in die Betrachtung mit einbezogen werden; wo ein Dorf seinen Nährraum später in den Wald hinein vorgetrieben hat, ist das nicht sel ­ ten an den scharfen Ausbuchtungen der Gemar- knngsgrenzen zu erkennen. Auch die Dorfformen selber können gelegentlich Hinweise geben; gehört das Haufendorf zweifellos zu den ältesten Dorf ­ formen unseres Gebiets -— ohne daß man nun etwa jedes Haufendorf als alt ansprechen dürfte —, so ist die Anlage von Waldhufendörfern in ehe ­ maligen Waldgebieten erfolgt. Ntit allen diesen Momenten sind Schlüsse höchstens für die Zeit um 1300 möglich; sie be ­ sagen für sich allein so gut wie nichts, erhalten vielmehr erst durch das Zusammentreffen der ver ­ schiedensten gleichlautenden Argumente ihre Be ­ deutung. Schließlich können die kirchen- und territorialgeschichtlichen Verhältnisse wertvollen Anhalt für die Rekonstruktion deö Landschafts ­ bildes vor allem für die Zeit um 1300 geben. Die sorgfältige kritische Auswertung der Archive mit ihren Akten und Urkunden, den Dorf- und Flur ­ büchern, den Zehntregistern, Bestchtigungsberich- ten, Grenzbeschreibungen, aber auch den Flur- und Dorfkarten gehört daher zu den unerläßlichen Voraussetzungen für die zu schaffende Wald ­ karte. Die Konzentrierung des weitaus meisten diesbezüglichen Materials im Staatsarchiv in Marburg erleichtert gerade diese Arbeiten unge ­ mein. Daß die genaueste Kenntnis deö Landes aus eigener Anschauung die selbstverständliche Vor ­ aussetzung für jede ernsthafte Arbeit ist, soll hier nnr nebenbei erwähnt werden. Die Größe des zu behandelnden Raumes und die notwendige Exaktheit der Kleinarbeit lasten es geraten erscheinen, die Bearbeitung des Gebietes in mehrere Hände zu geben; jedoch werden die zu behandelnden Räume jeweils die verschiedensten geologisch-morphologischen Zonen (altes Gebirge, hessische Senke, Buntsandsteintafeln usw.) um ­ fassen müssen: Aus der vergleichenden Betrach ­ tung bestimmter Erscheinungen über die gleichen, aber auch über die verschiedengeartetsten natür ­ lichen Landschaften ergeben sich nicht selten Auf ­ schlüsse, die auf anderem Wege nicht zu erreichen gewesen wären. Jede nicht einwandfrei feststehende Tatsache aber muß als solche jederzeit klar aus der Karte zu ersehen sein, die Gebiete, die trotz sorgfältigen und alles umfassenden Vergleichs und unter Be ­ nutzung sämtlicher Hilsmittel in ihrem Land ­ schaftscharakter ungewiß bleiben, müssen unmiß ­ verständlich bezeichnet werden. Als Arbeitskarte werden dabei das NO B. (1:23000) wie auch die Karte deö Deutschen Reiches (1:100000) zu benutzen sein. Die ge ­ wonnenen Ergebnisse sind auf die Höhenschichten- und Gewässerkarte des Deutschen Reiches im Maßstab 1:200000 zu übertragen. Zu wissenschaftlich haltbaren Ergebnissen wer ­ den die Arbeiten nur führen können, wenn vom bekannten zum unbekannten schrittweise und syste ­ matisch fortgeschritten wird, d. h. vom gegenwär ­ tigen Landschaftsbild zunächst zu dem des aus ­ gehenden 16. Jahrhunderts. Erst nach Abschluß dieser Arbeiten kann versucht werden, in die Zeit um 1300 und von hier aus weitergehend in die um 300 n. Chr. vorzustoßen. In der Nichtbe ­ folgung dieses zwar langwierigen aber natür ­ lichen und stcheren historisch-geographischen TLeges liegt die Schwäche aller bisherigen Bemühungen Schlüters und GuSmannö. Die Karten der Verbreitung des Waldes um 1300 und um 300 n. Chr. können außerdem erst in Angriff genommen werden, wenn wenigstens die dringlichsten Vorarbeiten dazu abgeschlossen vorliegen werden: die Karte der vor- und frühge ­ schichtlichen Funde und die der Verbreitung der Steppenheide.