82 den, obwohl das Christentum selbst wieder erloschen war. An den Wänden der Zimmer hingen eine Menge von Antilopenhörnern, auf dem Fußboden lag zusammengerollt die nrächtige Haut einer Rie ­ senschlange und stand eine Negertrommel, die mit Leder, angeblich aus Mamschenhaut, bespannt war. Zn den Ecken standen Negerwaffen, Speere, Schilde und Pfeile. Zwischen allen diesen Dingen hindurch gelangte man mit einiger Muhe zu einem der beiden Fenster, an welchem Klingelhöfers Staffelei stand, auf der er seine Afrikabilder malte. Diese Bilder stellten Negerhütten, Neger ­ dörfer, Fluß- und Waldlandschaften aus allen Jahreszeiten dar. Damals entstand in Deutschland der Wunsch nach afrikanischem Kolonialbesitz, und es war daher natürlich, daß die Klingelhöferschen Bilder auö Afrika viel Beachtung und auch Käufer fanden. Vor allen Dingen war es Prof. Bastian, der Di ­ rektor des Museums für Völkerkunde in Berlin, der viele dieser Bilder erwarb. Aber auch wisten wollte man vieles von ihm. Geographische und die handelsgeographischen Zeitschriften wünschten Auf ­ sätze von ihm. Er hatte eine Anzahl der berühmten Afrika-Reisenden kennen gelernt: Stanley, den er am Congo traf, hatte er dort Zeichenunterricht ge ­ geben, und in Berlin verkehrte er u. a. mit Nach- tigal und Schweinfurth. Der Ornithologe Karl Ruß besuchte ihn öfters und gab ihm Winke für Beobachtungen bei einer etwaigen nochmaligen Reise nach Afrika. Eine solche ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Bereits im Herbst 1876 trat er die zweite Reise nach Afrika an in Begleitung eines Herrn Kaiser aus Marburg, der aber schon bald wieder nach Deutschland zurückkehrte. Diesmal be ­ suchte Klingelhöfer das Gebiet zwischen Senegal und Niger, wo er in der gleichen Weise tätig war wie bei der ersten Reise. Während er bei dieser als Tauschgegenstände hauptsächlich alte Ge ­ wehre und Pulver, Tabak und Schnaps mitge ­ nommen hatte, brachte er jetzt den Negern, deren Vorliebe für europäischen Putz er kennen gelernt hatte, auch allen möglichen Tand, sogar auch Mar- burger Zägeruniformen zum Tausch mit. Für diese zweite Reise war er nun auch von Ethno ­ graphen und Naturwifsenschaftlern, besonders von dem Zoologen Prof. Greeff in Marburg belehrt worden, auf was er achten und was er mitbringen sollte. So kam es, daß er, als er nach etwa zwei Zähren wieder zurückkam, nicht nur Gegenstände von ethnographischem Wert, sondern auch Vogel ­ bälge und getrocknete Pflanzen den TLifsenschaft- lern übergeben konnte. ' Die TCintermonate verbrachte er wieder in Ber ­ lin, und wir wohnten wieder zusammen. Er hatte wieder Aufsätze für Zeitschriften zu schreiben und malte weiter seine Afrika-Bilder. Diese Bilder sollten nun auch mit Negerfiguren belebt sein, und da ihm das Figürliche weniger lag, traf er mit mir, der ich nicht über große Geldmittel verfügte, ein Abkommen, nach dem ich ihm in die meisten der Bilder eine Ntenge „Niggercher" malen sollte. Stück für Stück fünf Groschen. Einen anderen Verdienst wies er mir dadurch zu, daß er mich eine Anzahl seiner afrikanischen Studien zur Ver ­ öffentlichung in der Leipziger Zllustrierten Zeitung auf Holz zeichnen ließ. Diese treue fürsorgliche Freundschaft hat er mir bis zu seinem Tode be ­ wahrt. Von nun an blieb Klingelhöfer dauernd in Deutschland. Die Sommermonate verbrachte er regelmäßig in Marburg bei Mutter und Schwe ­ ster, die Wintermonate zunächst noch in Berlin. Zm Winter 1881/82 ging er mit Freund Ritter nach V2eimar, das damals eine führende Stellung in der deutschen 8Nalerei einnahm. Beide wurden schnell bekannt in dem TLeimarer Künstlerkreis und veranlaßten mehrere Maler im Sommer mit nach Marburg zu kommen. Unter ihnen war es vor allen Dingen Otto Piltz, der eine Reihe von Zäh ­ ren nach Cappel ging, wo er ausgezeichnete Bilder aus dem Bauernleben schuf. Ein anderer Wei ­ maraner Maler, Sturzkopf, malte in dem großen Schafstall der alten Schäferei am Glaökopf eine heilige Familie. Prof. Th. Hagen und Tübbeke malten vortreffliche Bilder von Marburg. Auch mit dem jungen Paul Baum, der mit seinen Bil ­ dern schon viel Anerkennung gefunden hatte, schloß Klingelhöfer schon damals Freundschaft und er ­ warb auch einige seiner Bilder. Etwa von 1885 an war Klingelhöfer im Winter wieder in Berlin, bis er sich anfang der neunziger Zahre ganz nach Marburg zurückzog. Niemand hätte es dem Mann, der so einfach war, wie er sich gab, angemerkt, daß er unter vie ­ len Abenteuern Zahrzehnte lang in der weiten Welt umhergereist war. Klingelhöfer hatte sich wohl in Amerika das „no" beim Deutschsprechen angewöhnt, im Übrigen aber sprach er echteste Marbnrger Mundart nach wie vor, wie er denn überhaupt sein ganzes Leben ein guter Marbnrger geblieben war, der seine Vaterstadt über alles liebte. Die Wanderlust war gestillt und sein ganzes Leben war nun der Heimat gewidmet. Das Gar- tenhäuöchen in dem kleinen Garten unterhalb seines Hauses, oberhalb der Muhltreppe, richtete er sich als Atelier ein, in dem nur selten noch ein Afrika- Bildchen entstand, umsomehr aber Bilder aus Marburg und seiner Umgebung. Es war be ­