15 gegangen ist. Diese Liebe zum Volke ist allerdings eine der hervorragendsten Eigenschaften dieses Mannes, dessen Beliebtheit bei Allen, die ihn kennen, als ein unmittelbarer Widerhall seines eigenen Wesens erscheint. Freilich ist die Beliebtheit, deren sich Lewalter weit über die Grenzen Hessens hinaus erfreut, nicht allein auf diese Seite seines Wirkens zurückzu ­ führen. Er hat sich auch als Komponist einen guten Namen gemacht und mit mehr als hundert MAodien, die er teils für Klavier oder Geige, teils aber auch zu fremden oder eigenen Worten, ersonnen und für eine oder mehrere Stimmen mit Klavier-, Orgel- oder Lautenbegleitung gesetzt hat, große Volkstümlichkeit gewonnen. Mehrere Manner- chöre Lewalters gehören zu den ständigen Vortrags ­ nummern hessischer und anderer deutscher Gesang ­ vereine und find zum Teil Preischöre bei Gesangs ­ wettkämpfen gewesen. Johann Lewalter hat sich auch außerhalb des musikalischen Gebietes einen guten Namen gemacht, indem er sich beispielsweise viel Mmhe gab, das Puppenspiel wieder zu beleben. So gab er das alte Spiel „Doktor Fausts Leben und Höllen ­ fahrt" nach Simrocks Aufzeichnungen und ver ­ schiedenen, auf hessischen Jahrmärkten gesammelten Erinnerungen neu heraus und ließ ihm einen „Dok ­ tor Kaspar" folgen, in dem er Szenen aus Ioh. Nabes niederdeutschen Puppenspielen und Eindrücke ans der guten alten Zeit der Kasseler Messe ge ­ schickt verwertete. Auch als Dichter, dem die poetische Neigung von einem gemütvollen Vater vererbt wurde, hat er in „Feldblumen" und „Herbstfäden" seinem Wesen bescheidentlich Aus ­ druck zu verleihen gesucht. Zn Kassel geboren, sollte er eigentlich in die Fnßtapfen seines Vaters treten und Buchdrucker werden, folgte aber rechtzeitig dem Ruf der Kunst, der er dann, nach der Studienzeit in Leip ­ zig, wo er mit E. v. Recnizek, Konrad Ansorge, Felix v. Weingartner und anderen Freundschaft schloß, das ganze Dasein gewidmet hat. In der hessischen Heimat fand er in Künstlerkreisen, wie besonders in dem der Malerkolonie Willings ­ hausen, viel geistige Anregung und menschliches Genügen, und darüber hinaus verband ihn mit Mmnnern wie Wilhelm Raabe, Wilhelm Busch, Wilhelm Speck tieferes seelisches Einverständnis. Heute, da er das siebente Jahrzehnt seines Erden ­ wandels beschließt, kann er, an innerem Erleben und wirksamem Schaffen reiche Gezeiten über ­ schauend, zugleich des seltenen Glückes genießen, das ein auch im Alter nicht versiegtes, jugend ­ frisches und lebensfrohes Empfinden gewährt. Gchwemsbera 600 ^zahre Stadt. Von Dr. Q r t 0 K 0 r n. Am Montag vor Unser Frauentag zu Licht ­ meß, also am 27. Januar 1332, besiegelte Kaiser Ludwig der Bayer zu Frankfurt einen Gnaden ­ brief für seinen lieben Getreuen Ruprecht Schenck zu Schweinöberg wegen seiner Verdienste um Kaiser und Reich. Darin versah er Schweinsberg mit allen Rechten, Freiheiten und guter Gewohn ­ heit, „die unser und des Richs stadt Franckfort hat", insbesondere verlieh er der neuen Stadt einen am Mittwoch abzuhaltenden Wochenmarkt. TVorin mochten die Dienste Ruprechts bestanden haben? Neben Waffenhilfe müssen wir in erster Linie an finanzielle Unterstützung denken. Denn es waren damals trübe Zeiten in Deutschland, Kaiser Ludwig befand sich in bedrängter Lage. Zwar hatte er 10 Jahre zuvor den Gegenkönig Friedrich den Schönen von Österreich bei Muhldorf überwältigt; aber viel gewaltiger war ihm im Kampf um die Anerkennung ein Gegner im Papste Johann XXII. erstanden, der im Bunde mit Frankreich, sicher in