184 Frühlingszeit — Waldhörner und Werden- pfeifen erschallen im Wald. Die Förster waren nie Freunde von diesen Dingen, aber gemacht wurde es doch und gemacht wird es noch. Am Waldesrand sitzt ein Trupp Jungen, bei abge ­ schnittenen WAdenästen — TOeidenpfeifen werden ausgeklopft und dabei gesungen: Happe 2 ), happe Seele! Ka rn i dr Möhle, Kackn 3 ) innerm Dach — Päifche aus — gerot, gerach! Die Hirten find immer arme Leute gewesen, hießen vielfach Hannes und das Härtehäische stand gewöhnlich etwas abseits vom Dorf. Wenn dann die Härtefraa ihr bißchen Wäsche hinterm Häus ­ chen aufgehängt hatte, sang man spottend: Hinner Härtes Hannes Haus, henke honnert Hember haus! Honnert Hember henke haus, hinner Härtes Hannes Haus! RÜit den Rüullern hatte man es gern zu tun, inan hate sie sehr nötig, wenn man auch nicht ilnmer mit ihnen zufrieden war. Möller, Möller, Mahler, geb mer en Sack voll Daler — geb mer en Sack voll Herschebrei 4 ), da sät du aach mäin Möller säi! oder: Troß, Troß, Drell! Der Möller hät e Föll, der Möller hät e bonte Kuh, die traat ihm als die Säcke zu! Auch um des Müllers Magd bekümmerte man sich — sie war nicht einmal aus dem Dorf, aber eingebildet und stolz — sie brüstete sich, oie beste Schafferin zu sein, das ärgerte die Dorfmädchen. Möllersch Maad hät gesaat, se wär de allerbäßte Maad. Wann se dos noch ämol saat, va word se aus m Därf gejaat! Überhaupt die Fremden — man hatte sie gerne zum Spott, wenn sie vornehm angezogen ins Dorf kamen. Hä, hä, Härrche, bäßt e spaßig Rtärrche — häßt kä Geld on häßt kä Gut, awer en Zelenderhut! 2) Hupe. z) Korn. 4) Hirsebrei. Wenn die Frau eine Dummheit gemacht hatte und der Mann sich darüber ärgerte oder, wenn der Mann die Frau ärgern wollte, sagte er: Vier Ochse on drei Küh, säi sewwe Ste'ck Vieh — die Ha'rner säi kromm, die Weisleire säi domm! Auf die Vornamen, besonders auf die weiblichen wurde viel gereimt: Annche, Pännche, Biehaus, treib de Ma'rje früh aus, ohne Pluk on ohne Schoar — es words Een Mensch im Därf gewohr! Elsewetche, Groasegretche, leg dich i de Bohne. — Wann der stolze Reiter kitmnt, krie'st du doppelte Lohne. Hotzelgretche, Hotzelgretche, saß off äner Weire — eö hat en de cke Botterwäcke on könn n net verschneire. Ludde, Ludde, Häereka'rn 5 ) lapp die Hose Henne on warn — lapp se net zu de'cke, sost ka st dich net gebe'cke. Das Siegerland (Kreis Siegen) war für den Grund und andere Gebiete immer ein Wunder ­ land, von dem viel geredet wurde, weil die Bur ­ schen, die dorthin auf Verdienst gingen, viel Geld verdienten. Im Seegerlaand, im Seegerlaand, do gih die Küh off Stelze — do ho die Sau Pantoffeln 0, dos äß mer wonnerselze 6 ). Siegerländer nannte man die Burschen, die ins Siegerland gingen. Manche taten sich dick mit ihrem Geld und sorgten dafür, daß sie es bald wie ­ der los wurden, — stolz sangen sie: Mer säi Seegelänner, louter lustge Geldverschwenner! Wärn mer kä Seegelänner, wärn mer aach kä Geldverschwenner! War die Jugend einmal sehr vergnügt, bei der Kirmeß oder sonst wo, dann vergaß man nie zu singen: Wann alles roar on deier äß, da e'ßt nür wäiße Keese. Wann Schuh on Strimb verräste säi, da fohrn mer i dr Scheese! 5) Heidekorn — Buchweizen. 6) wunderselten.