48 das Torso des Kanals dazu rechnen will, so hat sich im Laufe der Jahre auch in dem Herzen der Menschheit eine Wandlung vollzogen, die der künstlerischen Idee mehr Nachdruck verlieh. Die Gäste, die in Carlshafen eine Perle der Baukunst suchten, fanden nicht zuletzt durch die Stadt selbst auf umgekehrtem gedanklichen und gefühlöreflekto- rischem Weg, wie ihn der Künstler gegangen, die Unermeßlichkeit der Natur. Sie fanden unseren deutschesten Strom, unsere deutschesten Wälder, die Sandsteinklippen, die hochragenden Berge, Wege ohne Zeit und Ziel, Weltabgeschlossenheit, Besinnlichkeit und den Ernst des Daseins, also doch wenigstens teilweise durch den Künstler geleitet, fanden sie das Lächeln einer Seele in d e r Land ­ schaft wieder, aus der jener sein Künstlertum ge ­ schöpft. Kunst ist eben Vergeistigung, höchste Freude des naturdurchdringenden Geistes.' Sie ist es auch dann noch, wenn fie aus bereits Bestehen ­ dem Kommendes hinzuformt, wenn fie es versteht, neue Linien den alten hinzuzufügen, ohne darum das Ganze irgendwie zu beeinträchtigen. Denn dann muß ja wohl der Gedankenkreis des ursprüng ­ lichen Künstlers Mittler sein von seiner Natur- durchdringung zu der Auffassung des nunmehr Schaffenden. Es kann unter Umständen keine leichte Aufgabe sein, in die Geheimnisse einer der ­ artigen Kunstauffassung einzudringen und je her ­ vorragender und beseelter der erstere von beiden Künstlern sein Werk geschaffen hat, um so schwie ­ riger dürfte es wohl für den Epigonen fein, seinen Fährten zu folgen. Wie es in ausgezeichneter Weise möglich sein kann, ein derartiges Problem zu lösen, das sehen wir wiederum an Carlöhafen und zwar diesmal an seinen neuzeitlichen Bauten. Weniger wohl an dem umgebauten Kurhaus, das von vorneherein in seiner erstmaligen zweifellos von keinem Künstler geschaffenen Anlage — wollte man nicht von Grund auf einen Neubau errichten — an bestimmte Pinien gebunden war und eben Die hessischen „Freiheiten". I. (Schluß) Die ganze Verfastung der Stadt war nur ein er ­ weitertes Hofrecht 49 ), vielleicht unter Zuziehung von Liebenauer Schöffen. Als 1323 der Besitz je zur Hälfte in die Hände Werners von Westerburg und Herbolds von Pappenheim ging, erließen diese ein neues Stadtprivileg, das die Liebenauer ganz zu Hörigen machte. Erst nach Erwerbung der Stadt durch die Grafen von Waldeck und den Bischof von Paderborn erhielt sie Bürgermeister stg) Alt. Gesch. der Stadt Liebenau. mehr ein Zweck- als ein Kunstbau werden mußte, eher schon an dem neuerrichteten Kinderheim und vielleicht auch noch an dem dazugehörigen Sool- bäderhaus. Aber diesen Bauten fehlt doch schließ ­ lich das letzte große Erleben der Natur, die große mitfühlende Seele. Sie verraten in ihrem Schöpfer zu sehr den Architekten. Nur einem ganz besonderen Künstler sollte es vorbehalten sein, einzudringen in die Geheimnisse und in die Gefühls ­ reflexe des Erbauers von Carlshafen. Ich meine Heinrich Tesienow mit feinem Entwurf für eine reformierte Kirche. „Die naive Natürlichkeit, mit der dieser Baumeister seiner Aufgabe nachgeht," atmet den Geist eines Konradis, sie ist ein Abglanz des Lächelns seiner Seele. Und wir können daher Karl Scheffler in seiner Würdigung (Heft 2 des Jahrgangs 28 der Zeitschrift „Kunst und Künst ­ ler"), nur durchaus Recht geben, wenn er sagt, daß „der Reiz des Entwurfs darin liegt, wie sich die Kirche der landschaftlichen und architektonischen Umgebung einfügt". — — Als eine Ehrung der Manen Conradis und eine Hochtat im Sinne der künstlerischen Weiter ­ entwicklung eines Muster-Stadtbaus ist es anzu ­ sehen, wenn dieser Entwurf in die Tat umgesetzt wird. — So sehen wir denn in dem Stadt- und Land- schaftöbild Carlshafens eine Einheit, eine Ver ­ mählung von Natur und Kunst, die unter den schwierigsten Voraussetzungen zu einer geradezu wunderbaren Lösung geführt hat. Wir sehen, mögen wir nun Künstler oder Mensch schlechthin sein, in ihm die Verwirklichung eines Traumes, ein gestaltbelebtes Märchen. Menschgewordene Künstler und Künstler gewordene Menschen wan ­ deln in ihm, wenn sie aus dem Wirrwarr der Ge ­ genwart Einkehr halten wollen, entgegen jener see ­ lischen Erlösung, die innerlich erhebt und befreit. Denn lieben müssen wir das Leben, wenn wir uns auf uns selbst besinnen. Von Dr. jur. et phil. A p e l, Marburg. und Rat, 1404 auch Zollfreiheit; 1467 ging sie an Hessen über, dessen Landgrafen das Stadtprivileg Bischof Balduins bestätigten. Trotzdem haben die Liebenauer auch unter hessischer Obrigkeit noch schwer gegen die Malsburger und Pappenheimer um ihr Stadtrecht zu kämpfen gehabt. Letztere suchten der Stadt namentlich einen Teil des Stadt- hagens, der an die Burgfreiheit grenzte und den sie mit dem frei erfundenen Namen eines Burghagens bezeichneten, zu entziehen, aber Landgraf Wilhelm schützte die Stadt in ihrem Rechte. Nach einer von Liebenau an Landgraf Philipp gerichteten