381 Bücherschau. Hejsenkunst ; 9 3 \ , 2\. Jahrgang Ulf. 2.50. Herausgegeben von Professor Dr. Christian Rauch. Heimatkalender der Kreise Biedenkopf, Fran- kenberg, Kirchhain und Marburg ^9^, Isis. —.80. Beide im Verlag von N. G. Elwert, Marburg. Bon allen freunden der „H e s s e n k u n st" wird es dankbar begrüßt, daß der Verlag sich entschlossen hat, das nach Inhalt und Ausstattung als vorbildlich be ­ kannte Jahrbuch „Hessenkunst" trotz aller Schwierig ­ keiten wieder erscheinen zu lassen. In dem Maler Felix Klipstein lernen wir einen ganz ausgezeich ­ neten hessischen Künstler kennen, der nur durch seine außergewöhnliche Bescheidenheit und Zurückhaltung noch nicht allgemein so bekannt ist, wie er es verdient. Umso erfreulicher ist es, daß uns „Hessenkunst" die Be ­ kanntschaft dieses Künstlers vermittelt, Wir sehen in dem Jahrbuch seine ausgezeichneten Holzschnitte aus dem Tier- und Jagdleben, ferner Radierungen und Zeichnungen aus seinem Schasfensgebiet, dem vogels ­ berg und dem malerischen Laubach in Hessen. Auch die reich illustrierten Textbeiträge dürfen allgemeines Interesse beanspruchen. So behandelt Bezirkskonser ­ vator Dr. Bleibaum die Kunstdenkmäler der Grafschaft Schaumburg; Dr. Meyer-Barkhausen die Fachwerkhäu ­ ser des ^6. Jahrhunderts in Wildungen; Dr. Kippen ­ berger die Glasfenster der Elisabethkirche und Dr. Mlga Bloch Kasseler Fayencen. Trotz der sehr hohen Herstellungskosten ist der alte Preis von Mk. 2.50 be ­ stehen geblieben, und es liegt nun an allen Freunden des Hessenlandes, diese ausgezeichnete Heimatveröf ­ fentlichung vor allen anderen zu bevorzugen, damit das Unternehmen auch für die Zukunft gesichert bleibt, und der Verlag durch ein reges Interesse immer mehr an ­ getrieben wird, diesen Kalender auszubauen. Der „H e i m a t k a l e n d e r" für die obcn genann ­ ten Kreise ist von dem Zweigverein Mberhessen und Hinterland des Vereins für Heimatschutz herausge ­ geben. Ts ist erstaunlich, welche Fülle von Bildern und Beiträgen, die alle auf das Kapitel Heimatschutz Bezug nehmen, hier zu dem Spottpreis von nur 80 Pfennig geboten wird. Hier ist ein Volkskalender ent ­ standen, der seines heimatlichen Inhalts wegen die allerweiteste Verbreitung verdient. Der billige Preis ist nur dadurch möglich, daß die behördlichen Stellen der Städte und Kreise einen finanziellen Zuschuß zu den ebenfalls sehr hohen Herstellungskosten geleistet haben. Franz Johannes lveinrich, „Die hei ­ lige Elisabeth von Thüringe n". Verlag Josef Kösel u. Friedrich pustet, München. Das Buch ist eine Heiligenbiographie voin strengen katholischen Standpunkt aus, das die Katholiken dem Verfasser besonders danken werden. Ist doch die hei ­ lige Elisabeth dem Volke eine der liebsten Heiligen der katholischen Kirche. Dabei läßt der Verfasser die Welt des Mittelalters lebensvoll wieder erstehen. Die Probleme der Zeit der Kreuzzüge, des heiligen Franz und der rauhen Fehden der großen und kleinen Herren untereinander, wird vor unserem Auge lebendig. Die Personen, insbesondere der Landgraf Konrad von Marburg, gewinnen tiefes Leben; und in diese Welt hinein, namentlich die der beiden letzten Männer mit ihren gegensätzlichen und doch sich berührenden Ge ­ dankenkreisen, stellt Weinrich die Heilige, deren welt- abgewandtes, beinahe visionäres Innenleben von Ju ­ gend auf, auch ihren Kampf und Sieg und ihr Ster ­ ben er mit wachsender Innigkeit schildert. Ein reli ­ giöses Lrbauungsbuch, aber von tiefem geistigen Ge ­ halt und einer schönen Sprache. Stück, Fritz, Architekt: Um Kassels Zukunft. Teil {. Das Aufbau-Programm. L i n streiflichart. Überblick über meine Arbeiten d. I. \ 9 25—1929. Kassel, Geotechn. Verl. t930. ^ S. g°. Lin höchsteigenartiges Buch, insofern als es nur ein Inhaltsverzeichnis der Arbeiten des Vers, gibt, aller ­ dings ein recht ausführliches Inhaltsverzeichnis, das die umfassenden Pläne einer völligen Neugestaltung des organischen Stadtbilds von Kassel und seinen Zu ­ fahrtsstraßen zeigt. Über diese Pläne und die Mög ­ lichkeit ihrer Ausführung zu urteilen, bin ich nicht kompetent. Stücks Buch ist eine Streitschrift gegen die Bürokratie seiner Vaterstadt, und nach dein alten Grundsatz im Kasseler Rathaus: „Eues Mannes Rede ist kene Rede. Man soll die Part hören beede", müßte man erst einmal abwarten, was die andere Partei dazu zu sagen hat. ph. L. R. Hallo, Geschichte der Familie Hallo. 250 Jahre a. d. Leben einer deutschen Hofjuden- und Handwerkerfamilie. Aktenmäßig dargest., erläutert u. m. Abb. versehen. Kassel, privatdruck J930. In vorbildlicher Weise hat Dr. H. die Geschichte seiner Familie erzählt. Er verfolgt sie von dem alten Ahnherrn Abraham v. Hammersch ag, der vor dem zojähr. Krieg in Prag lebte, auf ihren Wanderungen über Glogau, Stendal, Berlin und Halle, bis nach Kassel, wo sich die Familie ^729 niederließ und (8^6 das noch jetzt bestehende Weißbindergcschäft gründete. Line jüdische Familiengeschichte zu schreiben ist nicht leicht, da für die ältere Zeit meist der gemeinsame Geschlechts- naine fehlt. Die Hallo's nannten sich z. B. früher Hammerschlag, Geitzvogel, Israel, Halle; ja einer, der später in die Fremde ging, nannte sich Cassel. Und als J808 die westfälische Regierung die Annahme fester Familiennamen befahl, da nannten sich Glieder eines Stammes Halle, Schmerz, Sandfaß, Weißenthal und Graser, Wie diese polyonymität die Forschung erschwert, läßt sich denken. Trotzdem ist es dem Ver ­ fasser gelungen ein vortreffliches Kulturbild jüdisch ­ deutschen Lebens zu zeichnen und der hessischen Fa- miliengeschichtssorschung einen wertvollen Beitrag zu schenken. ph. L. Berthold, Luise (Prof.), Hessen - Nassau ­ ische s Volkswörterbuch aus den für ein Heffen-Nassauisches Wörterbuch mit Hilfe aller volks ­ kreise und besonders der Lehrerschaft der preußischen Provinz Hessen-Nassau einschließlich Waldecks, der hessischen Provinz Dberhessen, des rheinischen Kreises Wetzlar und des westfälischen Kreises Wittgenstein von Ferdinand Wrede angelegten und verwalteten Sammlungen ausgewählt und bearbeitet. II. Band. 4. Lieferung, Bogen J3—^ (Loppcher—Marienkäfer). Marburg, ^30. N. G. Elwert, Mark 2.50. Die neue Lieferung beweist wieder die Meisterschaft der Verfasserin, aus den vielen zusammengekommenen Zetteln die einzelnen Wörter zu kleinen Abhandlungen zu verarbeiten, die den Leser mühelos über alles