158 Wolf h a g e n. Die in der Nähe der Stadt lie ­ genden Kolonien Philippinenburg, Philippinendorf und Philip pin-enth-al können in diesem Jahre auf ein IbOjähriges Bestehen zurückblicken. Sie wurden 1778 unter der Regierung des Landgrafen Friedrich von Hessen gegründet und gehören politisch und- kirchlich zur G-em-eind-e Wolfhagen. Die Kolonisten haben die Absicht, aus Anl-aß des Jubiläums eine kleine Feier zu veranstalten. Friedberg. Die einstige französische Sprache insel Friedrichs-dorf ist jetzt fast vollständig ein-ge- d-eutscht. Vertriebene Hugenotten wurden um 1660 vom Landgrafen Friedrich von Homburg -aufgenom ­ men und angesiedelt. Keinem Deutschen war es ge ­ stattet, fick in Frie-dr-ichs-dorf niederzulassen, kein Friedrichsdorser -durfte eine Deutsche ehelichen. Dis ins 20. Jahrhundert hinein war Französisch- -die Um ­ gangssprache, der Go-ttesd-ienst fand in französischem Ritus statt. In Familien, Pensionaten, Kleinkinder ­ schulen -wurde bie französische Sprache mit Sorgfalt gepflegt. Ueber 200 Jahre lag so Fri-edrichsdor-f -als französische Sprachinsel innerhalb- rein deutschen Ge ­ bietes. Als die Franzosen 1920 Fri-edrichsdorf be ­ setzten, waren- sie überrascht, hier Landsleute zu fin- d-eu. Die Friedrichsdorfer aber -fühlten -absolut -deutsch und -lehnten die Freundschaft d-er -Franzosen ab. Der anwachsende starke Verkehr und die Freizügigkeit h-aben seit etwa 40 Jahren den Gebrauch- der fran ­ zösischen Sprache mehr und mehr zurückgedrängt, so daß heute -deutsch vorherrscht. — Gelegentlich der Ge ­ neralversammlung -des Verkehrs-Vereins wies Professor Ferdinand Dreher darauf hin, -daß nicht n-ur d-ie Wei- terarb-eit des G-eschich-tsvereins, so-n-d-ern auch der Be- stand -der städtischen Sammlung-en -ernstliche gefährdet sei. Dem Geschichtsverein stehen- keine hochherzigen Mäzene wie vor dem Kriege zur Seite, -und- auch- die Vereinsnachrichten. H e s s i s ch e r G -e s ch i ch -t s v e r e i n. Zur Er ­ gänzung unseres letzten Berichts über -d-en Ausflug -des Marbur -g -e r Vereins nach- Burg Hohenfels weisen -wir -darauf hin, daß nachträglich noch ein ausführlicher Bericht in d-er „Oberhess. Zeitun-g" vom 26. April -erschien. Der F u l d a e r Ges ch i ch t s v e r -e -i n hielt am 25. April feine Genera-lver-fammlun-g -unter L-eitung des st-ellve rtreten den Vorsitzenden- Domkapit-ulars Pro f. Dr. Richt e r ab. Nach seinem Bericht beträgt die Mitgliederzahl 256 gegen 287 im Vorj-ahr; außerdem bestehen noch Ortsgruppen in Flieden, Petersbevg und Bad Salzschlirf mit zusammen 104 Mitgliedern. Die Versammlung -bestätigte den -bisherigen- Vorstand (Oberbürgermeister Dr. Ant-oni 1., Domkapitular Prof. I)r. Richter 2. Vorsitzender, Wein-großhändler E-d. Schm-itt Kassenführer, Pros. Dr. Haas, Prof. Dr. Vonderau, Dr. Kr-am-er), und wähle an Stelle Prof. Dr. -Scher-e-vs, der -nach langjähriger eifriger Mit ­ arbeit fein- Vovstan-dsamt niederlegte, Stud-i-enrat Bairgon neu in den Vo-rftand-. Nach idem gefchäft-li-ch-en Teil sprach Pros. Dr. Vonderau an Hand von Skizzen und photo-graphischen Aufnahmen über die F -o r -s ch u n g a m B ü r a b -e r g bet Fritzlar. Schon 1926 -waren die Forschungen über die frühere Kirche ziemlich abgeschlossen. Es ergab sich die Aufdeckung- einer Taufzelle mit -einem Taufbrunnen. dem -einzigen-, der aus d-er Zeit des Bonifatius in- Germanien bisher aufgefunden wurd-e. Nunmehr -hat man auch d-ie Be ­ festigungsanlage -auf dem Bürab-erg aufgefunden aus Stadt muß an allen Ecken und Enden sparen. Unzu ­ reichende Mittel wirken lähmend -auch auf die Wirk ­ samkeit des ehrenamtlich tätigen- -Leiters von Museum und Archiv. Im Interesse des weiteren Ausbaues dieser heimatkundlich so wichtigen Institute wäre Unterstütz-ung von Staatswegen und aus Pvivat- krei-fen dringend erwünscht. Das 100j ähri ge Gesch-äftsj ubtläum beging die Kausmannsfamilie H. Mohr in- Spangen- b-erg. Nach dem 1870 erfolgten Tode d-es Gründers der -Firma- d-es Kaufmanns Johannes Sal-zmann. ging d-as Geschäft an -dessen Schwiegersohn Heinrich Mohr über. Nach diesem übernahm es- 1906 sein -Sohn Ri ­ chard Mohr, und nach dessen Tod -w-urd-e Georg Mohr Leiter des Hauses. Z i e r e n b e r g. Die W ied-e rhe r stellu ng sa rb eiten an unserem, noch -s-pä-tgotisch-en -Charakter tragenden und- 1459 vollendeten- Rathaus stehen vor ihrem Ab ­ schluß, so -d-aß -die Einweihung -des prachtvollen Fach ­ werkbaues bereits- -am -23. Mai! erfolgen -kann. Linge Ibach. Eine alte Gepflogenheit besteht auch Heute noch in unserem Dorfe. In -der Walpur ­ gisnacht fand- sich an d-em Abend- die männliche Dorf- jugend- zusammen, alle mit Peitschen verseh-en, um- die Hexen zu vertreiben. Sie zieht d-aNn abwechselnd peitschekn-allend durch di-e Straßen. Man sagt ge ­ wöhnlich, d-ie Hexen -werden -geschnappt, und jckder von -d-en Burschen, d-er sich- hierzu seine Peitsche sein in Ordnung brachte, will am stärksten knallen. B e r i ch t i g u n g. In dem Aufsatz über die D i - t a l i s n -a ch t in der letzten Nummer h-aben sich -einige Druckfehler eing-eschlich-en. Es muß heißen Seite 98, Feile 2 „Fründ" statt „Freund", -Seite 100. Zeile 20 „grauet" statt „grämet" und -Seite 100, Anmerkung 7 „Weinstraße" statt „Mainstraß-e". d-er Zeit, wo dort ein Bischofssitz errichtet wurde. So hat man !die Tore d-er Defestigun-g durch den Spaten festgestellt. Di-e Forschungen -werden- jetzt im Innern der -einstigen „-Stadt" fortgesetzt, und -es ist nicht ausgeschlossen, d-aß sie di-e sonst so undurchsichtigen ersten Jahrhunderte -der christlichen Zeitrechnung in unserer Heimat aufhellen werden. — Prof. Dr. Von ­ derau zeigte dann noch -einige bemerkenswerte neue Funde vom Haimberg und- -erwähnte noch -Scherben- funde aus der Stöckelfer Gegend, die beweisen, daß tatsächlich -d-i-e Bevölk-erung dieser Fuld-a-er Gegend es w-ar, die auf der Milseburg, wo sich die gleichen Scherben finden, in Notzeiten ihre Zuflucht suchte. (Bericht: „Fuld-aer Ze-itg-." vom 27. 4.) Der Hersfelder Geschichtsverein beging am 28. und- 29. April die Feier d-er 550jährigen Wieder ­ kehr d-er Vitalisnacht (vgl. unseren Auffatz im April- heft). Eingeleitet wurd-e sie am 28. April -durch eine Gedächtnisfeier am Vitaliskreuz, in deren Mittelpunkt die Festrede von Lehrer Wilhelm Ne uh-aus stand. Der Vorstand des Geschichtsvereins und der Magistrat legten Kränze an dem (wie die Sturmhaube -am Rath-aus) geschmückten Kreuz nieder. Es folgte um 8 Uhr ein Festabend- des Hersfelder Geschi-chtsv-er-eins mit Vorspruch, Begrüßungsansprach< des Studien ­ direktors Dr. Schoos, Rezitationen und Festvortrag des Lehrers Wilhelm Neuhaus. Den Beschluß bildete Sonntag früh der, Festgottesdienst in der -Stadtkirche, bei dem Kreispfarver C l e r m o n t - Eschwege, der Verfasser des Hei-matfestspieles „Vitalisnacht". die