86 leren und südlichen Kreise Gießen und im Nord ­ zipfel des Kreises Büdingen. Das Hauptfeld seiner Tätigkeit, die im Fressen der maienzarten Blätter besteht, verlegt der Mai ­ käfer naturgemäß in die Bäume. Nach diesem Lieblings aufenthalt wird er vielfach genannt: Zu dem schon angeführten „Baumkleber" und „Weiden ­ kleber" gesellt sich im südlichen Wörterbuchgebieb verstreut der „Lindenkleber", der „Kirschenkleber" neben dem „Kirschentier" und schließlich der „Laub ­ vogel" (südlich von Lauterbach). Noch weiter südlich hat weder die „Klebrigkeit" noch die Freßgier unseres Braunrockes den größten Eindruck gemacht, sondern fein vernehmliches und vergnügtes Summen, das wohl der Ausdruck von Zufriedenheit der Maienkäferseele mit dem Maien ­ dasein ist: „Schnurrenkäser" heißt er im südlichsten Kreis Gelnhausen, nahe der Grenze unseres Wörter ­ buchgebiets. Höchst auffällig ist sein Erscheinen im Mai, denl er nicht nur seinen schriftsprachlichen Namen ver ­ dankt. „Maikäfer, Maigaul, Maihammel, Maiklette, Maikalb, Maikleber, Maitier, Maivogel, Maiwiebel" u. a. sind Beweise dafür, daß auch dem Mundart ­ sprecher die phänomenale Pünktlichkeit des Früh ­ lingsboten aufgefallen ist, — und der Name „Mai ­ aas", das uns aus dem Dillkreis belegt ist, charak ­ terisiert noch dazu zur Genüge die Sympathien, die man dort dem schädlichen Fresser entgegenbringt. Natürlich ist seine Zugehörigkeit zur Gattung der Käfer für die Prägung seiner mundartlichen Namen häufig ausschlaggebend. „Maikäfer (mund ­ artlich meist zu -käwwer gewandelt) steht neben den anderen Ableitungen Maikäfert, -käset oder - käbel (-kabel) und - k ä f e r z. Die letzt ­ genannte Form „Käferz(e)" (mundartlich K ä w - werz, Kiwerz u. ähnl.) ist der meistgebräuchliche Name des Maikäfers im Westerwald. Die Herkunft der merkwürdigen Endung - z (e), die hier an das Wort Käfer antritt, ist noch nicht ganz geklärt. Mag nun aber die eine oder die andere Erklärung — sie hier zu erörtern würde zu weit führen — zutreffen, Tatsache ist, daß der ursprüngliche Sinn dieses Suffixes, wie er dem Mundartbetrachter schwer zu fassen, auch dem Mundartsprecher ent ­ glitten ist. Das Bedürfnis der Mundart, solche erstarrte Sprachformen zu beleben, indem man sie an bekannte Worte der Mundart anlehnt, setzt hier ein: Eine klangliche Ähnlichkeit der zweiten, unver ­ ständlich gewordenen Silbe mit dem „Watz" (d. i. der Eber) führte zu der Bildung „Kehwatz". An der Dialektgrenze nun, wo Kehwatz an das Ge ­ biet grenzt, das „Maikäfer" spricht (sie ist am Johannes. Er soll nicht vergessen werden. Schon um seines Namens willen ist er einer jeden ihm gewidmeten Erinnerung wert. Denn das Mißverhältnis zwischen diesem Namen und dem Wesen, das er bezeichnete, Unterlauf der Lahn), gehen beide Namen eine Mischung ein: „Maikäfer" ft- „Kehwatz" ergibt die Grenzform „Maiwatz" (Bad Ems; Fachbach bei Ems). So erklärt es sich, wie der braunge ­ flügelte Maienbote plötzlich als ein „Watz" erscheint! In anderen Gegenden aber ist er gar zu einem Kalb geworden. „Maienkalb" heißt er in Ober ­ neurode (Kreis Hersfeld), „Wisenkalb" in Bosserode (Kreis Rotenburg). Wie ist diese Metamorphose möglich? Der Mundartkenner sagt sofort, daß das nichts Außergewöhnliches sei, der Marienkäfer habe ein ähnliches Schicksal. Tatsächlich wird der kleine, siebenpunktierte Käfer unter vielen anderen mit den Namen „Muhkälbchen, Sommerkälbchen, Sonnen ­ kälbchen, Gotteskälbchen, Herrgottskälbchen" geziert. Daneben aber hört man Formen wie M u h k ä b - chen und für unseren Maikäfer vielfach Mai- käbel (-käwel, - gewel, - kabel usw.). Dieses -käbel ist nichts anderes als -käfer, nur mit der Ableitungssilbe -el statt - er, eine Erscheinung, die die Mundart häufig kennt. Käbel nun wird durch Käfer, das ja durch die Schriftsprache ge ­ stützt wird, fast überall verdrängt und hält sich oft nur noch in Zusammensetzungen, wie eben unsere Beispiele zeigen. Bald wird vergessen, daß Käbel eigentlich dasselbe ist wie Käfer, es wird nicht mehr verstanden und nun umgedeutet. Die klang ­ liche Ähnlichkeit mit einem anderen Wort gibt den Ausschlag bei der Anlehnung: -kabel läßt sich an -kalb, -käbel an - k ä l b ch e n anlehnen, und da, wo b zwischen Vokalen ausfällt, also wo man t r i e e n für trieben, d. i. streike n', - k a l für -kabel sagt, wird dieses -kal, oder hessisch -gal, an „Gaul" angelehnt, so daß auch oas mehrfach belegte ,,Maigaul" seine Erklärung findet. Wo nun aber ein Tierchen wie der Maikäfer sprach ­ lich mir Watz, Gaul und Kälbchen zusammenge ­ worfen wird, öa ist es kein Rätsel mehr, wenn er nun auch als „Hammel" auftritt (MaiHammel in Hersfeld, und ebendort auch Hammel für „Maikäfer" allein). Hier ist derselbe Spieltried der Mundartsprecher — vielfach in diesem Falle der Kinder — am Werke, der auch aus dem Herr ­ gottskälbchen ein Herrgottslämmchen und ein Herr ­ gottsschäfchen macht. Die Konkurrenz, die auf diese Weise der Mai ­ käfer dem Gaul, dem Kalb und dem Watz macht, wird natürlich nur ermöglicht durch die Unmöglich ­ keit einer praktischen Konkurrenz. Aber auch dies lindernde Moment eingeschaltet, sind doch unsere Maikäfernamen neue Beweise dafür, daß die Ent ­ wicklung der Sprache nicht nach bestimmten Gesetzen vor sich geht, sondern oft in grotesken Sprüngen vorwärts oder seitwärts eilt. Erzählung von Will Scheller. gehörte zu den auffälligsten Eigenschaften eines so kurzen, aber abenteuerlichen Daseins, wie es dem Johannes beschieden gewesen ist. Und mit um so zureichenderem Grunde, als er diesen Namen gerade