13 Pfarrer ein neues Tor zn liefern. „Krieg die Kram- menot," sagt' ich, „das lassen wir uns nicht gefallen. Schlimmer wie schlimm kann's nicht werden. Alle ­ iveil gehn wir an die richtige Schmied', wir machen nach Darmstadt und beschweren uns beim Groß ­ herzog!" Gesagt, getan. Selbviert sind wir nach Darmstadt gefahren, 's war eine schöne Reis', aber kriminalteuer. In Tarmstadt hatteil wir ein kolos-« sales Glück. Ta ivar nämlich dem Rocker am Wind- eck sein Jakob Kutscher beim Herrn Baron von Riedesel. Und der Jakob hat mit seinem Herrn geschwätzt, lind der Herr Baron hat's richtig fertig ­ gebracht, daß uns der Großherzog ins Schloß be ­ stellen tat. Ich sagt' ivider die Gcmeinderät': „Jetzt heißt's, die Ohren steif gehalten. Ter Großherzog ist das lebendige Gesetz und hat ein Herz für sein Volk. Was der spricht, steht fest wie das Evange ­ lium!" Im Schloß wurden wir in einen Saal ge ­ führt. Vor all der Pracht wurd's einenr ganz durmelig. Auf einmal kam der Großherzog. Ei, du liebes Gottche, wie groß war der! Ter guckt' !vie unser Kirchturm über uns weg. Er war aber sehr freundlich. Und wußt' im Vogelsberg Bescheid, 's ivar der Staat all. Und hat eine förmliche Red' gehalten und hat gemeint, daß dem Bauersmann seine Arbeit fröhlich und voller Hoffnung wär'. Alle andern Ständ' müßten kaufen, was sie brauch ­ ten, den: Bauer tät's ins Maul hineinwachsen. Und ivas die Hauptfach' wär', ivir könnten alles aus freien Stücken tun. So sprach er und sprach noch mehr. 's hatt' alles Hand und Fuß. Ich dacht' bei mir: der ist nicht bloß dem Rock nach Großherzog, der ist auch Großherzog im Kopf! Eine Viertelstund' hat die Sach' gedauert, dann wurden ivir hinausgeführt und haben ivieder auf dem Schloßplatz gestanden. „Kreuzmillionendonnerwet- 1er," sagt' ich wider die Gemeinderät', „ich hab' in der Rasch' rein das Pfarrtor vergessen. Ihr dum ­ men Kälber, warum habt ihr dann das Maul nicht aufgetan?" Grad kam der Herr Baron von Ried ­ esel aus dem Schloß. „Nichts für ungut, Herr Baron," sagt' ich und legt' ihm die Geschicht' aus ­ einander. Der Großherzog, meint' er, wär' heut nicht mehr zu sprechen lind morgen führ' er auf die Jagd. Wir sollten ruhig heim machen. Er wollt' einmal sehen, ivas er für uns tun könnt'. Er gab jedem die Hand. „Das Pfarrtor ist bei dem Herrn Baron in guten Händen," sagt' der Rocker am Windeck, „ich denk', wir trinken jetzt einen." Darauf sind wir in den Gasthof zur Traub' gegangen und haben eine Flasch' Wein bestellt. Und iveil man auf einem Bein nicht steht, haben wir noch eine Flasch' kommen lassen, 's hat mörderlich viel Geld gekostet! Und das End' trug die Last. Wie ivir heim kamen, stand der lange Rühl aus Herbstein vor dem Pfarr ­ haus und schreinert' an einem neuen Tor herum. „Wer läßt denn das Tor machen?" fragt' ich. „Das Kreisamt", spricht er, „für Rechnung der Ge ­ meinde." — „Da haben wir den Salat", sagt' der Rocker am Windeck nnb macht' ein Gesicht wie ein Nest voll Eulen. Und's war eso, die Gemeinde mußt das Pfarrtor bezahlen. Jetzt hätten Sie ein ­ mal sehen sollen, ivas die Kühbauern einen Zorn auf mich hatten! In Darmstadt, ging das Gebelfer, hätt' ich nichts ausgerichtet, und für das viele Geld, was die -Reis' gekostet hätt', hätt' man fünf neue Pfarrtore hinstellen können. Bei der Bürgermeister ­ wahl täten sie mir's eintränken. Und sie haben mich richtig nicht wieder gewählt." „Wer weiß, tvozu 's gut war," sprach der Lehrer, der der Erzählung seines Freundes mit Spannung gefolgt ivar. „Jedenfalls ist Euch viel Ärger nnb Verdruß erspart geblieben." Der Adam spuckte aus. „Das mein' ich auch. Im Anfang hat's mich mächtig gefuchst, daß ich durchgeplumpst war. Und meine Frau selig hat drüber acht Tag im Schlaf geschwätzt. Hernach ivar ich froh, daß ich meinen Frieden hatt'. Das beste Amt gibt Stroh statt Gar ­ ben. Und gar Bürgermeister! Heut soll man den Herrgott spielen, morgen den Teufel. Und ivas das schönste ist: man bildet sich ein, man tät' kom- mandier'n, und ivird kommandiert!" Ter Lehrer brach auf. Der Zeklers-Adam be ­ igleitete ihn vor die Tür und ließ sich auf seinem Bänkchen nieder, noch ein wenig den schönen Abend zu genießen. Die Sonne ivar zur Rüste gegangen. Auf deni Wäldchen, das den Gipfel des Gackersteins krönte, lag ein roter Schein, der mählich verblich. Die ersten Sterne blinkten vom Himmel hernieder. Im Torf hob die Glocke zu läuten an. Rahehin auf dem Schäferweg zogen Burschen und Mädchen in langen Reihen vorbei. Ihr Gesang hallte herüber. Wie die Blümlein draußen zittern, Wenn die Abendlüfte wehn, Und du nullst mir's Herz verbittern, Und du willst schon Ivieder gehn? O bleib bei mir und geh' nicht fort, An meinem Herzen ist der schönste Ort. Der Alte fuhr mit der Hand über die Stirn. Einst hatte er auch unter den jungen Sängern mitgetan. Das war lange her. Jugendzeit war die beste Zeit. Aber zwischen Saat und Ernte konnte viel geschehen. Tie da drüben dachten von einem Tag aus den andern, «glaubten, sie hielten das Glück an allen vier Zipfeln. Jung und alt hatten zweierlei Sinn. Das mußte so sein und würde ewig so bleiben. Er, der Adam, steuerte auf die Achtzig los. Kurios! So alt man war, immer wollt' man noch ein paar Jährchen zugesetzt wissen. Und warum auch nicht, solang' man gesund war und einem das Essen schmeckte? Leben, wie's recht war, und den Tod nicht fürchten, darauf kam alles an in der Welt. Tie Schatten der Nacht senkten sich tiefer. Eine Fledermaus strich an dem Hänschen vorbei. In tiefem Frieden lag das Dorf. Nur in der Mühle regten sich noch fleißige Hände. Die Mahlgänge stampften und klapperten. Das klang dem Zeklers- Adam >vie Musik. Bedächtig klopfte er seine Pfeife aus, erhob sich und suchte sein Stübchen auf.