267 hatten Mühe, bei Glatteis über Berg und Tal zu kommen. Ab und zu brach man auch durch diel dünne Eisdecke in Sumpf und Morast ein. Kassel entschädigte den Reisenden vollauf, und er preist fast überschwenglich diese „Residenz eines der vortreff ­ lichsten Fürsten des deutschen Reiches". Nach seiner Ansicht verdient es die ganze Aufmerksamkeit eines Fremden. Freilich dringt immer wieder das Vor ­ urteil gegen die mittelalterliche Schönheit unserer alten Städte durch, die man damals einfach nicht zu würdigen wußte. Die Neustadt, von französischen Kolonisten erbaut, findet unser Briefschreiber „regel ­ mäßig und schön, wodurch sie sich merklich von der Altstadt unterscheidet. Ihre Gassen sind breit, die Häuser nach der allerneuesten Bauart und fast von einer Höhe . . . Die allerliebste Esplanade ist sogar gegenwärtig, da ihre Bäume von Laub entblößt stehen, ein sehr angenehmer Spaziergang." Die sehr verfallene Fuldabrücke zwischen Alt- und Neustadt gefiel weniger. „Indessen hatte sie uns doch so ziem ­ lich zu dem vorbereitet, was wir in Ansehung der Bauart noch in der andern alten Hälfte der Residenz zu sehen bekommen sollten; und es war mir in der Tat bei dem Eintritt in die Altstadt nicht anders, als wenn ich plötzlich aus der Gesellschaft des liebenswürdigsten Mädchens, in das finstre Gemach einer abgelebten Matrone geworfen würde." Ein winterlicher Ausflug nach dem Karlsberg wird neben anderen Sehenswürdigkeiten in Kassels Umgebung enthusiastisch beschrieben: „Ich glaube nicht zuviel zu sagen, wenn ich dieses Wasserwerk für eines der prächtigsten Kaskaden in Europa halte." Auch der Herkules wird bestiegen: „Fünf von uns stiegen ganz bequem in diesen ungeheuren herkulischen Körper, der innwendig ausgehöhlt ist, und ich übersähe aus dem einen Auge dieser kolossalischen Statue, wie aus einem Flügelfenster, die ganze weite Gegend um diesen Karlsberg herum, die, da die Sonne sehr heiter schien, ungemein anmutig war . . . Um das Auge noch mehr zu ergötzen, so sind alle Steine an dieser Kaskade vorne mit einem dünnen glän^- zenden Blech belegt, welches, wenn die Sonne drauf scheint, das Wasser so hell als einen Krystall machen muß . . . ." In einem anderen aus Kassel datierten Briefe erwähnt der Livländer den Kasseler Pagen ­ hofmeister Engelbronn, der ihm die Bildergalerie zeigte. Die Wachtparade machte einen vorteilhaften Eindruck. Der Fremde sah hier „lauter wohlgestreckte Aufruf für den Ludwigstem. Noch einmal rufen wir zu einer Werbewoche für den Ludwigstein auf. Viel ist geschaffen, aber manches bleibt bis zur gänzlichen Fertigstellung noch zu tun,. Nur durch zähes Festhalten an dem Ziel und durch die große Opfersreudigkeit der Jugend und ihrer Freunde ist der größte Teil der Arbeit geleistet. Damit aber die Burg das wird, was sie sein soll, ein würdiges Denkmal für unsere im Weltkrieg gefallenen Brüder, rufen wir noch ­ mals auf, uns bei der Vollendung des Werkes zu helfen. Schwerer denn je ist es heute, die Mittel für den weiteren Ausbau auszubringen, aber viele Wenig machen und schöne Leute, die ihre Manövers mit vieler Fer ­ tigkeit machten, und deren Ansehen es schon anzu ­ kündigen scheint, daß sie tapfere Soldaten sind". Auch ihre Offiziere werden als gesetzt und höflich gelobt; „wie denn selbst ein gewisser Oberster, der an der Spitze des Regiments stand, und der meine Freude über das vortreffliche Manöver merkte, so gütig war, mich neben sich hin treten zu lassen, um alles desto besser übersehen zu können". Die Ev- zeugnisse der damaligen Kasseler Industrie werden als preiswert und brauchbar gerühmt, so daß dev Reisende verschiedene Stoffe und Tücher einkaufte. In einem dritten Briefe findet sich der Schreiber veranlaßt, Kassel gegen Vorurteile in Schutz zu nehmen, da es sich in beit letzten Jahrzehnten sehr zu seinem Vorteil verändert habe: „Ich finde in der That in den Manieren der polizierten Ein ­ wohner nichts von jener Rauhigkeit, um derenb- tvillen man die alten Hessen auch die blinden Hessen zu nennen pflegte. Ihr Betragen ist sein, wie man dies in allen gesitteten Städten von Europa zu sehen gewöhnt ist . . . ich muß sagen, daß mir das schöne Geschlecht eher ein bischen zu lebhaft und zu galant, als zu rauh oder misantropisch zu seyn scheint. Die Beziehung, in der die Einwohner in dem letzten Kriege mit den Franzosen gestanden haben, hat sie um vieles gebessert oder verschlimmert, wie sie es nennen wollen; und eben diese Nation, der wir Deutsche so gern die Sitten wie die Moden abborgen, haben einen gewissen Geschmack in dieser Stadt zurückgelassen, den unsere nur gar zu ein ­ förmige Vorfahren, noch wohl vor 40 bis 50 Jahren, gewiß äußerst getadelt haben . . . Außer den Straß- burgeriunen halte ichdas hiesige Frauen- zinrmer für das schön st e im ganzen oberrheinischen Kreise; und ich habe oft das Vergnügen gehabt, sehr artige Gesichter, so wohl in den Gesellschaften, wo ich bekannt war, als noch mehr in der Oper anzutreffen. Wirklich hat man hauptsächlich in der Oper, auf die der Fürst sehr große Kosten wendet, eine sehr angenehme Ge ­ legenheit, seine Augen tausendfach zu weiden." Nur ungern verließ der Reisende Reffen und zu ­ mal Kassel, um auf dem schlechten Postwege nach Göttingen weiterzureisen, wo die leichte Postchaise aus dem Gebirge sehr Gefahr lief, umgeworfen zu werden. ein Viel, und unser Ruf geht daher an weite Kreise der Jugendbewegung und ihre Freunde. Die Hauptarbeiten sind beendet. Die Burg hat Licht und Wasser. Der Rohbau ist gänzlich fertiggestellt, der rechte Flügel ist ausgebaut. Es geht jetzt an den Ausbau des linken Flügels und des Querflügels. Schaffung besserer Bleiben, Wasch- und Baderäume, Ausbau des Saales und des Gedenkraumes sind die nächsten Aufgaben. Wir hoffen, einen Teil der Arbeit noch in diesem Winteir leisten zu können, wenn genügend Mittel zur Verfügung stehen. Im nächsten Jahre gedenken wir dann das Werk zum