128 letzteren angelehnt sind. Die beiden Teile gehören also verschiedenen Bauperioden an; der Chorbogen stammt aus dem 11. Jahrhundert, die übrigen Teile des Chors sind aus früherer Zeit. Der Choraltar hatte im 17. Jahr ­ hundert einen Renaissance-Aufsatz und um den Unterbau eine Holzumkleidung mit auf Leinwand gemaltem Anti- pendium bekommen. Jetzt kam der uralte Altar zum Vorschein mit den charakteristischen karolingischen Sepul- chren; dies sind zwei übereinanderliegende, in die Stein- wano des Altars eingehauene kreisrunde Vertiefungen, in die bei der Altarweihe die hl. Reliquien von Mär ­ tyrern eingesenkt und vermauert werden. Diese Auf ­ deckungen waren das Ergebnis der zwei ersten Arbeits ­ tage. — Leider erfuhren die Grabungen gleich wieder durch einen Unfall eine Unterbrechung; beim Abstieg vom Berg kam der Leiter des Unternehmens, Professor Dr. B o n d e r a u , auf dem steil abfallenden Fußpfad zu Fall und verletzte sich den rechten Oberarm in der Schulter. Glücklicherweise hat die Sache keine ernstlichen schlimmen Folgen gehabt, so daß der geschätzte Forscher nach acht "Tagen die Arbeit wieder aufnehmen konnte. Die Hoffnungen, die man in interessierten Kreisen dem Unternehmen entgegenbrachte, sind nicht getäuscht. Die wenigen Tage haben wieder allerhand Wertvolles ans Licht gebracht. Bei der Untersuchung 'der Chorfnnda- mente stieß man in geringer Tiefe auf ein älteres Fun ­ dament, das in seiner Linienführung von den jetzigen Mauern abweicht. Man sieht daraus, daß die Längsachse der älteren Kirche nicht genau in derselben Richtung ver ­ läuft, wie die des jetzigen Baues, sie ist etwas nach links gedreht. Außerdem fand man noch in derselben Tiefe zwischen Altar und Chorwand ein drittes selbständiges Fundament, das vielleicht das Fundament der ältesten Brigiden-Kirche ist; es ist bedeutend schwächer als die anderen und für eine Steinkirche nicht tragfähig genug. Danach müßte dann das erste Kirchlein ein Holzbau ge ­ wesen sein. Außerhalb der Kapelle stieß man sowohl im Osten an der Rückwand des Chores wie im Norden an der Außenwand der Sakristei auf kräftige Fundamente, Aus Heimat und Fremde. H o ch s ch u l n a ch r i ch t e n. Marburg: Am lO.Juni vollendete Geh. Justizrat Prof. Dr. Ludwig T r a e g e r, der seit 29 Jahren unserer juristischen Fakultät an ­ gehörte, sein 70. Lebensjahr. Er wurde besonders durch seine Arbeiten aus dem Gebiet des Strafrechts, Straf ­ prozesses und des Zivilrechts bekannt. — Am 6. Juni verschied der ord. Professor und Direktor des physiolo ­ gischen Instituts in Berlin Geh. Med.-Rat Professor Dr. Franz H o f m a n n , der 1916—1922 das hiesige physiologische Institut leitete. — Der Direktor des physikalischen Instituts Prof. Dr. Clemens Schaefer übernimmt das Ordinariat der Physik in Breslau. — Der Prof, der Theologie Dr. theol. et phil. Gustav Hölscher wurde von der Norwegischen Akademie der Wissenschaften zu Oslo zum Mitglied ihrer historisch- philosophischen Klasse ernannt. — Der Bibliotheksrat Dr. Ernst Heller an 'der Universitätsbibliothek in Halle a. S. wurde in gleicher Eigenschaft an die hiesige Universitätsbibliothek versetzt. — Die Zahl der Stu ­ dierenden beträgt 2335, darunter 349 Frauen. Auf die einzelnen Fakultäten verteilt studieren 142 (12) Theologie, 417 (44) Medizin, 768 (24) Jura und 1007 (269) Philosophie. Unter Zuzählung der Nachzügler und Hörer dürfte die Zahl der Besucher aus rund 2500 zu bemessen sein. — Am 9. Juni fand im Landgrafenhaus die Hauptversammlung des Universitätsbundes die mit dem Kapellenbau in Verbindung stehen. Ob dies die Fundamente der einstigen bischöflichen Woh ­ nung Wittas gewesen oder die des Klostergebäudes der ersten iroschottischen Missionare, läßt sich heute noch nicht sagen. Die an dieser Stelle gelegenen, noch zu frischen Gräber machen die sehr erwünschte Ausdehnung der Grabarbeiten hier unmöglich. Um die Kapelle herum liegt nämlich der Friedhof für die beiden Gemeinden Un ­ gedanken und Rothelmshausen, der noch heute benutzt wird. Er war in früheren Zeiten, wie man das heute vielerorts noch findet, mit einer Mauer umgeben, die in ihrem Fundament noch vorhanden ist. Außerhalb dieser ummauerten christlichen Friedhofsanlage ssieß man im Osten nach Fritzlar hin in einer ganz geringen Tiefe auf heidnische Reihengräber. ■ Ein wohlerhaltenes Skelett, zirka 1,55 Meter groß, konnte schön aufgedeckt und photographiert werden. Die dabei in reichlicher Menge gefundenen Kohlenreste lieferten den Beweis, daß es sich um ein heidnisches Grab handelte. Die Heiden umgaben die Bestattung ihrer Toten auch mit einer Art von reli ­ giösem Kult. Vor der Beerdigung wurde ein Feuer ab ­ gebrannt, zu dem auserlesene Hölzer genommen werden mußten. Mit den Kohlenresten dieses Totenopfers, wenn wir es so nennen wollen, wurde das Grab ausgelegt, darauf ohne Sarg die Leiche gebettet und zugeschüttet. Nach dem Fund dieses heidnischen Bestattungsfeldes kann es keinem Zweifel unterliegen, daß schon vor den Zeiten des hl. Bonifatius Buraberg eine umfangreiche Nieder ­ lassung — eine Stadt gewesen ist. Bonifatius selbst nennt ja auch in seinem Briefe, den er im Jahre 742 an Papst Zacharias schrieb und in dem er über die Er ­ richtung der Bistümer Buraberg, Würzburg und Erfurt berichtet und um deren Bestätigung bittet, Buraburg oppiäum, d. h. befestigte Stadt, während er Würzburg als castellum (befestigten Ort) bezeichnet und Erfurt als locus, qm fuit jam olim urbs paganorum rusticorum (ein Ort, der schon vor Zeiten eine Stadt heidnischer Bauern war). statt. Nach dem von Prof. Dr.- Troeltsch erstatteten Jahresbericht ist die Mitgliederzahl auf 3923 gewachsen, 20 neue Ortsgruppen wurden gegründet. Der Kassen ­ bestand beträgt 12 800 M. Nach einem Festvortrag des Pros. Frhrn. von Soden über „Wesen und Ursprung christlicher Kunst" erfolgte die Grundsteinlegung für das Jubiläums-Kunstinssitut. Leider fehlen an den Bau ­ kosten noch etwa 130 000 M, die von Freunden der Universität noch ausgebracht werden müssen. — Der Universitätsbund Marburg konnte 8150 M für wissen ­ schaftliche Zwecke an Mitglieder des Marburger akade ­ mischen Lehrkörpers bewilligen. — Gießen: Der Zo ­ ologe Prof. Dr. meä. et phil. Hermann v. I her in g in Büdingen wurde zum ord. Honorarprofessor für Paläon ­ tologie ernannt. — Der a. o. Prof, und Prosektor am veterinär-anatomischen Institut Dr. Wilhelm Schauder wurde zum planmäßigen a. o. Prof, der Veterinär- Histologie und -Embryologie an der Universität Leipzig ernannt. — Immatrikuliert wurden 1360 Studierende, 31 ordentliche Hörer und 2 sHospitantinnen. — Därm ­ st a d t: Die Gesellschaft für Höhenforschung in Berlin ernannte Prof. E b e r h a r d t von der Techn. Hochschule zum Ehrenmitglied. — Die Frequenz der Technischen Hochschule beträgt 2666, nämlich 2345 Studierende, 42 Hörer und 279 Gäste. — Weimar: Prof. Ewald D ü l b e r g von der Kasseler Kunstakademie wurde an die