336 Seelheim lag Eiloh, der Eichwald. Kirchhain erscheint zum ersten Male in einer Urkunde des Klosters Kaldern 1238. Der darin ge ­ nannte plebamm Oonrnäus nennt sich auf dem anhängenden Siegel de Werflo, beide Namen gingen also noch nebeneinander her. Kurz vor 1146 ist demnach Werfloh-Kirchhain als neu- angerodete Siedlung entstanden. Nachdem die Kirche gebaut war, nannte man die eingehegte Siedlung Kirchhagen oder Kirchhain, zum Unterschied von den benachbarten, später ein ­ gegangenen Siedlungen Oberhain (1260 Hag ­ hin, 1281 Overenhagen und Kyrchagen, 1325 Obernhain) und Buchain (1414). Ganz ähn- lich ist die Namengebung bei Kirtorf, das früher Glene, und Kirchlotheim, das vorher Niederlotheim hieß. Die Gründung von Kirch ­ hain gehört also der letzten Periode der Besied ­ lung vom 9. bis zum 13. Jahrhundert an, die viele Namensformen auf -rode und -Hain auf ­ weist. Die neue Kirche war dem heiligen Michael geweiht, dessen Bild der Pleban Konrad in seinem Siegel führt. Dürfen wir in dieser Namenwahl eine Erinnerung an die von Boni- fatius auf der Amöneburg gegründete Michaels ­ zelle, die sonst nirgends bezeugt ist, erblicken? In der Nachbarschaft war die Kirche in Wohra dem Erzengel Michael geweiht, der als Patron von Friedhofskapellen (denken Sie an Fulda) sehr beliebt war. Wer die andere Hälfte der Neurodung Werf ­ loh besaß, wissen wir nicht. Am 4. Februar 1244 verkauften Eckehard, sein Sohn Gerlach und seine Brüder Eckehard und Gerlach von Merlau dem D e u t s ch e n O r d e n die Vog ­ tei der villa Kirchhain, die sie vom Reich zu Lehen hatten. Sowohl die Reichsvögte von Merlau als auch die Herren von Radenhausen (vom nahen Radenhäuser Hof) führten in ihrem Wappen den Reichsadler, was auf enge Be ­ ziehungen zum Reichsgut schließen läßt. Mit dem Vogteirecht fiel dem Landkomtur auch das Patronatsrecht, d. h. das Vorschlagrecht bei der Besetzung der Pfarrei (mit den späteren Vikariaten Langenstein und Niederwald), zu, das er bis zur Aufhebung des Ordens (1809) ausübte. Zu diesen Gerechtsamen kamen wert ­ volle Besitzrechte an Mühlen und Fischwassern. Die große Mühle an der Wohra, eine Mühle an der Klein, die 1281 in Erbpacht gegeben war, und eine in Beuern (Wüstung nordwestlich Kirch ­ hain) waren Ordensbesitz. Der Sitz der Ver ­ waltung war der Gült- oder G i l l h o f, der 1744 in den Besitz des lutherischen Pfarrers Jung überging und jetzt Eigentum des Herrn Konrad Prediger in Hamburg ist. Hier wohnte der villieuL oder 86u1tetu8, auch Vogt oder Komtur genannt, der zeitweilig das Gericht Seelheim mit versah. Im Pfarrhaus wohn ­ ten am Ende des Mittelalters zwei oder drei Brüder, die Priester waren (der Pfarrer mit seinem Kaplan), zwei Mägde und zwei oder drei Knechte. 1353 wurde ein Deutschordens ­ bruder aus Kirchhain erschlagen. Die Täter sollten vom Tatort bis zur Kirche barfuß im Hemd gehen, zwei Jahre lang an der Mord ­ stelle eine Ampel Tag und Nacht brennen und ein 6 Fuß hohes Kreuz setzen lassen. Diese Sühneurkunde hat sich erhalten. Derartige Sühnekreuze finden sich noch vereinzelt an: Wegesrande. Das Ansehen und die Macht des Deutschen Ordens schwanden seit dem 16. Jahr ­ hundert. Die aufstrebenden Landgrafen von Hessen haben seit dem 14. Jahrhundert dem Orden das Leben sauer gemacht. Hessen brauchte diesen Vorposten im Kampf gegen Mainz. Mainz war im Mittelpunkt der Ohmlinie durch den Besitz der Amöneburg besonders stark. Im Süden wurde diese Linie durch Grünberg, im Norden durch Frankenberg bedroht. Als Vor ­ posten der Marburg, die östlich der Lahnberge leicht umgangen werden konnte, hielt der Frauenberg den Feind im Schach. Später wurde hier die Wittelsberger Warte noch weiter vorgeschoben. An der Wetschaft hatte der Main ­ zer auf der Melnau seine Beobachtungsposten. Marburg konnte erst an Bedeutung gewinnen, wenn der Mainzer beruhigt oder niedergerun ­ gen war. 1344 oder kurz vorher ging Hein ­ rich der Eiserne unmittelbar gegen das Zentrum der Mainzer Stellung vor. Er baute auf den Kirchberg in Kirchhain eine Burg. Zu diesem Unternehmen stand ihm offenbar nur das Recht des Stärkeren zur Seite. Der Deutsche Orden war machtlos, wußte aber geschickt 1359 die Burg in Pfandbesitz zu be ­ kommen. Als 1354 der Friede zustande kam, trug der Landgraf die neue Burg und Stadt dem Erzbischof zu Lehen auf. Und dieses Ver ­ hältnis blieb bestehen bis zur Säkularisation des Erzstiftes. Geradeso lange währte die Lehensabhängigkeit der Vogtei Ebsdorf vom Stephansstift in Mainz. Mainz hatte ängstlich diese Lehensbeziehungen zu unterhalten ver ­ standen, immer mit der stillen Hoffnung, bei einem Heimfall der Lehen die Landeshoheit an ­ zutreten. Sehr hübsch wird die Rivalität der feindlichen Städte zum Ausdruck gebrachten einer Aufschrift auf einem Geschütz aus dem