321 Bücherschau. Norbert, Willy. Cassel. Mit 68 Abbildungen, darunter 17 in farbiger Wiedergabe. (Velhagen «k Kla- sings Volksbücher Nr. 160.) Bielefeld und Leipzig 1925. 96 Seiten. Preis geb. 4.— M. Ein neues Werk über Kassel wird man mit Freuden begrüßen, zumal, wenn es in so ansprechender, reich ­ illustrierter Aufmachung geboten wird, wie wtr das vom Velhagenschen Verlag gewohnt sind. Leider sank mir gibst diese Freude schon beim flüchtigen Durchblättern aus den Nullpunkt angesichts der Rekordleistung, die einem hier aus dem Gebiete des Plagiats entgegentrat. Es ist ;a heute üblich geworden, seuilletonistisch gehaltene Stadt ­ monographien fabrikmäßig herzustellen. Irgendein be ­ triebsamer Autor, der aus das Geschäft geaicht ist, hält sich zwei, vielleicht auch drei Tage in einer Stadt spa- zlerengehend aus, wo man ihm in Erwartung der ersehn ­ ten Propaganda aufs liebenswürdigste entgegenkommt, fährt, mit der einschlägigen Literatur bewaffnet, heim ­ wärts und macht hier im Handumdrehen aus zwei Bü ­ chern ein drittes, wobei er sich vor allem bestrebt, mit den aus ihnen herausgepickten „Rosinen" den neuen, mög- lichsr mürbe angerührten Teig zu verzieren. Wer meinen Band „Kassel", der „Stätten der Kultur" und meine „Ge ­ schichte der Wilhelmshöhe" gelesen hat, wird fast Seite für Seite feststellen können, 'wie leicht sich Herr Norbert seine Arbeit gemacht hat. Besonders geschickt ist meine 400 seitige „Wilhelmshöhe", das Ergebnis fünfjähriger Arbeit, auf etwa 30 Seiten ausgezogen. An irgend einer Stelle seine Quellen zu nennen, hielt der Verfasser offenbar für unter seiner Würde. Das Plagiieren geht bei ihm so >veit, daß er die aus den entlegensten Stellen geholten dichterischen Zitate restlos mit herübernimmt. Daß er gelegentlich auch einmal falsch abschreibt, ist bei dieser Arbeitsmethode nicht verwunderlich. Recht lustig wirkt etwa der aus einer nichtverstandenen Stelle meines Bandes „Kassel" (S. 10) beruhende Satz auf Seite 39, in dem er von eurem der kostbarsten Schätze unserer Landes ­ bibliothek schreibt: „Es ist das Bruchstück vom „Hille- brandlted" Wolframs von Eschenbach, des großen Dich ­ ters und Sängers des achten Jahrhunderts. Fünf Jahr ­ hunderte später ließ Heinrich, der „Eiserne Landgraf", die Handschrift anfertigen." Aus weiteres einzugehen, er ­ übrigt sich für mich angesichts des oben Gesagten. Daß auch die Angabe der Herkunft der Photos nicht immer zu ­ trifft, sei nur nebenbei bemerkt. Im übrigen ist das, wie gesagt, vorzüglich illustrierte Bändchen sehr unterhaltsam und anregend geschrieben. Aber bei Autoren eines Ver ­ lages wie des Velhagenschen sollte man wirklich mehr literarische Reinlichkeit voraussetzen. Heidelbach. Becker, Eduard Edwin, D i e R i e d e s e l z u Eisen- b a ch. Geschichte des Geschlechts der Riedesel zu Eisenbach, Erbmarschälle zu Hessen. Bd. I. 1923 (XVIII und 372 Seiten). Bd. II. 1924 (X und 524 Seiten): Auslieferung für den Buchhandel: 4t. G. Elwert, Marburg a. d. L. In mühsamer jahrelanger Arbeit hat der verfasser- unter Benutzung der urkundlichen Bestände des sreiherr- lich Riedeselschen Samtarchivs und zahlreicher Staats-, Reichs-, Stadt- und Privatarchive eine grundlegende Geschichte des Riedeselschen Geschlechts verfaßt, die in dreser Gründlichkeit und diesem Umfang Nwhl einzig da ­ stehen dürfte. Schon vor 7 Jahrhunderten taucht der Name Riedesel in den Urkunden auf. Kraftvolle Kriegs- leüte, kluge Staatsmänner und betriebsame Landedel ­ leute zählt das Geschlecht zu den Seinen, und mancher Riedesel hat tu fremden Diensten seinem Namen Ehre gemacht. Aber von all den Zweigen, die sich außerhalb der Heimat bildeten, ist keiner am Leben geblieben, nur im Stammland Hessen lebt noch der Zweig der Riedesel zu Eisenbach. Der erste Band des groß angelegten Wer ­ tes umfaßt die Zeit zwischen dem ersten Auftreten des Namens (1226) bis zum Tod Hermanns III. 9iiebeiel (1500). Im ersten Jahrhundert erfahren wir nur von einzelnen Rittern aus hessischem Blut. Dann verpflanzt Ritter Johann den Stamm aus ntederhessischen Boden. Hundert Jahre später gebietet Hermann Riedesel, der „goldene Ritter", über dessen Heirat mit Margarete von Röhrenfurth eine oft wiedergegebene Sage in verschiede ­ nen Fassungen berichtet, über Schlösser, Burgen, Städte, Gerichte und Dörfer. Die Söhne haben schwere Kämpfe um des Vaters Werk zu führen, aber Jahrhundert um Jahrhundert steht der von Stürmen umbrauste Bau. Band II. bringt den, dem ersten Band zu Grunde liegen ­ den urkundlichen Stofs in nicht weniger als 1630 Num ­ mern, einige Urkunden im Wortlaut, die meisten in aus ­ führlichen Regesten. Daneben enthält er die Urkunden des Samtarchivs, die nicht die Familie Rtedesel betreffen, und bietet so eine reiche Quelle für die hessische Familtcn- und Ortsgeschichte. Die Regesten bringen alle Namen, verzeichnen tue Rechtsgebräuche, sprachlich merkwürdige Formen und alle Datierungen. Aus den künstlerischen, meist von Otto Ubbelohde und Albrecht Riedesel Freiherr zu Eisenbach stammenden Buchschmuck (vgl. die Abbil ­ dungen auf Seite 303 und 317 dieses Heftes) des vor ­ nehm ausgestatteten Werkes, dessen zweiter Textband demnächst erscheinen wird, sei noch besonders hingewiesen. II.