306 Wilhelmsthal nach Kassel überführt worden sein. Jedenfalls liegt ihre Ankunft in Kassel ausweislich des Museums-Jnventars vor 1795, so daß sie mög ­ licherweise mit den Drachentransporten zugleich um ­ gezogen sind? Die Identität läßt sich aber sogar beweisen. Das Gedicht Hilles versetzt, genau betrachtet, die Gruppen in den Park. „Im Gebüsch" wird Phöbus mit Marsyas vom Wanderer gefunden. So schreibt auch Schminke Seite 434 von dem Plattnusbosquett, das „an beiden Enden mit zweyen Grouppen — also nicht Einzelfiguren — von weißem Marmor auf schwarzen marmornen Postamenten gezieret" ist? Das Inventar von 1795 aber fügt zu unserer aus ­ gezogenen Notiz bei beiden Akademiegruppen von. anderer alter .Hand (Voelkel?) hinter die Angabe: Gruppe von weißem Marmor, den Zusatz hinzu: „auf schwarzem marmornen Postament"! II. Im Vorhergehenden wurde mehrmals die Grotte in Wilhelmsthal erwähnt. Es sei deshalb hier über den noch immer nicht klar herausgestellten Meister des seinerzeit gerühmten Kunstwerkes einiges bei ­ gefügt, das aus noch nicht erschlossenen Quellen geschöpft wurde? von Drach hatte (S. 106) den angeblich nur aus der Ode .Hillens bekannten Namen des „Spezial ­ künstlers", der die Grotte ausgeschmückt hatte, an ­ gegeben: La Pottrie. Nun findet sich ein Herr La Posterie im Mnseums-JnventarVI von 1795 Seite 90 zu Nr. 20 mit dem Eintrag erwähnt, daß er 1746 Hessen Heft 3. Ob diese Drachen in der großen Grotte gestanden haben, deren letzte Reparatur 1783 stattfand (u. Drach 106) oder in den „grottenartigen Gebilden" am Ostende des Parkes (Eckhardt 22 f), ist ungewiß. 7 Wenn in „Cassel u. d. umliegende Gegend, eine Skizze usw., 1796", 121 f die beiden Gruppen noch in Wilhelmsthal erwähnt werden, so ist das ungeprüft aus der ersten Auslage dieser Skizze (Vorrede vom 23. II. 1792) übernommen worden und unerheblich. Voelkels Revisionsvermerk vom 2. II. 1795 legt vielmehr den Eingang beider Gruppen vor diesen Termin fest. Ter Transport ist also zwischen 1792 und 1795 erfolgt, und, da die Eintragung von erster Hand ist, ist damit die Ab- fassungszeit dieses grundlegenden Inventars auf die ­ selbe Frist gesichert. Sie mag mit dem Dienstantritt Voelkels zusammenhängen (Ztschr. hesf. Gesch.-Ver. 19, 1882, 254). Im November 1795 gruppierte Tu Ry links und rechts der Marsyasgruppe die Grupelloschen Frauenfiguren, die ich im Jahrbuch der staatl. Samm ­ lungen 1925 veröffentliche. Auf den von 1794 da ­ tierten 12. Brief der Reise durch Harz und hessische Lande, der die Gruppen noch in Wilhelmsthal er ­ wähnt, isr wenig Verlaß, da der Verfasser oft lediglich Schminke abschreibt. * In der „Skizze": „weiterhin zwo Gruppe n von weißem Marmor auf schwarz marmornen Fußgestellen". Heute stehen die Gruppen auf nicht zugehörigen Sand ­ steinsockeln. 9 v. Drach: Von der Grotte in Wilhelmsthal, Ztschr. Hess. Gesch.-Ver. 1909, 97 ff. Vgl. (Perland, Du Ry, 31 u. ö. Eckhardt, Dissert. 17 ff. und das ?ro Memoria, von 1745 im Anhang dort. den: Landgrafen Wilhelm „zwei Blütchen von Perl ­ mutter" geschenkt habe. Diesen La Posterie mit La Pottrie gleichzusetzen, verführt schon das seltsame Geschenk aus einem — vielleicht besonders fein bear ­ beiteten — Material, das gut in den Rahmen der Marmore, „schrofichten und ausgefressenen Klippen ­ steine, Muscheln, bunten Berg- und Erzsteinen und Corallenzinken" paßt, mit denen nach Hille und Schminke 432 die Grotte durch La Pottrie -aus ­ gestattet war? 9 Eine Bemerkung Brunners in seiner Geschichte der Stadt Kassel, Seite 257, daß Wilhelm VIII. sich den Franzosen de la Poterie 1746/47 vom Kurfürsten Clemens August von Köln ausgeliehen habe, führt dann weiter. Denn La Pottrie ist in den: Wir ­ kungskreis des baufreudigen Erzbischofs eine ver ­ traute Gestalt. Im Schloß Neuwied, an der Kreuz ­ kapelle von Falkenlust bei Brühl und im Muschel ­ saal des Schlosses Poppelsdorf bei Bonn liegen seine großen Arbeiten üor. 11 Was die verschiedenen Nachrichten erkennen lassen, ist folgendes. La Pottrie war 1702 in Bordeaux geboren, besuchte 9 Jahre die Pariser Akademie, wo ein Raymond, Schüler des Lavage, sein Lehrer war. 1735 berief ihn Clemens August, aus dem Hause Wittelsbach, in dem nach Renards Bemerkung die Grottenliebhaberei erblich war (Grottenhof der Münchener Residenz), nach Bonn. 1740 arbeitete er in Falkenlust, 1746 ging er nach Kassel^, um die Wilhelmsthaler Grotte auszuschmücken. Dann ver ­ fertigte er in siebenjähriger Arbeit den Poppelsdorfer Muschelsaal, wozu er die erforderlichen Korallen 10 11 12 10 Muscheln, Malte und weiße Erde erwähnt 1757 Bentzmann (Hessenland 1925, 71). Das Inventarium über Meubles und Effecten ... zu Wilhelmsthal, 1788 gibt als Inhalt der Grotte S. 220 an: „Ein großer Benetianischer L u st r e a 12 bras mit gelb, roth uno grünlichen Glüssern Graß Blumen aus- gezieret, Zwei ... Fußmatten etc., acht ... Garten Fauteuils" sowie „neben den Wasser-Fällen auf beiden Seiten g r o t t i e r t e G i r a n d o l e s , so sehr zer ­ fallen, an welchen überhaupt noch zwanzig Stück (corr: sieben alte) messing vergoldete Dillen vorfindlich." 11 S. Kölnische Künstler, 2. Aufl. 1895 (Merlo- Firmenich-Richartz und Keußen) Sp. 524 f. Ferner Re- nard, Bonner Jahrbücher 99 und 100, S. 54 f. Nach Renard ist die Arbeit von Neuivied verschollen. In Falkenlust waren Laporteries Dekorationen noch un- figürlich und beschränkten sich auf Füllung und Gliede ­ rung von Flächen (Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Landkreis Cöln, S. 111), wogegen die Muscheldekoration von Poppelsdorf mit Vasen, Tieren und -Ornament- leisten arbeitete, f. Abb. 44 bei Renard und Abb. 162 und 163 in Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bonn (Clemen). Clemen denkt für den Entwurf des auf Sil ­ bergrau und Ultramarin abgestimmten Dekors an Neu ­ mann. Hier tvird Perlmutt als Material ausdrücklich erwähnt. 12 1752 malte der Stockholmer de Marees, Clemens August's Hofmaler, die Porträts des hessischen Land ­ grafenpaares, Holtmeyer I 288. Vgl. auch v. Mering, Geschichte der Ritterburgen usw. Heft 6, 72 f.; dortselbst 63 s. Nachrichten über La Pottrie.