305 1712 — mit ihrer Idealisierung gegenüberstellte. Auch durch den Zeitabstand im Oeuvre Monnots ist diese Verschiedenartigkeit nicht zu erklären, denn zwei sichere Werke Monnots vvn 1730 (drei Jahre vor seinem Tode), Flora mit Zephyros sowie Mi ­ nerva Protectrix, im Marmorbad 3 zeigen denselben Stilnnterschied von unseren Akademiegrnppen wie die Werke von 1698. Wer der im zweiten Viertel des achtzehnten Jahr ­ hunderts zu suchende Künstler der beiden Gruppen ist, bleibt fraglich. Keiner der unter Karl und Fried ­ rich tätigen Meister stimmt mit ihrem Stil überein. Vielleicht, daß die Gruppen von auswärts nach Kassel kamen, wie so viele andere Kunstwerke auch. Ergebnisreicher ist die Nachforschung nach dev ürsprünglichen Ausstellung der Figuren. Es findet sich nämlich ein Paar aufeinander bezüglicher Grup- Apollo den Marsyas schindend. Pen — in der Beschreibung nur durch ein Putten ­ quartett getrennt — in H. A. Hilles Wilhelmsthal, in einer Ode besungen, Cassel 1756. Tort steht nach einer nicht wenig schwungvollen Einleitung aus Seite 2 und folgenden: 2III Das holde Thal, ein Tempe zeigt sich hier ... Hier werdet ihr, in diesen frohen Gründen Den Dichtergott, Latonens edlen Sohn In dem Gebüsch vermutlich nnederfinden, O! kommt nur her, dort steht mein Phöbus schon. 31 O sehet doch wie sich der Hirte windet, Der Phrygier, den seine Hand ergreift! Sein Anblick zeigt, daß er den Schmerz empfindet, Sobald Apoll den frechen Schäfer streift. Er krümmt die Hand, die Pfeife wegzuwerffen. So stolz er sonst auf seine Töne war; Doch Delius stellt hier bis auf die Nerven Das nackte Fleisch in seiner Blöße dar. 3 Holtmeyer Tafeln 228 und 229. Cast an S. 57. Zur Mora s. v. Rommel, Gesch. von Hessen X 155. 3III Der Schäfer muß lebendig sich entkleiden Bloß iveil sein Stolz ApollenS Zorn verdient. O, möchte der doch gleiche Strafe leiden Ter sich soviel als Marsias erkühnt. 4II Mir winket dort, die mir stets hold geschienen Das Götterkind, die edle Dichtkunst, zu. Ich sehe Dich, die reizungs-vollen Minen, Gespielin hier, o Jrenndinn! dies bist Du. 4111 Dein sanfter Blick scheint lächelnd mich zu grüßen Du Die mich längst als Jüngling liebgewann; Die Geißel droht, gestreckt zu ihren Füßen, Und höhnisch sieht sie hier das Laster an. Euterpe halt ein tvürdig Strafgerichte; Medusens Haupt, das krumme Schlangenhaar, Das magre Weib, das gräßliche Gesichte, Dies stellt sie hier entblößt und scheußlich dar. Die Wahrheit entlarvt die Falschheit. 5 1 So Pfleget sie das Laster zu beschämen Das sich umsonst der Tugeno ähnlich stellt. Sie braucht ihm nur die Larve wegzunehmen, Wie lächerlich erscheint es nicht der Welt! Zwar greift die Faust ihr nach der Lorbeerkrone Dem grünen Schmuck, der sie uns kenntbar macht. Doch Schimpf und Spott Ivird ihm nur blos; zum Lohne, Die Dichtkunst sieht es höhnisch an, und lacht ... Gerade diese beiden Gruppen werden inWilhelms- thal vermißt 4 ; gerade ztvei solche Gruppen mit ganz ungewöhnlicher komplementärer Symmetrie finden sich in Kassel! Es wäre schwer, sie nicht für iden ­ tisch zu halten. Sie müßten dann, wie 1763 die Säulen zum Kolonnadenbau 5 oder 1794 die mäch ­ tigen Nahlschen Drachen in der Moritzgrotte 6 * , von 4 Ztschr. Hess. Gesch.-Vereins 1909, 43, 104. Paul Eckhardt, Schloß Wilhelmsthal (Tiss. Marburg 1922), Schreibmaschinenseite 24. b O. Gerland, Paul, CH. und S. L. Du Ry 1895, 94. 6 Holtmeyer, Baudenkmäler Cassel-Land S. 251 und im Abdruck von Strieders Wilhelmshöhe S. 38 — Alt-