293 Heffenlan- Illustrierte Mnatsblätter für Heimatsorschung, Kunst und Literatur Schriftleiter Paul Heidelbach, Kassel. Unter Mitwirkung von Bezirkskonservator Baurat Dr. H ol tmeyer, Kassel,- Direktor der Landesbibliothek vr. Hopf, Kassel,- Lyzeallehrer Keller,Kassel,- Staatsarchivrat vr. Knetsch, Marburg,- OberbibliothekarProfessor I)r. Losch, Steglitz,- Schriftsteller Heinrich Ruppel, Homberg,- Professor vr. Schaefer, Kommissar für Naturdenkmalpflege im Reg.-Bez. Kassel,- Geheimrat Universitätsprofessor vr. Schröder, Göttingen,- Universitätsprofessor vr. Schwanike, Marburg,- Werner Sunkel, Marburg,- Professor vr. Bonderau, Fulda,- Universitätsprofeffor vr. W e d e k i n d, Marburg. > Im Einverständnis mit den Vereinen: —- —■■■ Verein für hessische Geschichte und Landeskunde,- Hessischer Gebirgsverein,- Knüllgebirgsverekn,- Allgemeiner Deutscher Sprachverein, Kassel,- Verein für Naturkunde, Kassel,- Geologischer Verein, Marburg,- Biologische Vereinigung, Marburg,- Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck. Bezugspreis vierteljährlich 1.50 Mark ■ 37. Jahrgang Heft 10 Kassel, Oktober 1925 Konrad Widerholt, der Kommandant von Hohentwiel. Eine historische Skizze von E. Stendell. Hessentreue hat sich zu allen Zeiten bewährt, aber am herrlichsten doch in schweren, trüben Tagen: Echtes Gold wird klar im Feuer. Und welche Zeiten — wenn wir von der Gegenwart absehen, die wir tu bitterster Not und Trübsal durchleben und durchleiden müssen — wären wohl trüber und schwerer für das deutsche Land und Volk gewesen, als die des großen Krieges im 17. Jahrhundert! Auch in der Ferne hat sich Hessentreue als verläßlich er ­ wiesen; und es möge hier, zur Herzstärkung und zum Trost in trostloser Gegenwart, das Lebensbild eines Hessen gezeichnet sein, den das Schicksal in jener wilden Zeit hinaus ­ trieb und der dem Fürsten, den er sich gewählt, durch seine unwandelbare Treue sein Land er ­ hielt : das Bild Konrad Wider holt s. Die meisten Leser werden den Hohen ­ twiel kennen, den schönsten und stolzesten der zahlreichen Hegauberge, die sich kühn aus der Ebene emporrecken; und wenn sie ihn nicht selbst besucht haben, so haben sie ihn aus Meister Scheffels köstlichem Roman „Ekkehard" lieben gelernt. An einem schönen Sommer ­ tage — es war im Jahre des Heils 1898 — erstieg ich ihn mit einem lieben Freunde ans einem Abstecher vom Schwarzwald her und träumte mich, im Grase liegend, in jene fernen Zeiten hinein, wo hier eine stolze Herzogin sich von einem schlichten Mönchlein Vergils krau ­ ses Latein erklären ließ. Ich wußte nicht, daß damals gerade 300 Jahre seit dem Jahre verflossen waren, wo im hessischen Städtlein Ziegenhain der Mann in diese Zeitlichkeit ge ­ boren wurde, mit dessen Namen dex Hohen ­ twiel für alle Zeiten, so lange noch deutsche und im besonderen hessische Treue gilt, ver ­ knüpft sein wird. — Daß der Hohentwiel — ein Anachronismus in unserer pietätlosen Zeit, die mit so vielem gründlich aufräumt — noch heute gut württembergisch ist, obgleich er rings von badischem Land umgeben ist, das verdankt er unserem Konrad Widerholt. Zum besseren Verständnis des ersprießlichen Wirkens dieses Mannes sei zuvor aus der reichen Geschichte des Hohentwiel einiges wenige vorausgeschickt. Im 10. Jahrhundert gehörte die Burg den Herzögen von Schwaben; als Witwe Herzog Burkhards II. saß hier die Herzogin Hadwig — Scheffels Herzogin —, eine Nichte Kaiser Ottos des Großen und als solche eine Base der Äbtissin Sophie von Gandersheim, der mut ­ maßlichen Gründerin der Eschweger Cyriakus ­ abtei, gleich dieser eine hochgebildete Frau. Nach ihrem unbeerbten Hinscheiden ging die Feste mit dem Herzogtum Schwaben in raschem Wechsel in den Besitz der Zähringer, der Rhein ­ felder und schließlich der Staufer über und sah damals glanzvolle Tage, um dann, gleich so