289 vornan ist es, das Bild des zusammenbrechenden alten Europa, wenn die These des amerikanischen Erdbeben- forschers Nobels, der für die Mitte unseres Jahrhunderts den Zusammensturz infolge unterirdischer' Höhlen in Aus ­ sicht gestellt hat, sich erfüllt. In dicfe katastrophalen Vor ­ gänge, die mit innenschauender Kraft dargestellt sind, deren Einzelheiten oft überraschend phantasievolle Bilder bringen, uns mit des Gedankens Schnelle durch Europas Lande jagen, hat der Dichter ein junges lebensvolles Menschenpaar gestellt, das innerlich erlebt, nicht er ­ künstelt ist: der deutsche, tiefgründige, gelehrte Kan ­ didat Johannes Bart und die ebenso grundgescheite, jnnge Amerikanerin Alice Cordes, beide vom wissenschaftlichen Unternehmer in Amerika beauftragt, Italien zu bereisen, die Ursprünge der Erdbebenerscheinungen zu untersuchen. Wie die beiden sich finden, erst auf dem kühlen Boden der Wissenschaft, dann auf dem wärmeren der politischen Überzeugungen, der Weltanschauung, und endlich eins werden in Not und Gefahren, das bildet den Kern der fein erdachten, spannenden Erzählung, deren Glanz- stück zweifellos das Liebesglück in der Einsamkeit der Tiroler Berge ist. Hier hat Traudt bewiesen, wie man moderner Erzähler sein kann, ohne schwüle Sexual ­ probleme in den Kreis des Romans zu berufen.' Frei ­ lich klingt in diesem Buche noch ein anderes Lied, das politische, aber ohn das Goethesche „garstig" zu ver ­ dienen. Interessant ist, daß der Verfasser auch für das Jahr 1960 die Zeit noch nicht gekommen sieht, da der Sozialismus von allen recht begriffen ist, auch die bitteren Erfahrungen des Weltkriegs sind noch nicht überivunden. Doch bleibt in dem Für und Wider Berts und seiner Gegner jeoes Parteipolitische fern, des Dichters Gestalten verkünden nicht enge Lehrsätze einer bestimmten Parte:, fondern Menschen reden zu einander, erfüllt von ihrer ehrlichen Überzeugung. So sind auch diese Teile des Buches, die- zudem nur geringeren Raum beanspruchen, reizvoll und erfreulich. Am Ende dieses tiefen und ernsten Buches stet die deutsche Hoffnung: „Stark bleiben m Liebe und Vertrauen, und den Menschen helfen, daß f:e wieder zu sich kommen ... Neue Menschen werden gerechte Zeiten schaffen..." —tw—. K a s s e l -- W i l h e l m s h ö h e. Herausg. vom Städt. Verkehrsamt Kassel. Das Städtische Verkehrsamt Kassel hat in diesem Sommer einen handlichen Fremdenführer her ­ ausgegeben, der sich in seinen sachlichen Angaben auf das Notwendigste nnd Wissenswerteste beschränkt, so daß sich der Reisende in Kassel und Wilhelmshöhe sicher durch Gasthäuser, Pensionen, Cafes nnd Stätten der Unterhaltung finden kann, der außerdem eine gute Über ­ sicht der Kasseler Sammlungen nebst zwe: farbigen Plä ­ nen enthält. Das Büchlein wird wertvoller durch vier Aufsätze, d:e auch dem Einheimischen manch Wissens ­ wertes bieten. Paul Heidelbach wandert durch das geschichtliche und literarische Kassel, zeigt sich wieder als feiner Beobachter seiner Vaterstadt und setzt den alten Ruf „Ab nach Kassel" in eine besondere Beleuchtung. Wilt Scheller verbreitet. sich über Kulturpflege in Kassel in alter und neuer Zeit und zeigt, daß unter Hessens ehemaligen Regenten die Kunst nicht stiefmütter ­ lich behandelt wurde. Stadtrat M. Weber gibt einen umfassenden Überblick der wirtschaftlichen Kräfte der Stadt, und Dr. Karl Ritter hat zum Schluß ein paar sonnenbelichtete Augenblickbildchen der Wilhelmshöhe ent ­ worfen. Die vornehme Ausstattung des Buches bereichern eine stattliche Reihe von Holzschnitten von einem jun ­ gen Künstler Karl List, die durch ihre schlichte Art be ­ sonders gefallen. —tw—. Wehrhahn, W. Unsere Heimat. Band II. Wanderungen nnd Fahrten im Weser ­ berg l a n d. Hannover (C. V. Engelhard & Co., G. nt. b. H.) 1925. 102 Seiten. Preis in Halb ­ leinen gebunden 3 M. Erst die letzten Jahrzehnte haben der Weser, an der Sage und Geschichte in so reichem Maße ihre Stätte haben, zn der ihr gebührenden Stellung verholfen. Lebensvolle Schilderungen, von guten Abbildungen be ­ gleitet, führen uns zu all den bekannten Stätten, die ge ­ schichtlich, volkskundlich und architektonisch erfaßt werden. Aber auch das Naturwissenschaftliche kommt nicht zu kurz; so ist ein besonderes Kapitel der im Aussterben begriffenen, aber namentlich an der Felsengruppe des Hohenstein und an den Bergen bei Bodenwrrder noch urwüchsig vorkommenden Eibe gewidmet. Ein anderes Kapitel behandelt die sonderbare Form der krausköpfigen und knickstämmigen Süntelbnchen (Krüppelbuchen). Aus dem übrigen Inhalt sei noch besonders auf das Kapitel über das historische Blutbachtal hingewiesen, in dem sich die Ursprünglichkeit der Natur in seltenem Maße er ­ halten hat. H. Blaubuch des Corps Teutonia zu Mar ­ burg. 1825 bis 1925. Elberfeld (Wuppertaler Druckerei) 1925. IX und 324 Seiten. Diese von Landgerichtspräsident Kleinschmidt in Elber ­ feld, Justizrat Eckhardt in Witzenhausen und Dr. Lud ­ wig Scheffer in Darmstadt mit ungeheuerem Fleiß zusammengestellte Festgabe zum 100. Stiftungsfest der Teutonia in Marburg soll eine Ergänzung zur Korps- geschichte sein und hat deshalb gerade die ältere Zeit ausführlicher gehalten. Sie enthält ein mit genauen