238 Zwei Tage darauf, am 29., langte auch der Landgraf an und übernachtete hier. Am näch ­ sten Morgen fetzte er die Reise nach Kassel fort. Unter trüben Aussichten begann das Jahr 1637. Von allen Seiten drangen.die Feinde gegen das Hefsenland heran. Im Frühjahr mußte der Landgraf alle noch im Lande be ­ findlichen Truppen, darunter auch die Witzen ­ häuser Kompagnie, zusammenziehen und gegen die schon bis Fulda vorgedrungenen Kaiser ­ lichen einsetzen. Trotzdem drangen diese vor. Um Ostern begann die große Leidenszeit in Hessen. Eschwege, Mendorf, Waldkappel, Lich- tenau gingen in Flammen auf. Die Witzen- häufer Bevölkerung, von Angst ergriffen und ohne Schutz, flüchtete am ersten Ostertag — 9. April — zum großen Teile nach Münden. Erst am 19. Juni kehrte der Pfarrherr zurück, mit ihm wohl auch die Mehrzahl feiner Schutz ­ befohlenen. Die daheim gebliebenen Bürger mußten am 16. feindliche Reiter aufnehmen, doch waren diese meist unberitten und un- bewehrt, sie hielten sich auch nicht lange auf. Schon rückte das hessische Heer zum Schutze und zur Befreiung der Werralandschaft heran. Vom 22.—24. April lagerte Landgraf Wil ­ helm mit dem Hauptquartier in Witzenhausen, Vom großen Witzenhäuser Witzenhausen ist im Verlauf seiner Geschichte zweimal von verheerenden Bränden vernichtet wor ­ den. Am Franziskustag (4. Oktober) 1479 sank die ganze Stadt — 225 Häuser — bis auf die nicht stark beschädigte Kirche und einen Winkel am Stein ­ tor in Asche. Auch das Rathaus war mit samt den darin aufbeivahrten Privilegien und Urkunden ein Raub der Flammen geworden. Die verlorenen Pri ­ vilegien wurden durch Landgraf Heinrich III. nach dem Gedächtnis der Alten erneuert. Alsbald hatten die Bürger den Wiederaufbau der Stadt in Angriff genommen, und heute noch ragen aus dieser Zeit eine Anzahl Zeugen bürgerlicher Tatkraft in die Gegenwart. 330 Jahre vergingen, bis eine zweite furchtbare Brandkatastrophe die unglücklichen Bewohner traf, jene verheerende Feuersbrunst vom 31. Januar 1809, der 241 Wohnhäuser und Nebengebäude zum Opfer fielen. Dr. Karl August Eckhardt hat uns in seiner prächtigen Festschrift nach dem Bericht des Witzenhäuser Stadtschreibers Jakob Wilhelm Meyer 'ine lebensvolle Schilderung dieses Brandes gegeben, der in der Frühe des 31. Januar in der Ermschwer- der Straße ausbrach und, durch einen orkanartigen Sturm unterstützt, in knapp zwei Stunden die ganze Brückenstraße, Stubenstraße, Steinstraße, den Markt ­ platz, die Judenstraße und die linke Seite der Mittel- mühlstraße in ein Flammenmeer verwandelte. Bis Von da begab er sich nach Mendorf (26. und 27.). Am 29. konnte er wieder nach Kassel zurückkehren. Es folgte die Zeit, wo Wilhelm vor der Übermacht der Feinde fein Land mit dem Reste des Heeres verlassen und bis nach Ostfriesland ausweichen mußte. Int August brachen dann 14 feindliche Regimenter vom Eichsfeld her in das Land ein. Wieder flüch ­ tete ein großer Teil der Witzenhäuser, konnte jedoch schon nach acht Tagen zurückkehren. Neuen Schrecken brachte der Anzug des kaiser ­ lichen Generals v. Götz, der 8 Regimenter in Hessen einlagerte. Witzenhausen blieb aber diesmal verschont, und der nach dem jähen Tode des Landgrafen einsetzende Waffenstillstand brachte der Stadt gegen Ende des Jahres so ­ gar wieder hessische Besatzung, die sich aus dem Stabe des blauweißen Regiments z. F. und den Kompagnien der Hauptleute Uxküll, Schröter und Duck zusammensetzte, also ziem ­ lich stark war. Im Juni 1638 wurde sie von der Kompagnie des den Bürgern wohl- bekaunten Oberstleutnants Motz abgelöst, die bis zum September dablieb. Ihr folgte dann die Kompagnie Rehn vom selben Regiment. Ihr Aufenthalt erstreckte sich auch auf das folgende Jahr. (Schluß folgt.) Brand 1809 . Vonp.Heidelbach. auf einen Geisteskranken, der in den Flammen um ­ kam, waren Menschenleben nicht vernichtet worden, dagegen schätzte man den erlittenen Gesamtschaden auf rund 300 000 Reichstalec. Das zur Ruine ge ­ wordene, aus dem Enoe des 16. Jahrhunderts stam ­ mende Rathaus wurde 1819 wieder hergestellt und mit einem neuen Dachgeschoß versehen. Nachfolgend sollen nach dem „Westfälischen Mo ­ niteur" vom 7. Februar 1809 und einigen Akten ­ stücken einige kleine Ergänzungen zu dem Bericht der Festschrift gegeben werden. Alle Nachbargemeinden hatten sich beeilt, Hülfe zu leisten. So führte die Gemeinde Lichtenau unter Leitung ihres Maire Wütig alsbald ihre Spritze heran. Fast sämtliche Einwohner von Heiligenstadt und Großalmerode waren zur Stelle, ebenso Die Arbeiter der Saline Allendorf unter Leitung ihres Direktors Schaub. Die Bewohner Mündens hatten sofort 800 Taler unter sich gesammelt, die sie mit einer großen Menge von Kleidungsstücken und Lebensmitteln zu Schiff nach Witzenhausen abführ ­ ten. „Das größte Lob", heißt es im „Moniteur", „gebührt dem Maire von Witzenhausen, der, ob ­ gleich krank und von der Zahl derer, die durch die Feuersbrunst völlig ruiniert sind, bei Tag und Nacht nicht aufhörte, allenthalben hinzueilen, wo seine Gegenwart erforderlich war, um für seine Unglücks ­ gefährten zu sorgen."