152 ist. Auch auf seine» Bruder Gustav ging diese Jesuiten ­ antipathie über, und er war später als Kardinal in Rom immer ihr Gegner." Außer diesen Angaben ist leider nicht viel über den Aufenthalt des Fürsten Chlodwig zu Rotenburg gesagt, bis auf eine kleine Stelle, die auch hier noch stehen möge (Seite 86 ): „An die Zeit, die mein Vater in seinen Knabenjahren am Hofe des Land ­ grafen zugebracht hat, erinnerte er sich noch in seinen alten Tagen mit Vergnügen und wußte mir manches scherzhafte Detail von damals zu erzählen. Der Land ­ graf, der eine Vorliebe für die beiden Buben gehabt zu haben scheint, ließ sie in demselben Zimmer wie er selbst schlafen. Wenn sie nun seinen Schlaf durch zu lautes Schnarchen störten, dann kam es vor, daß er ihnen einen Pantoffel auf das Bett warf. Eine eigentümliche Ge ­ wohnheit des Knaben, daß er nämlich eine große Vor ­ liebe für Blindschleichen und die Gewohnheit hatte, solche Schlangen bei sich im Bett zu haben, scheint merk- würdigerweise den Landgrafen nicht gestört zu haben." Mit diesen kleinen Augenblicksbildchen, die leider das Einzige sind, was Hessisches in dem Buche zu finden, so interessant es auch sonst ist, müssen wir uns leider genügen lassen. B. J. Vom Stadtbau. Über den S t a d t b a u habe ich im „Hessenland" 26. Jahrg. 1912, 5peft 13—16, Eingehen ­ des veröffentlicht, so auch namentlich über die Kasematten unter diesem Gebäude. Hierbei habe ich auch die frühere Geschoßeinteilung, abweichend von der uns als bekannt überlieferten, festgestellt und auf die verschütteten — hinter den Kasematten vermauerten — Keller hingewiesen. Diese lagen früher entsprechen^ der verlängerten natürlichen Gefällinie der unteren Marktgasse (Altmarkt und Brücken ­ zufahrtstraße sind später aufgefüllt worden) in der Höhe des Kasemattenfußbodens und wenig über dem Niveau der Schlagd. Was wir als Keller kannten, war das alte Erd ­ geschoß, das nach meinem Dafürhalten dem vor 1104 be ­ standenen ältesten städtischen Bau angehörte. Ich besitze noch unveröffentlichte Aufzeichnungen über Funde und Beobachtungen, die diese meine Annahme von dem Vor ­ handensein eines romanischen Bauwerkes an dieser Stelle stützen. Der Umstand aber, daß wir es hier mit dem ältesten städtischen Gebäude zu tun haben und daß das vermauerte Aus Heimat und Fremde. H o ch s ch u l n a ch r i ch t e n. M a r b u r g: Ter Direk ­ tor des orientalischen und indogermanischen Seminars Professor Br. Hans O e r t e l hat einen Ruf als Nach ­ folger des Geh. Hofrats Geiger in München angenommen. — Oberbürgermeister Dr. jur. h. c. Voigt wurde zum Vorsitzenden des Volkswirtschaftlichen Prüfungsamtes bei der Universität ernannt. — Der Privatdozent für Neues Testament Die. theol. Wilhelm Mundle wurde zum a. o. Professor ernannt.— Am 26. März beging der Altmeister der geologischen Wissenschaft und frühere lang ­ jährige Direktor unseres geologischen Instituts Geheim ­ rat Professor Br. Emanuel 51 a y s e r in München seinen 80. Geburtstag. — Gleichfalls den 80. Geburtstag beging am 5. April der zu Marburg im Ruhestand lebende Pro ­ fessor an der Universität Greifswald, Geh. Regierungs ­ rat Br. Edmund Stengel, der Nestor seiner Fakul ­ tät und der romanischen Philologie in Deutschland. Sten ­ gel, weit bekannt als Forscher auf dem Gebiet der äl ­ teren französischen Sprache und Literatur und Bahn ­ brecher der sozialen Stellung des höheren Lehrerstandes, wirkte seit 1873 in Marburg und seit 1896 in Greifs ­ wald; er gehörte 1907—12 dem deutschen Reichstag an oder verschüttete Kellergeschoß unbedingt vorhanden sein müßte, legt mir die Vermutung nahe, daß in ihm viel ­ leicht wertvolle Gegenstände des städtischen Besitzes ver ­ borgen sein könnte n. Denn der Verbleib des städtischen Ratssilbers ist m. W. ebensowenig aufgeklärt wie die Be ­ hauptung, daß während der Franzosenherrschast zu Beginu des 19. Jahrhunderts ein erheblicher Teil des Stadw archivs vernichtet sein soll. Es liegt doch zum mindesten die Möglichkeit vor, daß man die wichtigsten Dokumente bei Anmarsch der französischen Besatzungstruppen, d. h. also erheblich früher, schon in Sicherheit brachte^ Dafür gibt es in der Kasseler und hessischen Geschichte mehrere Beispiele. Seit dem Abbruch im Jahre 1909 habe ich das Abbruchsgelände nicht mehr besucht; damals hätte ich die von mir vermutete Stelle der Vermauerung des alten Kellergeschosses den Herren zeigen können. Ich weiß nicht, ob dieses heute noch möglich ist, glaube es aber, trotzdem die inzwischen auf dem Gelände vorgenommenen Veränderungen mir nicht bekannt sinv. Jedenfalls er ­ kläre ich mich zur Teilnahme an einer örtlichen Besich ­ tigung, zu der ich zweckmäßigerweise den Bezirkskonser ­ vator, Herrn Baurat Br. Holtmeyer, hinzuzuziehen bäte, und zur nähereu Begründung meiner Annahme bei dieser Gelegenheit gern bereit. F. Stück. „ S ch o n g e r ". Als ich heute im „Hessenland" (S. 102 ) den Namen S ch o n g e r las, fiel mir eine lustige Geschichte ein, die mir vor vielen Jahren mein anekdotenreicher Marburger Musiklehrer Heinrich Günther erzählt hat. — Der Name Schonger (in Hessen Schoncher) ausgesprochen) galt Mindergebildeten als ausländischen Ursprungs, sie hörten ihn als Schoncher aussprechen, dachten aber etwa, er werde Chogner oder sonstwie eigenartig geschrieben. Nun kam eines Tages ein Postbote zu Schonger und wollte eine Postsendung abgeben, die an Herrn Instrumentenmacher Leschhorn gerichtet war. Schonger lehnte den Empfang ab mit den Worten: „Es steht doch ganz deutlich darauf, daß sie an Leschhorn ist." Da erwiderte der Postbote: „Ja, ich weiß schon: Leschhorn wird's geschrieben, aber Schon ­ ger wird's ausgesprochen." — Leipzig. P. W. unö ist Ehrenbürger der Stadt Greifswald. — Gießen: Der ord. Professor der systematischen Theologie D. Br. Emil Walter Maße r wurde auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt. — Professor Br. Hans Peter- s e n hat den Ruf aus den Lehrstuhl der Anatomie an der Universität Würzburg angenommen.— Der ord. Honorar ­ professor der Hygiene Br. meä. et pbil. Hermann Griesbach feierte am 9. April seinen 70. Geburts ­ tag. — Würzburg: Dem ord. Professor des Straf ­ rechts und Strafprozeßrechts Br. jur. Friedrich Oet ­ ker wurde der Titel Geheimer Rat verliehen. — Ber ­ lin: Der Oberverwaltungsgerichtsrat a. o. Professor an der juristischen Fakultät Br. jur. Hermann Fürstenau, geb. Marburger, wurde zum Senatspräsidcnten des Ober ­ verwaltungsgerichts. ernannt. Person alchronik. Zu Ehrenbürgern wur ­ den ernannt der Führer der evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel, Landesoberpsarrer Generalsuperintendent D. Möller in Kassel von seiner Vaterstadt Neukirchen, Kreis Ziegenhain, der Regierungsrat a. D. Bruno v. Waldhausen von der Stadt Gersfeld und der