139 beginnt ein neuer Absatz. Und 9 ist bei den Germanen die heilige Zahl. Im Norden wur ­ den alle 3x3 Monate Opfer gehalten, die drei Monate dauerten, jedes Opfer nenn Tage lang, zu jedem Opfer neun Stück Vieh. Alle neun Jahre war großes Blutopfer. Alle neun Jahre wurden in Seeland 99 Menschen ge ­ opfert. Das Lied gilt ferner keinem gewöhn ­ lichen Sterblichen, sondern einem Riesen, denn er braucht neun Ziegenfelle und ein Bockfell zu feinem Rock. Dieser Riese ist aber kein an ­ derer als Donar, denn Ziegen und Bock sind Donar heilig. Und „alter Mann" ist ein be ­ sonderer Name für Donar. Sollte also dieses Fritzlarer Donarliedchen nicht mit ein Beleg dafür sein, daß wir in Fritzlar eine Donarstätte zu suchen haben? Und erinnert nicht die Domhöhe selbst, die wenigstens in ihrem südwestlichen Teile Ziegen ­ berg heißt, im Zusammenhang mit allem übrigen an eine Tonarstätte? Nordwestlich erhebt sich dicht bei Fritzlar der Eckerich (keltisch = Eichenberg). An seinem Südabhang befindet sich ein uralter Stein ­ bruch, „Hölle", genannt. Sollte diese Hölle in der Verbindung mit den Teufelsnamen der heiligen Quellen nicht die frühchristliche Be ­ nennung einer chattischen Opferstätte sein? Am Fuße der Domhöhe aber mit ihren drei heiligen Quellen fließt im Tal wie zum Schutze des Heiligtums die Eder, und um diese zieht südlich in einem großen Bogen eine uralte Befestigung, die Landwehr (Lambers, Lam- bertsfeld, Lamberweg). Da, wo die Landwehr östlich von Fritzlar die Eder erreicht, häufen sich in dem Winkel verdächtig alte Namen: Bil ­ stein, Hunsrück, der 1654 als großer Wacker ­ stein bezeichnet wird, der Spies, die große und die kleine Wiege. Bedenkt man, daß wih (Weihe, geweiht, vgl. Wichdorf = heiliges Dorf) bei den Germanen eine Bezeichnung für ihr Heilig ­ tum war, so liegt es nahe, auch hier ein Heilig ­ tum zu vermuten. Um so mehr, da im Mittel ­ alter, das in seiner frühen Zeit heidnische Kult ­ stätten gern mit christlichen Heiligtümern be ­ setzte, hier, wie ein Flurname Bildstöckl jagt, ein Bildstock stand. ^ Westlich führt die Landwehr mit der von Süden über Holzheim kommenden Alten Straße zur alten Ederfurt, der Spicke, von der dann die Straße als Kölnische Straße südlich vom Eckerich entlang der Elbe über Geismar, Zü- fchen, Naumburg nach Westen zog. Hier aber an der Spicke zwischen Eder und Landwehr finden sich am rechten Ufer der Eder die Flur ­ namen Diebesecke und Auf'm Rad. Ist dieser in Hessen öfter vorkommende Flurname Diebes ­ ecke nur die Bezeichnung einer Gegend, wo Diebe ihr Unwesen trieben, oder ist ist ihm am Ende noch ein älterer und tieferer Sinn ver ­ borgen? Ich denke daran, daß in Wales in Altengland Hügel oder Steinhaufen, auf denen in keltischer Vorzeit Verbrecher zum Gottes ­ dienst hingerichtet wurden, Cara Leadron, in Irland Cara an Ladroin = Diebeshöhe oder Diebesecke genannt wurden. Ich denke weiter daran, daß diese Diebesecke in Fritzlar an einem uralten Flußübergang liegt, wo sich in germanischer Zeit öfters Gerichts- und Hin- richtungsstätten befanden, und daß das Mittel ­ alter auch hier wieder mit der Errichtung des Rades die alte Tradition scheint beibehalten zu haben. Doch das alles sind nur Vermutungen. Aber überraschend ist ein Vergleich der Fritz ­ larer Anlage mit den drei Quellen am Süd- abhang der Domhöhe und der Eder und der Landwehr am Fuße der Anhöhe mit der An ­ lage der Jrminsul, dem Nationalheiligtum der Sachsen. Nach den Feststellungen Kuhlmanns besteht wohl kein Zweifel mehr, daß die Jr ­ minsul ein Baumstamm voll mächtiger Größe, auf dem Eresberg, an der Stätte des heutigen Obermarsberg an der Diemel stand. Auch hier am Abhang der heiligen Höhe drei Quellen, von denen die eine Siegesquelle (Ziegenquelle?), eine andere Königsquelle heißt. Am Fuße des Abhangs die Diemel und aüch hier wie zum Schutze des Heiligtums die Landwehr mit einem Bilstein. Man wird dabei auch unwill ­ kürlich an die heilige Weltesche TZ^dramw a8ker erinnert, unter deren Schatten drei hei ­ lige Quellen entsprangen. Ich gestehe, die Versuchung liegt nahe, Fritz ­ lar als das große chattische Heiligtum anzu ­ sprechen und auf seiner Höhe die berühmte Donareiche zu suchen, durch deren Fällung Bonifatius im Jahre 723 die Hessen zum Christentum bekehrte. Neuere hessische Histo ­ riker und mit ihnen Flaskamp erklären tat ­ sächlich die Stelle, an der sich der Petersdom in Fritzlar erhebt, als die historische Stätte der Donareiche. Ich kann mich und zwar aus einem schweren, mich wenigstens zwingenden wissenschaftlichen Grunde nicht zu dieser An ­ sicht bekennen. Die einzige Quelle für die Bonifatiustat ist nämlich, wie wir eben sahen, das von einem angelsächsischen Mainzer Priester Willibald geschriebene Leben des hl. Boni ­ fatius. Die Kenntnis dieser Tat verdankt er wohl dem Würzburger Bischof Megingoz, der