124 D e r s ch, Wilhelm. O b e r h e s s i s ch e Heimat- g c f cf) i ch t e. Marburg a. L. (N. G. Elwert) 1925. 8 0 VIII, 181 Seiten. Dieses prächtige Büchlein ist erwachsen aus Bor- lesungen, die sein Verfasser im 13. Kursus der wissen ­ schaftlichen Vorlesungen für Lehrer und Lehrerinnen 1922 in Marburg gehalten hat. Dersch bietet uns mit ihm den ersten Versuch, wenigstens einen Teil der hessischen Geschichte über den engen Rahmen der politischen und Territorialgeschichte hinaus vor allem auch nach der bis ­ her nur allzu sehr vernachlässigten kulturgeschichtlichen Seite hin zu behandeln. In gedrängter Kürze, aber klarer Herausarbeitung aller geschichtlich bedeutsamen Seiten des Staats- und Volkslebens gibt er eine Darstellung der Verfassungs-, Verwaltungs- und Rechtsgeschrchte, der Wirtschaftsgeschichte, der Kirchen- und der Schul ­ geschichte — Gebiete, für die zum großen Teil Bear ­ beitungen oder auch nur umfassendere Vorarbeiten fehlten. Nicht minder wertvoll ist der 1. Teil des Buches, in dem Dersch erstmalig eine bis dahin schmerzlich vermißte Einführung und Quellenkunde zur hessischen Geschichte gibt. Wer immer wieder feststellen muß, welche eigen ­ artige Anforderungen recht häufig an Archive und Bib ­ liotheken gestellt werden, wie mühsam sich Anfänger den Weg zu einer ernsten, vertieften Behandlung der heimat ­ lichen Geschichte erschließen müssen, wird gerade auch diesen Teil des Buches als besonders beachtlich und wert ­ voll begrüßen. Der Überblick über die hessische Geschichts ­ forschung, der alle Entwickluugsphasen von den Anfängen bis in die neuste Zeit umfaßt, ist mit ebensolcher Liebe! und wissenschaftlich zuverlässiger Gründlichkeit bearbeitet, wie die Ausführungen über Heimatschutz, Heimat- undj Denkmalpflege, die jeden in dieser Richtung tätigen Freund der Heimat fesseln und anregen werden. Und wenn schließlich noch die Lehrer als die berufenen .Heimat- pfleger und -forscher das Kapitel „Die Heimatgeschichte in der Schule" gebührend beachten und die in ihrer Kürze besonders willkommenen Anregungen mit den chier ge ­ zogenen Richtlinien im Sinne des Verfassers würdigen und berücksichtigen, ist dem Buch die Wirkung gesichert, die es in reichem Maß verdient. — Dersch hat mit seiner Arbeit, die nach der gegebenen Aufgabenstellung nur das oberhessische Gebiet erfaßt, eine bedeutsame Vorarbeit für die immer uoch ausstehende und wohl auch vorerst nicht zu erwartende wissenschaftlich aufgebaute Geschichte des nachmaligen Kurhessens gegeben; er hat damit ge ­ zeigt, wie geschickt seine Feder für die Lösung derartiger Aufgaben ist, und sich selbst damit als den berufenen Heimat-Geschichtsschreiber vorgestellt. Wenn er sich ent ­ schließen könnte, diesem Merkchen eine Darstellung der niederhessischen Geschichte als Ergänzungsband folgen zu lassen, und sich gleichzeitig daraus einrichten wollte, diese Arbeiten zu einer Gesamtgeschichte Hessens zu erweitern und zusammenzufassen, würde er nicht nur einem längst gefühlten Bedürfnis abhelfen, sondern sich selbst auch Freude und erneute Anerkennung erarbeiten. — Das Büchlein, das durch ein zuverlässiges Register bestens erschlossen wird, ist als Heft 1 der 3. Reihe von Elwerts Hessen-Büchern erschienen, die damit in verheißungs ­ voller Weise eröffnet ist. De. Hopf. Speyer, Edward. Wilhelm Speyer, der Liederkomponist. 1790—1878. Sein Leben und Verkehr mit seinen Zeitgenossen, dargestellt von seinem jüngsten Sohne. Mit 47 Bildtafeln. München (Drei Masken-Verlag) 1925. XV, 454 Seiten. Preis brosch. 12 M, in Ganzleinen 15. M. Seit Hendels „Familie Mendelssohn" ist in Deutsch ­ land lange keine derart umfassende und beziehungsreiche Musilerbiographie erschienen wie dieses, dem fast ver ­ gessenen Offenbacher Komponisten der Romantik von sei ­ nem jüngsten Sohne gewidmete Werk. Zu Frankfurt 1790 als Sohn eines Bankiers geboren, siedelte Wilhelm Speyer schon zwei Jahre später mit seiner Familie nach dem nahen Offenbach über, das auch damals noch im deutschen Geistesleben eine beachtenswerte Rolle spielte. Bei seiner schon früh ausgesprochenen musikalischen Be ­ gabung wurde er Schüler des Hofrats Andre, dessen mit Goethe befreundeter Vater „Erwin und Elmire" in Musik gesetzt hatte. Das erste Opus des 17 jährigen verlegt Simrock in Bonn, der Freund Beethovens. Zwei Jahre studiert er in Heidelberg Philosophie, um sich daun in Paris seiner weiteren musikalischen Ausbildung zu wid ­ men. Nach Offenbach zurückgekehrt, verheiratet er sich mit einer Tochter des Fürstlich Jsenburg-Birsteinschen Ministers von Goldner, und das junge Paar bezieht das heute noch stehende sog. Speyerhaus in Offenbach. Nach ­ dem durch den Wiener Kongreß das Fürstentum Isenburg mcdiatisiert und 4816 teils dem Großherzogtum, teils dem Kurfürstentum Hessen einverleibt worden, ging Offenbach der seit Jahrhunderten innegehabten Würde einer fürstlichen Residenz verlustig. Der geschäftliche Zusammenbruch des Vaters zwang den Sohn, in Frankfurt den ihm wider- . wärtrgen Beruf des Börsenmaklers zu ergreifen; die Zahl der Kinder wuchs schließlich auf zwölf an, so daß ihn die Sicherung eines so großen Haushaltes mit nicht geringen Sorgen erfüllte. Trotzdem galten seine Mußestunden der Schöpfung von Liedern und Balladen, die ihn bald in ganz Deutschland bekannt machten; auch seine lang ­ jährigen Beziehungen zu seinen Leipziger Verlegern Breitkopf und Härtel förderten seine Popularität. Erst als Greis erfährt er eine Besserung seiner Lebensver ­ hältnisse und genießt einen behaglichen Lebensabend. Die Stadt Offenbach, in der er 88 jährig im Jahre 1878 verschied, ehrte ihn auch dadurch, daß sie eine Straße nach ihm benannte. Speyer hinterließ eine nicht geringe Zahl von Werken; er komponierte Orchester-und Kammer ­ musik, am meisten bekannt wurde er durch seine Lieder, Gesänge und Balladen mit Klavierbegleitung, deren er etwa 130 schuf. Ein reich ausgelebtes Leben fand nun durch die Pietät des Sohnes seinen Niederschlag in dem vorliegenden Band. Dieser Mann, der mit dem ersten Napoleon in der Großen Pariser Oper saß, der der Hinrichtung Sands beiwohnte, weiß uns in seinen Aufzeichnungen immer wieder zu fesseln. Daneben gab Staatliche L o 11 e r i e - E i n n a h m e von Vethacke KASSEL Lose der preußischen Klassen lotterie vo rrätig Niedriger Lospreis! Hohe Gewinne! Ziehung 1. Klasse 17. und 18. April Näheres im Büro: Unt. Königsstr. 50, 1. 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