117 Hans Thoma, Thomas Geburtshaus. Mit Erlaubnis von Frau Thekla Kerler. am „Sonlltagnachmittag", die Kitt- dergruppe im „März", die „Wald ­ wiese mit Knaben" ist sinnig er ­ lauschte Augenblickspoesie aus dem Alltag In den „Anfängen der Kunst" llingt Romantisch-Spitzwegi- sches nach. Französischem Realis ­ mus nähert sich das derbe dunkel- tonige „Im Albanergebirge". Feines Lichterspiel eines intimen Interieurs bietet die ,-Frau bei geschlossenem Fenster", und über die berühmte „Kahnfahrt im Mondschein" ergießt sich die stimmungshaft-ahnungsvolle visionäre Schönheit eines gemalten Volksliedes. Untrennbar von Thoma sind seine Phantasie- und Märchen- m a l e r e i, in der er zur Sage und allerhand Fabelwesen flüchtete. Da ­ hin gehört der längst volkstümlich gewordene „Putto auf dem Vogel" und das „Meerlveib bei Sonnen ­ aufgang", all das Mythologische und Seltsame der Engel, Nymphen, Faune, Elfen und Zaubertiere. Er liebt die geharnischten Ritter, wie sie uns im „Morgenritt" begegnen. An alte Minneabenteuer rührt der „Wächter vor dem Liebesgarten". In der „Gralsburg" aber, diesem letzten Ziel mittelalterlichen Ritter ­ tums, erreicht seine epische Kraft ihre gewaltige Höhe und farbig ­ geistige Vollendung. Thomas religiöse Bilder ent ­ sprangen einer festen, offenen, treu ­ herzigen Gläubigkeit, die mit naiven Augen das Gottmenschentum des christlichen Erlösers umspannte und demütig verehrte. Die friedvolle, von Engeln umhegte „Ruhe auf der Flucht" ist so wirklichkeitsnah und himmelsfern zugleich, wie's eben nur unbiblische starke Frömmigkeit deuten konnte. Das herrliche Weih ­ nachts-Triptychon ist als Transparent weithin verbreitet worden. Von einer farbig-mystischen Inbrunst durchglüht ist die „Kreuzigung". Seine letzten Werke wie „Madonna über Bernau", „Taufe Christi" und „Petrus und Christus auf dem Meer" streben einer einfachen, großzügigen, ge ­ lassenen Monumentalität zu, die aller Problematik und Ekstase ausweicht. Eine knappe Auswahl aus Thomas Aquarellen, seinen in Wasser-, Ol- oder Temperafarben bemalten, mit Wachstechnik behandelten Steindrucken und seiner umfangreichen Griffelkunst in Schwarz-Weiß rundet das Bild des Meisters organisch ab und gewährt einen Ein ­ blick und Aufschluß über die Buntheit der Figural- darstellungen, Landschaften, Szenen, Gestalten, Still ­ leben, Blumen, Vignetten, Kalenderzierstücke und mannig ­ fachen Einfälle, die durch unendlich viele Einzelzüge und eme Durchseelung und Überwindung des Technischen im ­ mer wieder überraschen, aber bei aller irdischen und kos ­ mischen Vielseitigkeit doch nur die eine unerschöpfliche, freie, leuchtende und harmonisch abgeklärte dents ch e Kunst Hans Thomas offenbaren können. Aus der Geschichte der Weserschiffahrt. Von Bruno Jacob. (Schluß.) Nur sehr langsam kam es zu einer all ­ gemeineren und gleichmäßigeren Behandlung des Stromes und der User. Es fehlten die Leinpfadbrücken, die Leinpfade waren bei hohem, also günstigem Wasserstande, oft un ­ benutzbar, aber es ist ein, wenn auch trauriger, Trost, daß nach dieser Hinsicht eben sowohl lute auch in Betracht des Fahrwassers die Verhält ­ nisse der anderen Ströme ähnlich lagen. So erfahren wir aus dem „beispiellos trockenen