98 zur Stadt erhobene Ort Geismar, wie er in der Regel genannt wurde und im Volksmunde heute noch heißt, wuchs binnen zwei Menschen ­ altern durch Angliederung der Neustadt und der Peterstadt um mehr als das Doppelte und erreichte den Umfang, der erst neuerdings über ­ schritten worden ist. Der Grundriß der Stadt schließt jeden Gedanken an eine planmäßige Anlage aus. Zuerst wurde längs der Verkehrs ­ wege gebaut, dann der Raum innerhalb der Ringmauer regellos ausgefüllt, so daß ein an der Ostseite flaches Oval entstand. Das Mauer ­ werk der Befestigungen bestand großenteils ans Kalkstein, und die Türme konnten nicht hoch aufgeführt werden. Dagegen hatte die Stadt eine breite und starke Erdbefestigung, den späte ­ ren Hagen, die ans zwei Gräben und einem Mittelwall bestand. Das alte große Siegel der Stadt stellt einen Bischof dar, der mit Stab und Evangelienbuch im Portal einer romanischen Kirche steht, am oberen Rand ist das Mainzer Rad doppelt an ­ gebracht, am unteren befinden sich Mauer ­ zinnen. Die Umschrift lautet: Ligillurn dur- gensium in Geismaria. Man geht vielleicht nicht fehl, wenn man in dem Siegelbild den heiligen Bonifatius und den Mainzer Dom erblickt. Dies Siegel blieb, abwechselnd mit dem kleineren, nur das Rad zeigenden Sekret ­ siegel, bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts im Gebrauch, damals verbannte es wohl der reformatorische Eifer. Das neue Siegel, das jetzige Stadtwappen, zeigt einen runden Tor ­ turm, neben dem rechts und links je zwei schlanke Spitztürme stehen und unter dem das Mainzer Rad angebracht ist. Die Stadt war bis zum Jahre 1583 nur in hessischem Pfand ­ besitz, und die Angabe, daß der Löwe die Stelle des Rades eingenommen habe, ist irrig. Die Münze, Regal des Landesherrn, scheint im 14. Jahrhundert durch Kauf, Pfandschaft oder Pacht in den Besitz der Stadt gelangt zu sein. Der Rat erklärte wenigstens in seinem amtlichen Bericht vom Jahre 1554, die Stadt habe von alters her die Freiheit zu münzen gehabt, jedoch ihrer Unvermöglichkeit halber es eine Zeitlang unterlassen müssen. Die Wäh ­ rung war dieselbe wie in den übrigen Präge ­ stätten an der unteren Diemel, sie ging auf Corvey zurück, dessen Münze in die Zeit der Karolinger zurückreichte. Von den erhaltenen, ziemlich seltenen Denaren (Silberpfennigen) der. Stadt tragen einige das Bild fremder Landesherrn wie der Bischöfe Simon und Otto von Paderborn und der Erzbischöfe Konrad und Siegfried von Köln. Man nennt solche auch anderwärts vorkommende Denare Tutoren- münzen, da sie angeblich ein Schutzverhältnis bezeichnen. In der Tat waren dem Bischöfe Simon zeitweise alle nutzbaren Rechte in der Stadt verpfändet, und der Erzbischof Sieg-' fried legte im Jahre 1277 die Verwaltung der mainzischen Ämter in Hessen nieder, darunter auch die von Hofgeismar? In anderen Fällen mögen die Münzmeister eigenmächtig und eigennützig gehandelt haben, um die Münzen kursfähiger zu machen. Aus dem 15. Jahr ­ hundert ist noch ein einzelner Pfennig bekannt geworden, er trägt auf der Vorderseite das Bild eines Bischofs, auf der Kehrseite ein dreitürmiges Gebäude mit dem Rad im Portal. Helmarshansen an der Diemel wurde etwa gleichzeitig mit .Hofgeismar Stadt. In dem schon im Jahre 944 als Fronhof erwähnten Ort wurde 997 ein Benediktinerkloster gestiftet, das nach dem Vorbild von Corvey als Reichs ­ abtei mit großen Vorrechten ausgestattet, je ­ doch schon von Heinrich II. der Oberherrschaft des Paderborner Bischofs Meinwerk unterstellt wurde. Gestützt auf wechselnde kaiserliche und päpstliche Entscheidungen, suchte das reich und angesehen gewordene Stift seine Unabhängig ­ keit wieder zu gewinnen, und als endlich der Papst gegen seine Ansprüche entschied, wies der Abt Ditmar von Stockhausen mit gewaffneter Hand den Bischof zurück, der seine Rechte als Oberherr wahrnehmen wollte. Er legte auch auf dem nahen Valenberge eine Feste, die un ­ vollendet gebliebene Neustadt, an, und einer seiner Nachfolger erbaute auf der den Ort be ­ herrschenden Höhe die starke Burg Krukenberg. Aber auf die Dauer war die Abtei dem Gegner nicht gewachsen. Sie zog es deshalb vor, sich in den Schutz eines Mächtigeren zu begeben, des Erzbischofs Engelbert des Heiligen von Köln. Die Erzbischöfe führten seit dem Jahre 1180 den Titel eines Herzogs von Westfalen und Engern und waren gerade damals eifrig bemüht, ihm Inhalt und Geltung zu ver ­ schaffen. Die Abtei überließ demnach im Jahre 1220 dem Erzstifte die Hoheitsrechte zur Hälfte, und unmittelbar darauf wurde Helmarshausen Stadt und erhielt kölnisches Recht. Landau vermutet planmäßige Erbauung^, wofür die gleichmäßige Führung der beiden Hauptstraßen 3 O. Grotefend, Regesten der Landgrafen von Hessen I. Nr. 212. 4 G. Landau, Die Geschichte der Burg Krukenberg, S. 57. '