97 HefsenlcmH Zllustrierte Mnatsblätter für Heimatsorschung, Kunst und Literatur Schriftleiter Paul Heidelbach, Kassel. Unter Mitwirkung von Bezirkskonservator Baurat Or. H o l tmeyer, Kassel,- Direktor der Landesbibliothek Or. Hopf, Kassel,- Lyzeallehrer Ke ller, Kassel,- Staatsarchivrat Or. Kn et sch, Marburg,- OberbibliothekarProfessor vr. Losch, Steglitz,- Schriftsteller Heinrich Ruppel, Homberg,- Professor Or. Schaefer, Kommissar für Naturdenkmalpflege im Reg.-Bez. Kassel und Geschäftsführer des Vereins für Naturkunde, Kassel,- Geheimrat Universitätsprofessor Or. Schröder, Göttingen/ Universitätsprofessor Or. Schwantke, Marburg,- Werner Sunkel, Marburg,- Professor Or. Vonderau, Fulda,- Universitätsprofessor Or. Wedekind, Marburg. > Im Einverständnis mit den Vereinen: ——————— Verein für hessische Geschichte und Landeskunde,- Hessischer Gebirgsverein,- Knüllgebirgsverein,- Allgemeiner Deutscher Sprachverein, Kassel,- Verein für Naturkunde, Kassel,- Geologischer Verein, Marburg,- Biologische Vereinigung, Marburg,- Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck. > > Bezugspreis vierteljährlich 1.50 Mark 37. Jahrgang Heft 4 Kassel, April 1925 Die Entstehung der Städte im hessischen Diemelland. Von F. Pfaff. In einer fremden Welt lvürden unsere Zeit ­ genossen zu sein glauben, wenn sie in die Diemellandschaft versetzt würden, wie sie vor 700 Jahren war, als der Stern der Hohen ­ staufen sich zu neigen begann. Die Berge, oft bis zur Talsohle hinab mit ungepflegtem Laubwald oder Büschen bedeckt, schmale Äcker ­ fluren und große Weiden, alte Bergschlösser, hier selten, dort dicht nebeneinander stehend, wenige Klöster unb Fronhöfe und sehr viele kleine Siedelungen mit geringer Bewohnerzahl gaben der Landschaft ihr Gepräge. Weder große Dörfer noch Städte waren vorhanden. Das 18. Jahrhundert, ebenso erfolgreich im Zersetzen und Auflösen der alten Formen wie fruchtbar an neuen Bildungen, schuf auch die Städte, die in rascher Folge gegründet wurden. Bon den Städten, die hier in Betracht kom ­ men, haben Hofgeismar, Helmarshausen, Wols- hagen und Volkmarsen in dem Jahrzehnt 1220 bis 1230 Stadtrecht erhalten, und zwar wahr ­ scheinlich in der angegebenen Reihenfolge, je ­ doch läßt sich für keine einzige unter ihnen das Gründungsjahr mit Sicherheit angeben. Der große Fronhof Geismar, wo es noch jetzt eine Seitenstraße „Am Fronhof" gibt, mit den drei nach ihm orientierten Vorwerken Nordgeismar, Westheim und Südheim stammte vermutlich aus der Verlassenschaft des Her ­ zogs Eberhard von Franken und wurde durch Otto I. der Mainzer Kirche geschenkt. Die Erz ­ bischöfe benutzten den Hof, wo sie ihre Be ­ dürfnisse aus eigener Wirtschaft decken konn ­ ten, auf ihren Reisen gern als Residenz und besaßen dort ein festes Haus. Der Erz ­ bischof Siegfried I. stellte zwar im Jahre 1082 dein von ihm neugegründeten und begünstigten Kloster Hasungen eine Urkunde aus, in der ihm der ganze Hof geschenkt wurde, doch hat das Kloster wohl nie etwas anderes als den Besitz ­ titel erhalten. Im 12. Jahrhundert wurde in- folge der Einschränkung der Eigenwirtschaft aus dem Hofe ein Dorf, und gegen Ende dieses Jahrhunderts ist in einer mainzischen Urkunde nur noch von einem Hofe in Hofgeismar die Rede. Unter dem Erzbischof Siegfried II. erhielt der Ort gleich den beiden anderen Archidiakonats- sitzen Fritzlar und Heiligenstadt Stadtrecht, und zwar vermutlich ums Jahr 1220. Zehn Jahre vorher wird noch eine Auflassung vor dem Bogtgericht getätigt Z aber im Jahre 1223 werden die Ratsschöffen zugleich mit denen von Fritzlar erwähnt. Fritzlar, der für das Erzstift wichtigste Ort in Hessen, von dem aus der Hessengau mis ­ sioniert worden war, hatte schon vor 1217 eine ausgebildete städtische Verfassung? Der 1 2 1 Westfälisches Urkundenbuch IV. Nr. 38. 2 Der Rat von 24 Schöffen (alter und neuer Rat), quojum est consilium burgi Frideslariensis, erscheint urkundlich schon am 30. Dezember 1247. Joh. Schultze, Klöster, Stifter und Hospitäler der Stadt Kassel und Kloster Weißenstein. Reg. 1377.,