76 Etwa 8 bis 14 Tagen* vor Bechstadts Tod fand eine ähnliche Empfehlung statt, die für die Beurtheilung des Falles von großer Er ­ heblichkeit ist. Als nemlich Bechstädt Sr. 5)o- heit dem Kurprinzen ein Pensions-Gesuch eines fremden verabschiedeten Bedienten überbringt, ergreift er diese Gelegenheit, um Se. Hoheit den Kurprinzen darum zu bitten, nach seinem Tode doch bestens für seine Frau und Kinder zu sorgen. Dieses .Gesuch wurde von Bechstädt so dringend und sonderbar vorgetragen, daß Se. Hoheit gleich damals diesen Vorgang selt ­ sam und befremdlich gefunden. Es scheint aber auch, daß selbst der Ort und die Zeit der Vergiftung mit dem Zwecke jener Empfehlung im genauesten Zusammenhange gestanden habe. Denn abgesehen davoll, daß eine, im rauschenden Getümmel mehrerer hun ­ dert maskirten Personell begangene Selbst ­ vergiftung liicht leicht auszumitteln stand; so befand sich auch Bechstädt zur Zeit seiner Ver ­ giftung im wirklichen Dienste seines höchsten Herrn und um so mehr durste er von Höchst- dessen Großmuth und Menschenliebe eine Ver ­ sorgung seiner zurückgelassenen Familie mit Zuversicht erwarten. Für die hier ausgesprochene Ansicht der Sache sprechen aber auch noch mehrere andere Gründe. Zuförderst nemlich muß man aus der außer ­ ordentlich großen Masse des bey Bechstädt ge ­ fundenen Giftes nach den Regeln der gericht ­ lichen Arzneiwissenschaft auf eine Selbstver ­ giftung schließen; und weiln gleich nicht ans ­ gemittelt werden können, ob derselbe im Besitze voll Gift gewesen; so ist es doch einem, all sich unverdächtigen Mcnscheil durchaus nicht schwer, sich unter diesem oder jenem Vorwände Gift zu verschaffen. Überdcm konnte Bechstädt sich dieses Gift schon vor Jahren, vielleicht im Auslande, allgeschafft haben. Daß sodann Bechstädt das Gift nicht in dem einzigen Glase Grog, welches er aus dem Balle getrunken haben will, zu sich genommen habe, ist zwar schon oben dargethan worden; alleill es verdient hier noch weiter bemerkt zu werden: daß an dem Gelde, welches er mit auf den Maskenball genommen 4 oder 6gg: bei seiner Zuhausekunft gefehlt haben und daß er so mit eine Ausgabe gemacht hat, die er, gegen seine sonstige Gewohnheit, feiner Ehefrau ver ­ schwiegen. Vorzüglich aber ist es die eigne Erzählung und das eigne Benehmen des Bechstädt, welches für einen begangeneil Selbstmord spricht. * sie! Nimmt man nemlich für einen Augenblick an, daß sich der Vorgang auf dem Masken ­ balle wirklich so ereignet habe, wie ihn Bech- stüdt dem Leibchirurgus Bänniler erzählt hat; so läßt sich das nachfolgende Betragen des Bechstädt auf eine vernünftige Weise überall lücht erklären. Denn wenn einem, ilur einiger ­ maßen vernünftigen Menschen voll einem Un- bekanllten ohne allen denkbaren Grund ein Getränke gereicht wird, nach dessen Genuß er sogleich elend wird, S ch m e r z e n empfin ­ det und sich erbrechen muß; wenn eben dieser Mensch den Gedanken fassen kann, daß er mit Rattenpulver vergiftet worden sey; so mußte er, in Folge des mächtigen, allen vernünftigen Geschöpfen einwohnenden Triebes der Selbsterhaltullg, alle und jede Mittel augen ­ blicklich zur Hülfe nehmen, die ihm zu seiner Rettung dienlich erscheinen mochten. Das Mittel, welches unter solchen Umständen einen* jeden Menschen am nächsten liegt, ist die sofortige Mittheilung des Vorganges an andere Anwesende und die Bitte um Beystand und Hülfe. Statt alles dessen schleicht Bechstädt unter Schmerzen still und unbemerkt vom Masken ­ ball hinweg, und statt da er zu hause kommt, seiner Ehefrau sogleich dasjenige mitzutheilen, was er fünf Stunden später, da ihn: der Tod schon nahe stand, dem Leibchirurgus Bäumler erzählte, unterhält er diese mit Kranken ­ geschichten, die nicht dazu geeignet waren, eine ernsthafte Besorgniß zu erregen. Zuerst sind es Magenschmerzen, die er empfindet, dann hat er sich durch das Erbrechen Schaden im Magen gethan und endlich ist es nur Ver- kültung, die sich aus den Magen geworfen. Auf die Frage: was er aus dem Ball getrunken habe, gibt er seiner Frau eine ausweichende Antwort, und nachdem er unter den furcht ­ barsten Schmerzen verschiedentlich versichert: daß ihm der genossene Thee geholfen zu haben scheine und daß es sich nun nach und nach wieder geben werde, redet er sie nach Stunden langem Zaudern mit den Worten an: Gretgen! wie sehe ich aus? ich glaube ich muß sterben! Allein auch jetzt noch erwähnt er nichts, von Grog, Maske und Gift, wie es später gegen den Leibchirurgus Bäumler ge ­ schehen. So, wie hier erwähnt, handelt nur ein Mensch, der absichtlich und mit dem festesten Willen den Tod sucht; und wenn die geführte * sie!