66 Hersfeld ward durch den Landgrafen Moritz schiffbar gemacht, und bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts verkehrten hier Marktschiffe zwischen Hersse.d und Kassel. Mit dem Ausbau der unteren Fulda für die da ­ mals größten Weserschiffe ward im Jahre 1890 begonnen, die Eröffnung dieser Strecke erfolgte am 1. August 1895. Von der Fulda zur Oberweser muß aber auch früh schon ein reger Verkehr bestanden haben, da ohne diesen die Verleihung des Stapelrechtes an die Stadt Münden im Jahre 1216 sinnlos wäre. Im ganzen kann man sagen, daß die Schiffahrt auf der unteren Weser, etwa bis in das Bistum Minden, in den Händen der Bremer lag, für die untere Oberweserstrecke von Hameln bis Minden und auch itod) dar ­ über hinaus von der Schisfergilde zu Vlotho besorgt lvard, indessen der Verkehr auf der Oberweser von Münden bis Hameln in den Händen der Mündener Schisfergi.de lag. Diese hatte sich auch des Fuldaverkehrs versichert. Eine besondere Stellung unter den Weser ­ städten nahm dagegen Hameln ein. Die Sladt verstand es, ihr Sonderinteresse am Weser ­ verkehr, das auf dem Warenumschläge an dieser Stelle beruhte, dadurch zu fördern, daß sie für sich im Jahre 12 11 von den Herzögen zu Braunschweig das Straildrecht dieser aus ­ schließen ließ: „Wenn aber durch Zusammen ­ bruch der Brücke oder sonst an Wagen oder Schiffen in der Länge der Stadt Schaden ge ­ schieht, so soll der Richter solche Güter nicht verlangen. Derjenige, dem sie gehören, soll sie sammeln." — Dies hatte besonders für Hameln seine Bedeutung wegen des „Hamelner Loches", einer Stromschnelle, die es erforder ­ lich machte, daß alle Schisse, die die dort be- findliche Wehranlage überschreiten wollten, bei der Fischpforte entladen und oberhalb der „Schlachte", des Wehres, neu beladen wurden, nachdem das leere Schiff mit Hilfe einer Winde über eine Schiffsschleife aus dem Unter- ins Oberwasser (oder umgekehrt) gebracht war. Aber nicht nur diese Schwierigkeiten bei der Überwindung der Hamelner Gefällstufe, son ­ dern auch die allgemeine Verwilderung des Fahrwassers und die plumpe Bauart der Fahr ­ zeuge waren Ursache manchen Unfalles, der dann den Grundherren Anlaß ward zur Aus ­ übung des Strandrechtes. Den Verkehrsmißftänden bei Hameln ver ­ weigerte aber die Stadt jegliche Abhilfe, da sie von dem Aufenthalte der Schiffe und dem Warenumschläge ihre Vorteile zog. Sie lehnte auch das von Bremen und Münden gemachte Anerbieten, auf eigene Kosten eine Schiffs ­ schleuse zu bauen, kurzerhand ab und ließ sich erst bestimmen, überhaupt die Schiffe bei der Überquerung des Stromhindernisses zu unter ­ stützen, als die Mündener die jährliche Zah ­ lung von hundert Reichstalern Gebühren dafür zusagten. Auf Grund dieser Summe errechnet man den damaligen Schiffsverkehr auf rund tausend Fahrzeuge im Jahr. Auf Drängen der Mündener Schiffergilde stellte seit 1692 die Regierung zu Hannover Untersuchungen an über die Beseitigung der Schiffahrthindernisse zu Hameln und erreichte, daß in den Jahren 1732/33 die erste Hamelner Schiffahrtsschleuse entstand mit einem Kosten- aufwande von 80 000 Reichstalern, und im September 1733 durchfuhr das erste Schiff diese neue Anlage. Auch sorgte die Regierung für die Beschaffung eines Handbaggers, der sog. Muddemühle, und stellte einen Wasser ­ pflug ein. Das war das damals fast einzige, sehr primitive Werkzeug, um durch die Schlamm-, Kies- und Geröllbänke der Schiff ­ fahrt eine Fahrrinne zu bahnen. Für gröbere Felsblöcke hatte man noch die „Teufelsklaue", eilten Vorläufer der heutigen Zangenschiffe. Dahingegen wehrte sich die Regierung in.Han ­ llover gegen die Gestattung des Schiffszuges mit Pferden, den Hessen und Brandenburg- Preußen (für seine Mindenschen Uferstrecken) gestatteten. Am längsten widerstrebte dieser Verbesserung übrigens die lippesche Regierung. Eine Beunruhigung des Handels durch Raubritter war im Wesergebiete auch im Mittelalter selten gewesen, — ernstlich machten nur die Besitzer der Hämelschenburg (nahe der Emmermündung oberhalb Hamelns) dem Han ­ del zu schaffen; sie mußte im Jahre 1487 ge ­ brochen werden. Lebhafteres Interesse an einem geregelten Strombau begann erst im 18. Jahrhundert, nach der Erbauung der Hamelschen Schleuse zu erwachen, 1735 ward festgesetzt, daß die Fahrrinne voll Münden bis Hameln von der Mündener, von dort bis Bremen von der Vlothoer Schiffergilde in Bau und Besserung gehalten werden solle. Dafür erhob die Mün ­ dener Gilde bei Grohnde ein Mastengeld. Daß sie die Fuldaschiffahrt beherrschte, ward schon gesagt, aber ihre Versuche, auch die Werra ­ schiffahrt in Mündener Hände zu bringen, schlugen fehl. — Ganz kurz sei hier auch noch des Versuches gedacht, den der Marburger Professor Denis Papin (aus Blois) an ­