43 dort letzte Reflexe aufzufangen und in die feinen Maschen des Bildnetzes zu verarbeiten. Auch hierbei kann man gewisse Unterschiede zwischen einst und jetzt besonders bei den Porträtstudien beobachten. Während früher das Malerische eine größere Rolle durch Schattierungen und genauere Gesamtausführung spielte, traten allmählich in den einzelnen Vorwürfen alle Nebenumftände immer mehr zurück und alle Aufmerksamkeit ivurde allein aus den Kopf hingelenkt, dessen Beseelung bis ins Kleinste den Künstler zu immer stärkerer Verfeinerung und Dif ­ ferenzierung trieb. Einen Begriff von seiner Vielseitig ­ keit aus diesem Gebiet kann man nur durch die Einsicht in die Blätter selbst gewinnen. Schließlich noch ein kurzes Wort über den Karikaturisten Thielmann, der bei der Ausstellung nicht berücksichtigt wurde. Am be ­ kanntesten sind wohl die bei Elwert in Marburg erschie ­ nenen Karikaturen über Max Reger, mit dem ihn seine eigene musikalische Begabung zusammenführte, wegen ihrer verblüffend-knappen Schärfe und Treffsicherheit geworden, daneben hat der launige und witzige Meister aber für die Mappen der Raabegesellschaft im „Wilden Wasser", der Gesellschaft „Pvunzel" und sonst noch für manche lustige Stammtisch runde köstliche zeichnerische Scherze beigesteuert, die wie alle seine Taten im großen und kleinen beredtes Zeugnis ablegen von ferner herz ­ erfrischenden gesunden Art, Menschen und Dinge zu sehen. Die Vergiftung des Lakaien Bechstädt. V°n Paul Heidelbach. (F o r t s Der erste der genannten Fälle schien an ­ fänglich viel Wahrscheinlichkeit für sich zu haben, auch abgesehen davon, daß Verbrecher überhaupt nicht vermuthet werden dürfen. Zwar hatte der Verstorbene am Tage des Balles, wie die Untersuchung ergab, keine Speisen oder Getränke zu sich genommen, bei denen eineVergiftung auch nur für möglich hätte, erachtet werden können; allein es war wohl denklich: daß auf dem Balle selbst ein un ­ glücklicher Zufall gewaltet habell könne, sobald nur das Vorhandenseyn des Giftes im Locale des Stadtbaues, außer Zweifel gesetzt war. Die hieraus gerichtete Untersuchung gelangte bald zu dem Resultate: daß der Wirth Schrö ­ der im Stadtbau von der Fiedlerschen Apotheke dahier Gift zur Vertreibung der Ratten er ­ halten habe. Außerdem brachte man in Er ­ fahrung, daß die Ehefrau des Kaufmanns Reinhard dahier, welche ebenfalls dem Balle beigewohnt, nach dem Genusse von Getränken, daselbst plötzlich krank geworden sey. Indeß ergab sich durch Vernehmung des Arztes der Ehefrau Reinhard, daß derer: Üebel- befinden nur vorüber gehend gewesen und in anderen Ursachen, als dem Genusse von Ge ­ tränken, seinen Grund gehabt habe. Hiernächst aber wurde ausgemittelt: daß der Wirth Schröder das erhaltene Gift nicht in die Schenkzimmer, sondern in andere Theile seiner Wohnung gelegt habe. Dessen weitere Angabe: daß dieses Gift stets von ihm vorsichtig bewahrt worden sey, und daß sich daher auch der Rest desselben versiegelt in seinem verschlossenen Comtoir befinde, ivurde ebenfalls näher untersucht und gegründet befunden. Dennoch blieb man hier bey nicht stehen, sondern untersuchte noch näher, ob der Zucker, aus welchem der Grog bereitet worden, ge- tz u n Q.) stoßen, oder in Stücken gebraucht worden sey. Es ergab sich das Letztere, und daß der Zucker zu allen bereiteten Getränken aus einem und demselben Gefäße genommen worden sey. Da nun überdem keine andere, auf dem Balle anwesend gewesene Person, nach dem Genusse von Getränken krank geworden war, selbst nicht die Beyläufer uni) Aufwärter, welche die Überbleibsel jeder Gattung von Ge ­ tränken aus den Gläsern zusammen gegossen und getrunken; so mußte die erste Vermu ­ thung, daß eine Vergiftung aus Unvorsichtig ­ keit stattgefunden habe, ihr ganzes Gewicht verliehren. Die Untersuchung des zweyten unterstell ­ ten Falles: daß nemlich an Bechstädt ein Giftmord begangen worden sey, war mit manchen Schwierigkeiten verknüpft. Um geringfügiger Ursachen willen wird sel ­ ten ein Mord, ain seltensten ein Gistnwrd be ­ gangen. Nicht allein die eigene Ruchlosigkeit der That, sondern auch die Größe der an ­ gedrohten Strafe begründen die rechtliche Ver ­ muthung: daß ein solches Verbrechen nur durch die dringendsten äußeren Reitze und eine, bis zur höchsten Leidenschaft gesteigerte rechtwidrige Begierde, sein Daseyn erlangen könne. Man durchging die Fälle der Möglichkeit; aber es war nicht abzusehen, welche Begierde aus dem Tode des Bechstädt ihre Befriedigung erhalten, oder welcher wesentliche Vortheil dem Verbrecher aus der That hätte erwachsen können. Vor allen: andern schiel: noch am glaub ­ lichsten zu seyn, daß irgend Jemand eine harte Beleidigung zu ahnden gehabt, und so durch Rache zur That fortgetrieben sey. Aber alle Personen, die den: Verstorbenen von seiner frühen Jugend an nahe gestanden, und viele Andere, die mit und neben ihm gedient, geben