auf bie zum Teil allerdings auch die Flora Thüringens Besitzanspruch erhebt: (Timmia bavarica aus den Kripplöchern, Amblystegium Sprucei von Mönchhosbach, Trichostomum pallidisetum vom Otterbachstein, Tr. caespito- sum von Wanfried, Grimmia anodon von der Adolfsburg, Bartramia Oederi und vor allem Hypnum Halleri vom Heldrastein). Ein weiterer tüchtiger Florist erstand der Wissenschaft dieser Kleinwelt in denl Mittel ­ schullehrer Hans Pfalz graf in Wellinge ­ rode bei Albungen, jetzt in Witzenhausen, der in den sonndurchglühten Berghängen des Werra- tals bereits mehrere neue Bürger unserer Flora von südlicher Herkunft nachwies (Rterygoneu- rum subsessile in den Jestädter Weinbergen, Trichostomum caespitosum bei Neuerode). Crossidium squamigerum stellte ich unter den von ihm am Bilstein im Höllental gesammelten Moosen fest: wir fanden es dann gemeinsam bei schwieriger Felskletterei an den der Mit ­ tagssonne senkrecht ausgesetzten Wänden und in heißen Felsenwinkeln, dort greisgrau wie der Fels sich diesem und der Sonnenwirkung anpassend, wieder. Es ist ein Kind des son ­ nigsten ^Südens, erst vom unteren Lahntale an nach Süden hin heimisch, wenn auch nicht häufig werdend. Ebenso wie am Bilstein hat Grossidiurn auch bei Göttingen einen weit nach Norden vorgeschobenen, sporadischen Standort, der von Quelle entdeckt wurde. Weitere seltene Funde machte ich während der verstrichenen 3 Jahre in der näheren und weiteren Um ­ gebung Kassels, von denen die folgenden als die auffälligsten hervorgehoben sein mögen. Zunächst bot der Reinhardswald neben zahl ­ reichen anderen Torfmoosen das seltene Sphag ­ num molle, von den ebenfalls torsigen Boden liebenden Garnpy1opn8-Arten G. turfaceus und C. flexuosus (letzteres ist übrigens in den niederhessischen Bergen gar nicht so selten, wie es nach früheren Angaben scheinen mochte). In den Quellwässern des Hemelbachs gedeiht üppig Hypnum Rotae und unweit davon Raco- mitrium protensum, aus Quarzitblöcken Dicra- num fulvum. Reiche Ausbeute lieferte vor allem der Meißner, unser heimatliches Hoch ­ gebirge, und seine Umgebung: Sphagnum molle (auch bei Spangenberg), Campylopus flexuosus-zonatus und C. turfaceus, alle zu ­ sammen mit vielen anderen in üppiger Größe und in dicken Polstern an den, warme Wasser ­ dämpfe ausströmenden Rauchquellen des bren ­ nenden Braunkohlenflözes bei Bransrode. Fu- marolen können wir aud) diese Quellen nennen. Wärme vereint mit Feuchtigkeit fördert hier die Vegetation und nur stellenweise und zeit ­ weilig gewinnen die giftigen Kohlengase bie Oberhand. Auch der an der Bransröder Seite noch bis zu erheblicher Meereshöhe sich er ­ haltende Muschelkalk weist viele wertvolle Er ­ scheinungen auf: Leskea nervosa, L. catenu- lata, Trichostomum mutabile, Bryum ele- gans, Seligeria recurvata. Ans der Westseite des Berges, wo die hochgelegenen, alpinen Charakter tragenden Felsstürze von den Rän ­ dern der Kalbe sich herabsenken, gesellt sich wieder eine andere Gruppe: Grimmia Nuehlen- beckii (seit Pfeiffer nicht erwähnt), Grimmia Doniana (bisher in der Nachbarschaft nur vom Brocken, Vogelsberg und Milseburg bekannt); Racomitrium microcarpum fand ich hier 1921 wieder, nachdem es seit etwa 120 Jahren dort nicht wieder gefunden war. Die Botaniker Crome und Persoon ans Göttingen und der Gothaer Hofrat Bridcl a Brideri hatten es 1806 hier entdeckt bzw. gesammelt. Welche Wagen- und Fußreisen hatten in damaliger Zeit die Botaniker zu unternehmen! Ähnlich erging es dem hier wachsenden Hylocomium umbratum, das ebenfalls zu jener Zeit hier entdeckt und erst vor wenigen Jahrzehnten durch Studienrat Lorch-Berlin und unabhän ­ gig von diesem durch den um die niederhessische Phanerogamenflora hochverdienten und zu früh verstorbenen Lehrer Tante-Kassel wiedergefun- beu wurde. An feuchten Basaltfelsen fand ich das seltene Orthotrichum urnigerum, das seinen nächsten einzigen Standort in der hohen Rhön, ferner auch nur je einen im Harz, im Sauerlande und in beit Vogesen (abgesehen von Alpen und Skandinavien) aufzuweisen hat. Zu den besonderen Funden des Werratals gehören Dydimodon luridus, Bryum Funckii (Hoheneiche), Trichostomum viridulum (Rei ­ chenbach, Hoheneiche), Hymenostomum tortile (Bilstein i. H-, Hoheneiche usw.), Gyroweisia tenuis (Allendorf a. W.) als Pflanzen süd ­ licher Herkunft. Der wenig durchforschte Kellerwald lieferte an seinen Quarzitselsen Dicranum strictum, Dicranoweisia cirrata. Die Umgebung von Wildungen neben Weisia crispata, Schistidium pulvina'tum die große Seltenheit Myurella julacea, die ebenfalls, abgesehen von den mit ­ teleuropäischen und nordischen Alpen nur ans den Sudeten, vom Südharz und von St. Goar am Rhein bekannt war. Zierenberg beher ­ bergt in seiner Nachbarschaft (Bärenberg) die weniger seltene Grimmia montana.