18 nach Langensalza, marschierenden hannover ­ schen Heeres, hier die Schienen aufzureißen. Gesprengt sollte die Brücke nicht werden. Wir staunen heute über eine solch geruhige Krieg ­ führung. In weitem Bogen umschlingt nun die Fulda die Halbinsel, die das Gut Kragenhof trägt,— die Landesgrenze folgt jedoch hier merkwür ­ diger Weise nicht dem Strome, sondern über ­ quert die Halbinsel nahe ihrer Basis, nahe der Eisenbahn. Hier tun wir einen Blick in das Werden der „Staaten" im Sinne unserer Tage. Auch das Gut Kragenhof war einst, wie sonst hier das ganze rechte Flußufer, altbraunschweigi ­ scher Besitz. Da schenkte Herzog Albrecht der Fette das Gut im Jahre 1312 den Augustine- rinnen des Klosters Ahnaberg zu Kassel. An die Regelung der territorialen Zugehörigkeit dachte er nicht und konnte nicht daran denken, da ja Haus- und Landesbesitz ineinander ­ flössen, bzw. die Landeshoheit des Fürsten nur auf seinem Hausgute, seinen lehnsherrlichen oder Vogteirechten beruhte. Als dann nach 1526 die hessischen Klöster säkularisiert wurden, ging das Gut Kragenhof damit auch in den Besitz der Landgrafen zu Hessen über und damit war, da in jenen Tagen auch die „Staat ­ lichkeit" der Territorien sich erst zu entwickeln begann, der Weg gewiesen für die staatliche Zugehörigkeit des Gutes, für die wunderliche Grenzführung. Hier wird, wenn einmal der vorhin schon erwähnte Umbau der Fuldastrecke erfolgt ist, ein kleiner See entstehen, auf dem dann der Blick ruht, der von den umgebenden Höhen über das Fuldatal fliegt, zu dem sich das Schocketal, von Simmershausen kommend, niedersenkt. Wahnhausen. Hier soll die oberste der beiden Staustufen erbaut werden, mit rund acht Meter Gefälle. Bis 1832 gehörte auch dies Dorf zu jenen zweiherrischen, die an der Grenze des altbrannschweigischen Gerichtes Sicheln ­ stein gelegen (dem späteren Oberamte Mün ­ den), damals erst durch Staatsvertrag aus ­ geglichen wurden. Auch die Dörfer im Nieste- tale gehörten zu jenen merkwürdigen Gebilden älterer Landesentwicklung. Damals trat auch Kurhessen das Dorf Laubach, eine Exklave, berühmt durch seine Schellenlinde, an Han ­ nover ab. Steil senkt sich der Berghang gegenüber Speele, oben liegt der malsburgische Hof Eichenberg, heute wieder an die Elmarshäuser Linie heimgefallen. Und wo sich der Talhang zum Osterbache senkt, in dessem Tale das kleine Dörflein Knickhagen träumt, durchzieht den Wald eine Landwehr aus ältesten Tagen, wohl auch hier die Stammesgrenze zwischen Franken und Sachsen anzeigend. Hier ward, unterhalb des Dorfes, ums Jahr 1617 eine Eisenhütte errichtet, die jedoch fünf ­ zig Jahre später, im Jahre 1666, nach Vecker ­ hagen verlegt ward, bis auch diese der merk ­ würdigen Berliner Verkehrspolitik zum Opfer fiel, die das Tal der Oberweser totlegte. Eine kleine Stunde weiter talab am Fulda ­ ufer kommen wir nun nach Wilhelmshausen. Seinen Namen trägt es nach dem Landgrafen Wilhelm IV., dem Weisen, der das Klostergut hier an zwölf Meier aufteilte und damit den Anfang des heutigen Dorfes schuf. Denn bis zur Reformation war hier nur das Kloster Wahlshausen vorhanden, ein der hl. Maria geweihtes, aber schon im 13. Jahrhundert dem westfälischen Kloster Hardehausen unterworfenes Zisterzienser-Kloster. Die romanische Kirche, die in dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahr ­ hunderts einem Feuer zum Opfer fiel, ward nach diesem Brande erneuert. In den Tälern der vom Reinhardswald zur Fulda nieder ­ rauschenden Bäche ziehen sich Wege hinauf zum Gahrenberge, dessen Kohlen auf einer Seilbahn nach Speele geschafft werden. Drüben, am Hange des jenseitigen, han- növerschen Ufers donnert ein Bahnzug hin, auf der hessischen Seite schmiegt sich die Land ­ straße zwischen Wald und Fluß, bis sie beim „Wildhaus", auch einer einstigen Zollstätte, ins Weichbild von Hann. Münden tritt. Ganz sonderbar ist die Grenzführung hier. Bei der Tillyschanze auf dem Rabanenkopfe steht der Grenzstein so, daß der Turm auf hannöverschem, die Waldwirtschaft sich auf hes ­ sischem Boden befindet. Und da wir nun ein ­ mal heute doch auf einem Grenzgange sind, wollen wir denn auch der Grenze noch bis zum Weserstrome hin folgen. Da liegt, unterhalb des heutigen „Alt- Münden", eigentlich an der Stätte der Wüstung jenes Dorfes, eine ehemalige Glashütte, die zuerst im Jahre 1699 zu Wilhelmshausen an ­ gelegt ward, zwölf Jahre später aber in das Delketal zwischen Gieselwerder und Gottstreu verlegt, von 1725 bis 1818 hier bestand. Dann ward sie kaltgelegt, wohl weil sie^nicht mehr rentierte. Sie lieferte Kristallglas.