bunden nach Jesberg gebracht, wo der dortige Ortskommandant, der französische Oberst Dieu- donno, um ein Exempel zu statuieren, den Kaufmann ohne weiteres Verhör, nur nach Einsicht des schriftlich von Strube gegebenen Zeugnisses, zum Tode verurteilte und auf der sog. Hainwiese erschießen ließ. Übrigens darf man nicht etwa denken, daß der Amtmann ein Franzosenfreund gewesen sei. Als ehemaligem Militarauditeur war ihm nur das subordinationswidrige, zügellose Be ­ nehmen der meuternden Soldaten zuwider, und der unglückliche Kaufmann wird wohl auch ein besonders ungeschliffener roher Patron ge ­ wesen sein. Daß Strube mit der Fremd ­ herrschaft nicht sympathisierte, zeigte er zwei Jahre später, wo er am Dörnbergschen Auf ­ stand beteiligt war. Er wurde 1812 als Richter nach Ülzen in Hannover geschickt, durfte aber bei der Restauration des Kurfürsten wieder als Amtmann nach Borken zurückkehren. Hier hatte man aber den Tod des Kanoniers Kaufmann nicht vergessen und beschuldigte den Amtmann jetzt offen, dessen Todesurteil veranlaßt zu haben. Die alten Eltern des Erschossenen, der 74jährige Schäfer Jakob Kaufmann und seine Frau, erhoben laute Klage gegen ihn und beantragten, daß Strube, der die Stütze ihres Alters ihnen genommen, lebenslänglich für ihren Unterhalt sorgen solle. Damit hatten sie nun kein Glück. Strube wurde zwar vom Amt suspendiert, weil seine Stellung in Borken un ­ haltbar geworden war, konnte aber nicht ver ­ urteilt werden. Statt dessen wurde er 1815 als Amtmann nach Vacha versetzt, ging mit der Abtretung dieses Ortes noch im selben Jahre in Weimarische Dienste über und starb dort im Mai 1818. Schmugglerkämpfe an der Weser. Von Zolldlrektor i X A. Woringer. Es wurde bereits früher in dieser Zeit ­ schrift darauf hingewiesen 1 , daß sich in den 20 Jahren, in denen Kurhessen bereits dem Zollvereine angehörte, während sich Hannover noch nicht angeschlossen hatte, also in den Jahren 1834 bis 1854, im Oberwesertal ein lebhafter Schmuggel entwickelt hatte. Han ­ nover hatte wegen seiner nahen Beziehungen zu England die Kolonialwaren zollfrei ge ­ lassen oder nur mit ganz geringen Zöllen belegt, so daß ein heimliches Hinüberschaffen solcher Waren in das kurhessische Gebiet des schutzzöllnerischen Zollvereins erheblichen Nutzen abwarf. Daneben lohnte auch der Schmuggel des in Kurhessen, in dem ein Salzmonopol bestand, viel teureren Salzes. Der das linke Weserufer begleitende, ausgedehnte Reinhards ­ wald mit seinem reichen Wildbestande hatte außerdem in den im und am Walde gelegenen Dörfern eine große Zahl von Wilddieben auf ­ wachsen lassen, die sich in jener Zeit auch dem einträglichen Schleichhandel hingaben und, da sie sich meist im Besitze guter Waffen befanden und sichere Schützen waren, der Grenzbewa ­ chung oft mit bewaffneter Hand entgegen ­ traten und ihr förmliche Gefechte lieferten. Zur Ergänzung der a. a. O. gemachten Mit ­ teilungen mögen nachfolgende Angaben dienen? i „Hessenland", Bd. 20, 1906, S. 46. - Entnommen den Dienstakten des Hauptsteueramts ­ rendanten Landgrebe in Fulda, die bei der kurhessischen Oberzolldirektion geführt waren und jetzt vernichtet sind. Anr 9. Dezember 1848 wurde dem Ober ­ grenzkontrolleur Landgrebe in Karlshafen ver ­ raten, daß in der folgenden Nacht etwa 120 Personen aus Helmarshausen beim Forsthos Wambeck, wenig oberhalb Karlshafens, mit Salz beladen, die Weser überschreiten würden. Es war dabei, wie gemeldet wurde, weniger aus Geldgewinnung aus dem Verkauf des ge ­ schmuggelten Salzes abgesehen, als vielmehr eine Demonstration gegen das in Kurhessen bestehende Salzregal beabsichtigt. Die poli ­ tische Seite der Sache mußte aber den Zoll ­ beamten gleichgültig sein, für sie handelte es sich nur um den Schmuggel des von den Demonstranten mitgeführten Salzes. Land ­ grebe zog deshalb in aller Stille alle ver ­ fügbaren Grenzausseher zusammen; es waren 18 Mann. Mit dieser kleinen Schar trat er, nachdem er die Schleichhändler über die Weser hatte herüberkommen lassen, ihnen entgegen. Es entspann sich ein lebhaftes Feuergefecht, das eine volle Stunde andauerte und in dem Landgrebe selbst am Arm verwundet wurde und einen Schlag über den Kopf erhielt. Es gelang, die Schmuggler zum Abwerfen ihrer Packen und zur Flucht zu nötigen, aber auch, daß eine große Anzahl von ihnen ihrer Per ­ son nach festgestellt und zur Anzeige und Bestrafung gebracht werden konnte. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 1849 stieß derselbe Obergrenz ­ kontrolleur in Begleitung nur eines Grenz-